
Zunächst aber Stimmen zur erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf merkt an: "Während Trump glaubt, die Schlagkraft des US-Militärs sei entscheidend für die Konfliktlösung, aber das Regime in Teheran über das Druckmittel Straße von Hormus zu neuer Stärke findet, geht in der Region etwas Wichtiges verloren: Vertrauen in die Zukunft. Denn für die Menschen in den Ländern bedeutet all dies, dass sie dauerhaft im Alarmzustand leben. In solchen Situationen legen viele langfristige Investitionen auf Eis, leben von der Hand in den Mund, konzentrieren sich vor allem aufs Überleben. Wer kann, verlässt die unsichere Region und baut sich woanders ein neues Leben auf. So werden Länder ruiniert – auch ohne Bomben", bilanziert die RHEINISCHE POST.
Auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG wirft einen Blick auf die Region und insbesondere die vom Konflikt betroffenen Golfstaaten: "Der US-Außenminister bereiste Ende vergangener Woche die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain und versprach, dass die USA sie nicht im Stich lassen würden. In den Hauptstädten sieht man aber mit Entsetzen, dass Trump den Iranern gleichzeitig alles Mögliche verspricht und wieder Ölexporte zulässt, noch bevor Teheran irgendetwas zugesichert hat. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Emirate und Saudi-Arabien eigene Gespräche mit dem Regime beginnen werden. Sie machen gerade die gleiche Erfahrung wie Europa, merken, dass man sich auf die USA nicht verlassen kann", stellt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fest.
Die Zeitung ND DER TAG stellt fest, dass das Nachbarland Pakistan gerade eigene Ziele verfolgt - es hat sich zwar "in den vergangenen Wochen einen Ruf als Vermittler erworben, indem es einen scheinbar unlösbaren Konflikt zwischen den USA und dem Iran einer diplomatischen Lösung zuzuführen half. Dieses Gespür fehlt den Regierenden in Islamabad offenbar jedoch, wenn es um die eigenen Interessen geht. Erneut hat die pakistanische Luftwaffe Ziele in Afghanistan angegriffen und zahlreiche Zivilisten getötet. Man kennt die Begründung für solche Angriffe nur allzu gut von vielen Kriegsschauplätzen: Die Bomben galten angeblich 'Terroristen'. Überflüssig zu erwähnen, dass keine dieser Kriegshandlungen vom Völkerrecht gedeckt ist", mahnt ND DER TAG.
Das Magazin CICERO wirft stattdessen einen Blick auf einen anderen Krieg. Zur Situation Russlands in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine heißt es dort: "Es ist offensichtlich, dass die ukrainischen Angriffe eine grundlegende Bedrohung für die russische Wirtschaft und das russische Militär darstellen – zumal sie stattfinden, während Russland seinerseits die Ukraine mit Drohnen angreift und eigentlich über die technischen Möglichkeiten verfügt, Drohnen abzuwehren. Wenn es aber nicht genügend Drohnenabwehrsysteme gibt, um seine Raffinerien zu verteidigen, dann steht Russland vor einer echten Krise und sucht nach einer Lösung. Die entscheidende Frage ist, ob es überhaupt eine Lösung gibt", überlegt der CICERO.
Auch die VOLKSSTIMME aus Magdeburg attestiert Russland eine schwierige Lage und schreibt: "Wenn mitten in der Urlaubszeit die Krim zum Notstandsgebiet wird und allerorten Benzin knapp ist, muss sich Moskau Sorgen machen. Im September sind Parlamentswahlen. Nun muss die stalinistische Klaviatur her. Kremlchef Wladimir Putin überwindet sich: Er gesteht Schwierigkeiten ein. Dann setzt es noch Hiebe auf die Ukraine und den Westen. Wenn die erst besiegt sind, wird das Benzin wieder fließen und das Land neu erblühen. Das geschulte Volk weiß Bescheid: Es knirscht so laut im Getriebe, dass es bis nach Wladiwostok zu hören ist", notiert die VOLKSSTIMME.
Themenwechsel. Der britische Labour-Politiker Andy Burnham wird von vielen als möglicher Kandidat für das Premierministeramt gehandelt. In einer Rede hat er seine Ideen für das Vereinigte Königreich vorgestellt - darunter eine Dezentralisierung der Macht. Dazu bemerkt die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Was sich bereits für Schottland, Wales und Nordirland als förderlich erwiesen hat, könnte auch England den Weg weisen. Was im ländlichen Shropshire funktioniert, kann unmöglich gut sein für das urbane Newcastle upon Tyne. Verhältnis- statt Mehrheitswahl, eine Art Bundesrat und eine umfassende, klimaneutrale Reindustrialisierung des Nordens Englands – sie sollen der Devolution zusätzlichen Halt geben. Das mag zu theoretisch, zu sehr von oben herab wirken, aber dagegen steht Burnham mit seiner nahbaren Macher-Art", schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND nimmt die Person Burnhams genauer unter die Lupe: "Burnham ist einer, der Politik noch erklären kann. Er wirkt sympathisch und nahbar und besitzt die seltene Gabe, Bürger auf seinem Weg mitzunehmen. Das hat er in den vergangenen neun Jahren in Manchester eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dort reformierte er den Nahverkehr, setzte Akzente in der Wohnungspolitik und profilierte sich landesweit als verlässliche, unüberhörbare Stimme des Nordens. Auf nationaler Ebene sind die Aufgaben ungleich komplexer. Burnhams Problem ist: Das Vereinigte Königreich ist nicht Manchester. Wer den 'König des Nordens' schon jetzt als politischen Heilsbringer feiert, unterschätzt die Härte der Realität in Westminster." Das war das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND.
Zum Schluss noch ein Blick ins Inland: Der Tankrabatt, der die durch den Irankrieg verursachten hohen Spritpreise regulieren sollte, läuft aus. Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER prophezeit: "Spätestens am Mittwochvormittag werden sich lange Schlangen an den Zapfsäulen von Flensburg bis Freiburg bilden. Denn die Mehrzahl der Autofahrer in Deutschland wird ihr Fahrzeug noch einmal mit staatlich subventioniertem Sprit befüllen, bevor die Preise wieder in die Höhe schnellen. Doch werden sich viele Deutsche im Hinblick auf den Rest des Jahres fragen, wie geht es weiter. Bundeskanzler Friedrich Merz und Co. sollten deshalb noch ein echtes Ass im Ärmel haben, welches sich der hohen Kosten an den Tankstellen annimmt", merkt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER an.
Die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG fordert eine Reaktion des Bundeskartellamtes nach Auswertung des Tankrabatt-Resultats: "Wenn die Mineralölbranche Kasse gemacht hat, darf das nicht ohne Folgen bleiben. Die Zahlen sind ein Argument dafür, den Tankrabatt auslaufen zu lassen, denn er ist ein teures Instrument. Statt einer Neuauflage braucht es das, was Verbraucherschützer zu Recht einfordern: Die Regierung muss ihr Versprechen halten und die Stromsteuer senken und zugleich mit gezielten Zuschüssen und Entlastungen Haushalten mit geringem Einkommen unter die Arme greifen", kommentiert die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG.
"Die Frage ist: Wie schnell werden die Preise steigen?", fragt die FULDAER ZEITUNG. "Als der Tankrabatt zum Maifeiertag eingeführt wurde, dauerte es mehr als eine Woche, bis sich die Anzeigetafeln an den Tankstellen endlich jener Reduzierung annäherten. Wenn die Preise an den Zapfsäulen nicht schon am 30. Juni einen Sprung nach oben machen, dann wird dies zweifellos am 1. Juli um 12 Uhr der Fall sein."
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN ziehen noch einmal generell Bilanz: "Der Tankrabatt hatte zwei Ziele: Die Preise zu drücken und das Vertrauen in staatliches Handeln zu stärken. Die Preise fielen, aber schon nach drei, vier Tagen war nicht mehr klar, ob dies wegen des Steuernachlasses oder wegen der Entwicklung der Preise auf den Weltmärkten geschieht. Die Preisgestaltung an der Tankstelle ist noch immer völlig undurchsichtig. Die Politik war naiv zu glauben, daran mit Kartellrechtsverschärfungen etwas ändern zu können. Die Konzerne tun, was sie wollen", heißt es in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN. Damit endet die Presseschau.
