
"100.000 Stellen im Konzern sind in Gefahr, den Werken in Emden, Hannover, Zwickau und dem Audi-Werk in Neckarsulm droht das Aus", schreibt DER TAGESSPIEGEL aus Berlin: "VW-Chef Oliver Blume geht aufs Ganze. Mit seinem radikalen Plan, weltweit 100.000 von 657.000 Stellen im Volkswagen-Konzern abbauen zu wollen, setzt er viel aufs Spiel. Am Ende könnte es ihn seinen eigenen Job kosten. So wie Herbert Diess, seinen Vorgänger. Als der vor fünf Jahren den Abbau von 30.000 Stellen ins Gespräch brachte, war es mit der Geduld des Aufsichtsrats und des Landes Niedersachsen vorbei. Diess flog raus – die Baustellen im Autokonzern blieben", erinnert DER TAGESSPIEGEL.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG beleuchtet die Rolle der Politik beim deutschen Autobauer: "Wie bei der Rentenreform der Bundesregierung gilt auch für die Autoindustrie: Die größten Widerstände gegen Einschnitte kommen von denjenigen, die die Lasten tragen müssen. Manchmal sitzen die Bremser auch im eigenen Aufsichtsrat. Das Land Niedersachsen, das an VW beteiligt ist, hat schon angekündigt, Schaden von eigenen Standorten abwenden zu wollen. Auch in Ostdeutschland ist die Lage angespannt. Politische Blockaden machen aber alles nur schlimmer. Die Branche muss sich von Grund auf neu ausrichten, sonst hat der Autostandort Deutschland keine Zukunft", warnt die FAZ.
DIE GLOCKE aus Oelde wirft ein: "Die Probleme bei Volkswagen sind offensichtlich: Der Einfluss des Großaktionärs Niedersachsen im unheilvollen Gespann mit der IG Metall schadet dem VW-Konzern seit Jahrzehnten."
"Jahrzehntelang war der Konzern ein fein austariertes Machtgefüge aus Eigentümerfamilie, Land Niedersachsen und Arbeitnehmern", fügt das HANDELSBLATT an: "Nun steht plötzlich sogar zur Debatte, die Kernmarke und den Komponentenbereich aus dem Konzern herauszulösen. Damit wächst auch das politische Risiko für Konzernchef Blume. Denn er braucht die Zustimmung von Arbeitnehmern und des Landes Niedersachsen. Genau diese beiden Lager müssten in einer neuen Konstellation um Einfluss fürchten. Die Eigentümerfamilien dürften den Kurs begrüßen. Aber ein Stellenabbau allein macht noch keine Strategie. Auch ein großer nicht. Das Management muss erklären, warum sich immer mehr Kunden gegen einen Volkswagen und für einen Toyota oder BYD entscheiden. So nötig es auch sein mag: Wer nur Kosten senkt, gewinnt noch keinen einzigen Kunden zurück", konstatiert das HANDELSBLATT.
"Diese Krise hat dramatische Symbolkraft", hält die AUGSBURGER ALLGEMEINE fest: "Mit Volkswagen wackelt ein weltweites Wahrzeichen für die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie. Die Ursachen für die VW-Misere sind vielfältig. Sie reichen von immer härterer internationaler Konkurrenz, über Missmanagement, das im Abgas-Skandal gar kriminelle Ausmaße annahm, eine zu späte Fokussierung auf neue Entwicklungen etwa in der E-Mobilität bis hin zu deutscher Bürokratie und Kosten."
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG urteilt: "Die Volkswagen-Krise kommt nicht überraschend. Sie ist auch Ergebnis einer völlig verfehlten deutschen Industriepolitik, die Merkel, Scholz und nun auch Merz im Kanzleramt zu verantworten haben."
Die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG räumt ein: "Es stimmt, der Konzern steht unter einem massiven Wettbewerbs- und Transformationsdruck: Billigere und zunehmend technisch konkurrenzfähige Modelle aus China, der teure und riskante Umstieg auf Elektromobilität, eigene Softwarepannen und Fehlinvestitionen setzen VW erheblich unter Zugzwang. Das alles macht harte Einschnitte und schmerzhafte Veränderungen unvermeidlich. Die Frage ist, wie der Konzern damit umgeht: Wer die eigene Belegschaft mit immer neuen Daumenschrauben und der ständigen Androhung von Werksschließungen konfrontiert, verspielt Vertrauen, Motivation und Loyalität. Das also, was VW in dieser Phase am dringendsten braucht", so die Einschätzung der LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG.
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN bleiben optimistisch: "Zum Glück gibt es in Deutschland innovative Start-Ups und Unternehmer, die mit Exzellenz neue Ideen in Produkte und Dienstleistungen verwandeln. Der Standort musste wegen seiner hohen Kosten schon immer besser sein als andere und hochwertigste Produkte anbieten - diesen 'Vorsprung durch Technik' muss das Land wieder anpeilen", fordern die NÜRNBERGER NACHRICHTEN in Anspielung auf einen Werbeslogan der Automarke Audi, die zum VW-Konzern gehört.
Die Einigung von Bund und Ländern auf eine Finanzreform greift die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG auf: "Auf der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz haben sie verabredet, dass der Bund künftig 80 Prozent der Kosten übernimmt, wenn er den Kommunen neue Aufgaben überträgt – nach dem Grundsatz 'Wer bestellt, zahlt zumindest den größten Teil der Zeche'. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, galt bisher aber nicht. Bund und Länder wollen mit der neuen Regelung sicherstellen, dass die finanziellen Schwierigkeiten der Kommunen nicht noch größer werden. Sie haben außerdem angekündigt, die Aufgaben auf lokaler Ebene zu reduzieren. Städte, Gemeinden und Landkreise sollen im nächsten Jahr um etwa drei Milliarden Euro entlastet werden. Angesichts eines Defizits von 30 Milliarden Euro ist das noch kein Befreiungsschlag. Die Verabredung zum Bestellerprinzip ist für die Kommunen jedoch ein bedeutender Teilerfolg", findet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Der WIESBADENER KURIER ist skeptisch: "Öffentlicher Nahverkehr, Schwimmbäder, Sportplätze, Grünanlagen, Bibliotheken, Museen und Theater oder Jugend- und Seniorentreffs sind keine selbstverständlichen Angebote. Dabei prägen diese Leistungen die Lebensqualität vor Ort. Doch es ist fraglich, ob Kommunen sie trotz der Bund-Länder-Finanzreform künftig finanzieren können. Und jede baufällige Schule, jedes geschlossene Freibad und jede gestrichene Buslinie verstärkt den Eindruck von Staatsversagen. Und das spielt Extremisten in die Hände", fürchtet der WIESBADENER KURIER.
Im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist gegen den Angeklagten die Höchststrafe verhängt worden. Die VOLKSSTIMME kommentiert: "Es ist das Ende teils erbärmlicher Auftritte eines Angeklagten mit wirren Äußerungen, der mit seiner monströsen Tat eine ganze Stadt in ihren Grundfesten erschüttert hat. Bis die Wunden heilen, wird es lange dauern, falls das überhaupt möglich ist. Umso mehr verdienen all jene Respekt und Anerkennung, die freiwillig als Zeugen auftraten und offen über die Folgen gesprochen haben. Den Angehörigen und Opfern des Anschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt blieb dies alles verwehrt, weil es dort keinen Prozess gab. Der Täter war in Italien 2016 auf der Flucht erschossen worden. Es war letztlich gut, in Magdeburg den Gerichtssaal so zu bauen, dass jederzeit genug Platz für alle Nebenkläger und die Öffentlichkeit bereitsteht. Das war für diesen historischen Prozess angemessen. Jetzt kommt es darauf an, die Betroffenen auch nach dem Urteil nicht allein zu lassen", unterstreicht die VOLKSSTIMME aus Magdeburg.
"Wichtiger noch als das Urteil selbst ist für die Betroffenen, wie sie im Verfahren behandelt wurden", stimmt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG zu: "Ein respektvoller Umgang, Transparenz und Wertschätzung durch die Behörden sind bedeutsam. Noch bedeutsamer aber ist die Möglichkeit, die eigene Stimme zu erheben, angehört und ernst genommen zu werden. Das alles hat das Landgericht in Magdeburg versucht und wohl auch erreicht. Noch mehr hätte es Opfern und Angehörigen geholfen, wenn Taleb A. seine Taten bereut hätte. Doch dazu konnte sich der Angeklagte in seiner weinerlichen Egozentrik nicht durchringen." Mit dieser Stimme der MÄRKISCHEN ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) endet die Presseschau.
