
"Dieser Deal ist mehr als bloßes Geschäft", meint die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Er steht für eine neue Allianz der Mittelmächte. Allein das Beispiel TKMS verbindet Kanada, Deutschland und Norwegen auf Jahrzehnte militärisch. Den Deal kann man deswegen als historisch bezeichnen. Auch deshalb, weil Deutschland ein neues Selbstverständnis als industriepolitischer Gestalter an den Tag legte. Nostalgie ist keine Strategie, das sagte schon der kanadische Premierminister Anfang 2026. Carney verkündete: 'Mittelmächte sind nicht machtlos.' Er sprach von einer neuen Ordnung, von Mittelmächten, die 'in einer Welt der Festungen durch echte Zusammenarbeit am meisten zu gewinnen haben'. Ein Stück von diesem neuen 'werteorientierten Realismus' ist jetzt wahr geworden", freut sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf findet: "Der Milliarden-Auftrag aus Kanada ist eine Erfolgsstory. Politisch hilft er Europa, seine Ohnmacht gegenüber den USA zu überwinden. Das ist umso wichtiger, weil die deutsch-französische Zusammenarbeit misslang und der Kampfjet FCAS gerade auf Eis gelegt wurde. Und für die deutsche Wirtschaft, die seit 2019 in der Krise steckt, wird die Rüstungsindustrie zum Hoffnungsträger. Während Auto- und Chemiekonzerne Tausende Stellen abbauen, schaffen TKMS und Rheinmetall neue Jobs."
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg sieht es so: "Da fädeln die Nato-Verbündeten Kanada, Deutschland und Norwegen einen U-Boot-Deal im Milliarden-Format ein - und das an den Vereinigten Staaten vorbei. So hatte Nato-Zuchtmeister Donald Trump das nicht gemeint: Zwar sollen die Nato-Mitglieder deutlich mehr Geld in die Rüstung pumpen, aber sich nicht von der US-Rüstungswirtschaft emanzipieren. Der US-Präsident wird auf Rache sinnen. Überlegte Gegenwehr ist dann gefragt - ohne das Bündnis infrage zu stellen."
Die TAGESZEITUNG- TAZ vermerkt: "Für Kanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius gleicht das Abkommen einem Geschenk an die transatlantischen Beziehungen. Fakt ist, dass die drei Nato-Partner mit der Kooperation ein klares Zeichen an die USA senden. Kanada will sich stärker an die europäischen Partner binden und sich nicht auf den direkten Nachbarn verlassen müssen. Der U-Boot-Deal ist dabei gewiss nur der Anfang einer Reihe an milliardenschweren Aufträgen, die während des Gipfels abgeschlossen werden. Die deutsche Regierung kann als Investitions-Streber bereits mit gemachten Hausaufgaben anreisen. Und vor den eigenen Wähler*innen zu Hause wird der Rüstungsrausch der Nato-Partner mit den gesicherten Arbeitsplätzen in Kiel verknüpft werden", heißt es in der TAZ.
Zu einem weiteren Thema. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG befasst sich mit der geplanten Elterngeld-Reform: "Nun soll die Bezugsdauer des Elterngeldes also von 14 auf 12 Monate sinken, und das zweite Elternteil – meist der Vater – muss davon drei Monate nehmen. Klar, der Sozialstaat ist teuer, doch diese Kürzung ist Sparen an der falschen Stelle. Schließlich sind Kinder nicht bloß eine persönliche Erfüllung, sondern die Voraussetzung für das Funktionieren der Gesellschaft. Frühere Generationen mögen ihre Kinder ohne Elterngeld und mit nur einem Gehalt aufgezogen haben. Doch das ist heute angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten kaum mehr möglich. Reformen, die Familien belasten, untergraben daher die ganze Gesellschaft", moniert die die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG findet es – Zitat – "mehr als heikel, ausgerechnet bei der beliebtesten familienpolitischen Leistung, dem Elterngeld, zu sparen. Die Geburtenrate hat einen neuen Tiefststand im Nachkriegsdeutschland erreicht. Familien, Kinder und Jugendliche müssen zunehmend darum kämpfen, in der Mehrheitsgesellschaft der über Sechzigjährigen noch gesehen zu werden. Insgesamt erlaubt der Gesetzentwurf, der in der Ressortabstimmung und im parlamentarischen Verfahren noch deutliche Veränderungen erfahren kann, den Familien eine individuellere Planung. Nicht nachzuvollziehen ist allerdings, warum die Ministerin die obere Einkommensgrenze von 175.000 Euro Jahreseinkommen nicht antasten wollte. Selbst eine leichte Senkung hätte Einsparungen gebracht und der Mittelschicht womöglich weiter die berufliche Auszeit von 14 Monaten ermöglicht", notiert die F.A.Z.
Die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm hält die Kürzungen dagegen für gerechtfertigt: "Ursprünglich wurde dieser staatliche Ersatzlohn für Eltern eingeführt, um die Geburtenrate bei gut verdienenden Frauen zu erhöhen. Später dann galt es als Mittel, um ganz allgemein Arbeit und Familie besser vereinbaren zu können. Schließlich wurde es damit begründet, die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu befördern. Ein Blick auf die sinkende Geburtenrate suggeriert, dass die 'beliebteste familienpolitische Leistung' ihre Wirkung verfehlt hat. Für inzwischen etwa sieben Milliarden Euro im Jahr sollte mehr herausspringen", meint die SÜDWEST-PRESSE.
Dass für die vollen Elterngeld-Bezüge künftig jedes Elternteil mindestens drei Monate Betreuungszeit nehmen soll, könnte sich nach Ansicht der RHEINPFALZ nachteilig auf die berufliche Entwicklung und die soziale Absicherung von Müttern auswirken. "Erst recht, wenn der Partner seine drei Monate zeitgleich nimmt. Denn dann endet das Elterngeld nach neun Monaten, einen Betreuungsplatz für das Kind gibt es aber erst ab dem ersten Lebensjahr. Spanien verfolgt ein anderes Modell: Beide Elternteile bekommen 16 Wochen, die nicht übertragbar sind. Die Väterbeteiligung stieg auf nahezu 100 Prozent. Priens Pläne verpassen leider die Chance, die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt abzumildern, indem Männer für Arbeitgeber exakt das gleiche 'Ausfallrisiko' bedeuten", hält die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen fest.
Nun nach Frankreich. Dort hat ein Berufungsgericht ein Urteil gegen die Rechtspopulistin Le Pen bestätigt, das Strafmaß aber abgemildert. Le Pen zeigte sich danach zuversichtlich, mit einer Revision die Auflage einer elektronischen Fußfessel abwenden zu können. Ohne diese will sie als Präsidentschaftskandidatin für ihre Partei Rassemblement National in den Wahlkampf ziehen. Der TAGESSPIEGEL aus Berlin schreibt zu dem Gerichtsentscheid: "Was für ein kluges Urteil! Die Richter am Berufungsgericht in Paris haben keine Zweifel an der schweren Schuld Le Pens wegen der systematischen Veruntreuung öffentlicher Gelder gelassen. Sie haben der Rechtspopulistin aber juristisch die Möglichkeit gelassen, als Präsidentschaftskandidatin anzutreten. Aber einen Haken hinterlassen: Le Pen müsste im Wahlkampf eine elektronische Fußfessel tragen. Damit entscheidet nicht ein Gericht darüber, ob die Frontfrau des RN kandidieren darf. Sondern sie selbst muss sagen, ob sie als verurteilte Straftäterin mit den Auflagen einer Fußfessel ins Rennen um das mächtigste Amt Frankreichs gehen will. Das clevere Urteil hat aus einer juristischen Frage eine moralische gemacht. Damit ist auch das RN-Narrativ, eine politisierte Justiz wolle einen Sieg der Rechtsextremen bei der Präsidentschaftswahl verhindern, hinfällig", bemerkt der TAGESSPIEGEL.
In den Augen der FRANKFURTER RUNDSCHAU ist es gleichgültig, ob Le Pen oder alternativ Parteichef Bardella für den Rassemblement National kandidieren: "Beide liegen in den Umfragen weit vor allen anderen. Das müsste die Liberalen und die Linken in Frankreich eigentlich überzeugen, schleunigst Einheitskandidaturen auf die Beine zu stellen. Nach jetzigem Stand der Dinge scheinen sie aber dazu nicht willens oder fähig. Trotzdem haben Le Pen oder Bardella noch nicht gewonnen. Sicher ist allerdings schon jetzt, dass die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr ein Härtetest für die französische Republik wird", stellt die FRANKFURTER RUNDSCHAU fest, und damit endet die Presseschau.
