04. Juli 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Julian Nagelsmann hat seinen Posten als Fußball-Bundestrainer aufgegeben. Auch der 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA ist ein Thema in den Kommentaren. Doch zunächst geht es um die Debatte über strengere Regeln bei Krankmeldungen.

Julian Nagelsmann läuft enttäuscht über den Platz. Hinter ihm läuft Manuel Neuer.
Ein Thema in den Kommentaren: Julian Nagelsmann ist nicht länger deutscher Fußball-Bundestrainer. ( AFP / Getty Images / Alexander Hassenstein)
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG aus Essen geht ein auf die von der Bundesregierung geplanten Änderungen: "Bislang ist ein Attest vom Arzt erst ab dem vierten Tag nötig, bald soll die Pflicht, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen zu müssen, schon ab dem ersten Tag greifen. Die Annahme dabei: Wer wirklich krank ist, dürfte auch nichts dagegen haben, einen Arzt aufzusuchen. Grundsätzlich ist es richtig, die Hürden für das Krankschreiben zu erhöhen. Wer das viel beschworene 'Krankfeiern' unterbinden will, kann gar nicht anders. Tatsächlich wäre dann auch Belegschaften geholfen. Fehlt jemand ständig krank, steigt die Belastung für die anderen, hart arbeitenden Kollegen. Jedoch kommt es auf die Ausgestaltung der Regelung an", so die Meinung des Kommentators in der W.A.Z.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG glaubt: "Die Attestpflicht und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung zeugen von einem tiefen Misstrauen der Bundesregierung gegenüber der Bevölkerung. Dieses Misstrauen müssen die Menschen nun mit unnötigen Arztbesuchen ausbaden. Gerade für Menschen auf dem Land, die weitere Wege fahren müssen und dafür weniger Verkehrsoptionen haben, ist das eine nennenswerte Belastung."
Die BERLINER ZEITUNG erwartet: "Wer wirklich Hilfe braucht, wartet künftig noch länger, während der Patient mit Schnupfen brav seine Anwesenheitspflicht beim Onkel Doktor erfüllt, um den Kanzler milde zu stimmen. Die Arbeitgeber lässt die Bundesregierung dabei zwischen zwei Stühlen stehen: Entweder sie drangsalieren ihre Beschäftigten vom ersten Krankheitstag an – oder sie verzichten auf die Kostenerstattung der Krankenkassen. Was für ein Erfolg der Koalition! Die Merz-Regierung verstopft die Arztpraxen, und die neue AU-Pflicht könnte das System endgültig an seine Grenzen bringen", wendet die BERLINER ZEITUNG ein.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf findet: "Es ist das Gegenteil von Bürokratieabbau, die telefonische Krankschreibung zu streichen. Die Folge werden überfüllte Wartezimmer sein, wenn es keine pragmatischen Lösungen geben wird. Chroniker etwa können sich nicht mit einer akuten Migräne-Attacke für eine Krankschreibung in die Praxis setzen. Das Nachreichen von Attesten soll möglich bleiben und wird wohl künftig stärker genutzt, ist aus Sicht der Ärzte aber nicht unproblematisch. Denn dabei müssen sie beurteilen, ob die Arbeitsunfähigkeit auch schon vor ein oder zwei Tagen bestanden hat. Der Koalition ist mit dem Thema jedenfalls ein Kommunikationsdesaster unterlaufen, weil es eine unnötig große Aufregung um ein vermeintlich kleines Problem gibt", urteilt die RHEINISCHE POST.
Themenwechsel. Heute vor 250 Jahren haben die USA ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erklärt. Dazu bemerkt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Viele schöne Worte aus der Unabhängigkeitserklärung – etwa das Versprechen von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück – sind Gegenstand von Kontroversen, von der Abtreibung über die Rechte von Migranten bis zur Chancengleichheit. Dass alle Menschen gleich seien, wie es 1776 ausgerufen wurde, stimmte schon damals nicht: Unter George Washington hatten Sklaven, allgemein hatten Frauen nichts zu sagen und die Natives, die das Land seit Tausenden Jahren bewohnten, wurden vertrieben und ermordet. Bis heute bestimmen Vermögen, Herkunft und Hautfarbe maßgeblich darüber, wie groß der Anteil des Einzelnen am amerikanischen Traum ist", bilanziert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG analysiert: "Die seit den Sechzigerjahren immer weiter zugespitzte Polarisierung der Gesellschaft brachte schließlich das Institutionengefüge aus dem Lot: Ein wegen Unfähigkeit zum Kompromiss gelähmtes System bot den Obersten Richtern die Chance, mächtige politische Akteure zu werden. Und der Kongress, eigentlich der Gigant der Gewalten, verzwergte sich unter Trump zum Wohle eines autokratisch geneigten Präsidenten. Dennoch wäre es verwegen, die 'älteste Demokratie der Welt' für gescheitert zu erklären. Die Gründerväter verankerten den Glauben an die Freiheit des Individuums in der DNA des Landes – und in großen Teilen der Welt. Das Wahlrecht für Frauen und - unter größten Schmerzen - für Afroamerikaner folgte dem Auftrag der ältesten gültigen Verfassung der Welt, eine 'immer vollkommenere Union' zu schaffen. Das System einander kontrollierender und verschränkter Gewalten bot über Jahrhunderte hinweg guten Schutz vor Machtanmaßungen", notiert die F.A.Z.
Die STUTTGARTER ZEITUNG stellt fest: "Auch 250 Jahre Freiheitstradition sind keine Garantie für das Überleben einer Demokratie. Es sind anfangs nur Minderheiten, die zur Auflehnung bereit sind. Erst wenn - wie es in Minnesota nach den Exzessen der Einwanderungspolizei ICE der Fall war - die breite Mehrheit ihr freiheitliches Leben bedroht sieht, wird ein solcher Widerstand wirksam. Es sind die Ideen von 1776, die dafür den geistigen Überbau liefern. In der US-Geschichte waren sie Bezugspunkte für alle Freiheits- und Widerstandsbewegungen. Offen ist, wer im Kampf um die Seele der Vereinigten Staaten die Oberhand gewinnt", heißt es in der STUTTGARTER ZEITUNG.
Der Deutsche Fußball-Bund hat die vorzeitige Auflösung des Vertrags von Bundestrainer Julian Nagelsmann bekannt gegeben. Hintergrund ist das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der WM. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU ist überzeugt: "Das Aus von Nagelsmann als Bundestrainer war unvermeidlich. Denn er wurde nach dem Scheitern einer dysfunktionalen Mannschaft ja nicht nur in den Boulevardmedien knallhart angegangen, sondern hatte auch keinen Kredit mehr in der interessierten Öffentlichkeit. Auch wirkte er ausgezehrt und zunehmend entnervt. Das wären katastrophale Voraussetzungen gewesen, um das Projekt EM 2028 kraftvoll anzugehen", vermutet die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
"Julian Nagelsmann war von Anfang an eine Verlegenheitslösung als Bundestrainer", schreibt die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG: "Für das hohe Amt fehlen ihm sportlicher Pragmatismus und staatsmännisches Geschick. Das Debakel in Nordamerika trägt seine Handschrift. Mit unglücklichen Personalentscheidungen und wirrer Kommunikation hat er die deutsche WM-Kampagne sabotiert. Sein Aus nach knapp drei Jahren ist logisch und richtig. Der DFB ist zu loben dafür, dass er zügig reagiert hat."
Auch die FREIE PRESSE vertitt die Ansicht, Nagelsmanns Rückzug sei alternativlos, denn: "Er hat zu viele Fehler gemacht. Angefangen bei der würdelosen Degradierung seines Torhüters Oliver Baumann, um Manuel Neuer zu reaktivieren; fortgesetzt mit dem bedingungslosen Festhalten an dem 'Sichfestdribbler' Leroy Sané oder fröhlichen Pärchen-Nachmittagen mit seiner Ehefrau während des Turnieres. Seine mitunter trotzige Art direkt nach dem Schlusspfiff hat es nur noch schlimmer gemacht. Nun endlich ist dieses Missverständnis mit einem jungen Trainer, der schon bei all seinen vorherigen Stationen - Hoffenheim, Leipzig, München - viel zu hoch in den Himmel gelobt wurde, obwohl er nie wirklich nachhaltige Erfolge vorweisen konnte, vorbei." Wir zitierten die FREIE PRESSE aus Chemnitz.
Als Nachfolger gilt der frühere Trainer von Mainz, Dortmund und Liverpool, Jürgen Klopp. Das Magazin DER SPIEGEL gibt zu bedenken: "Klopp hat seit zwei Jahren nicht mehr als Trainer gearbeitet, er hat bei Red Bull angeheuert, was bei seinen Stammfans Kopfschütteln bis hin zur Fassungslosigkeit ausgelöst hat. Er taucht beim Stanglwirt in Kitzbühel auf, um dort Après-Ski-Feten mit dem Jetset zu feiern, seine Omnipräsenz in der Werbung nervt viele Menschen. Als WM-Experte für Magenta hat er zudem erstaunlich wenig Sachdienliches zu den fußballerischen Dingen dieses Turniers beigetragen. Klopp kann jetzt noch die Kurve bekommen. Der 59-Jährige ist als Trainer eine Art Mythos geworden. Doch dieser Mythos bröckelt", kommentiert DER SPIEGEL, mit dem diese Presseschau endet.