13. Juli 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Kommentarspalten der Zeitungen beschäftigen sich mit der Sabotage der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln sowie dem drohenden Stellenabbau bei VW. Zunächst geht es jedoch um den Irankrieg.

Die katarischen Streitkräfte wehren einen Raketenangriff ab. Die Vereinigten Staaten und der Iran lieferten sich im Rahmen des anhaltenden Konflikts um die Straße von Hormus gegenseitige Angriffe.
Die katarischen Streitkräfte wehren einen Raketenangriff ab. Die Vereinigten Staaten und der Iran lieferten sich im Rahmen des anhaltenden Konflikts um die Straße von Hormus gegenseitige Angriffe. (dpa / Stringer)
Nach gegenseitigen Angriffen hat sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran am Wochenende wieder verschärft. Das HANDELSBLATT fasst zusammen: "Das iranische Regime hat trotz unzähliger Luftangriffe nicht kapituliert, es ist trotz der Tötung seiner Führungsspitze nicht kollabiert, auch die US-Marineblockade der Straße von Hormus und weitere Sanktionen haben es nicht in die Knie gezwungen. Der Massenaufstand? Davon redet Trump mittlerweile gar nicht mehr. Und die Planer des Kriegs scheinen nicht einmal damit gerechnet zu haben, dass der Iran die Straße von Hormus sperren könnte. Egal, wie man es dreht und wendet: Trump hat den Iranern ein strategisches Druckmittel verschafft. Sie werden deshalb weiter auf der Kontrolle der Meerenge bestehen. Er kann sie noch so unflätig beschimpfen, ihnen mit noch so vielen Bomben drohen, er wird damit nichts erreichen", heißt es im HANDELSBLATT.
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG setzt den Krieg in einen Zusammenhang mit der US-amerikanischen Geschichte: "Das Teheraner Regime, das sich keinen Deut um Menschenrechte schert, steht stärker da denn je. Weder US-Angriffe noch die gezielten Tötungen zahlreicher Führungskräfte, zwangen die Mullahs in die Knie. Und Trump bemüht schon längst nicht mehr das Narrativ verfolgter Menschen im Iran, denen geholfen werden müsse. Eine von vielen Kriegslügen. Die Atommacht Iran? Kann sich auch ohne nukleare Sprengköpfe effektiv verteidigen. Somit reiht sich Iran ein in die US-Kriege in Vietnam, Afghanistan, Irak und Libyen. Solche Kriege nützen der Rüstungsindustrie - sonst niemandem." Das war die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg.
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm fragt sich, wie es um das neue geistliche Oberhaupt Modschtaba Chamenei steht: "Weiter ist unklar, ob er noch lebt oder einfach die Öffentlichkeit aus Sorge vor Anschlägen meidet. In dieser fragilen Situation wird das Regime keine Schwäche zeigen wollen. Die Verhandlungen werden weiterhin mit größter Härte geführt, egal wie viele Drohungen Trump ausstößt. Jetzt wäre es an der Zeit, dass eine dritte Partei die Friedensverhandlungen übernimmt, etwa China. Doch zeigt die Staatsführung wenig Interesse. Außerdem dürfte Trump es niemals zulassen, sich in die Hände des Herausforderers zu begeben", überlegt die SÜDWEST PRESSE.
Nun der Blick ins Inland. Zu den Sparplänen bei Volkswagen schreibt der MÜNCHNER MERKUR: "Es wird am Ende ohne blutige Schnitte nicht gehen: VW hat die weltweit höchsten Arbeitskosten eines Autoherstellers, in anderen Ländern wird um die Hälfte billiger produziert. Selbst die heimischen Wettbewerber BMW und Mercedes sind effizienter. Statt wie vor Corona 12 Millionen kann Volkswagen absehbar nur noch 9 Millionen seiner teuren Autos im Jahr verkaufen. Wenn es einen perfekten Sturm gibt, dann hat er sich über Wolfsburg zusammengebraut: Managementfehler, nationale Standortnachteile und unfaire Praktiken des übermächtigen Wettbewerbers China treffen auf einen politisch gelähmten Konzern, in dem SPD und Grüne aus Angst vor ihren Wählern Anpassungsmaßnahmen mitblockieren", konstatiert der MÜNCHNER MERKUR.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG stellt fest: "Zwar sind Kommunikationsdesaster eine Wolfsburger Spezialität. Doch dieses stellt schon einen Tiefpunkt dar. Es hinterlässt Zehntausende verunsicherte Beschäftigte, die nicht wissen, ob sie in ein paar Jahren noch eine Anstellung haben. Dabei dürfte auch den weltweit mehr als 660.000 Mitarbeitern klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Die Lage ist für alle deutschen Autohersteller katastrophal. Da wird es auch nicht reichen, ein paar Lenkräder weniger herzustellen und ein paar 'Synergien zu heben', wie es Manager gerne ausdrücken. VW muss sich grundlegend wandeln. Es wäre nur fair, endlich mal offen darüber zu reden, wie dieser Wandel aussehen könnte", kommentiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT konzentriert sich derweil auf einen anderen Problemherd der Automobilbranche - auf Mercedes. Auch dieses Unternehmen ist auf Sparkurs: "Die Energie- und Bürokratiekosten müssen sinken, auch bei den Arbeitskosten muss etwas passieren. Es geht nicht an, dass man den Mercedes-Chef Ola Källenius als Utopisten beschimpft, weil er in dieser prekären Situation die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Spiel bringt. Die Verlagerung von ganzen Modellpaletten nach Ungarn, Slowakei oder Tschechien erfolgt ja nicht, weil dort die Luft besser wäre, sondern weil die Arbeitskosten wesentlich geringer sind als hierzulande", mahnt das STRAUBINGER TAGBLATT an.
Themenwechsel. Nach der Sabotage einer Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln hat sich die Gruppe "Kommando Angry Birds" zu den Brandsätzen bekannt. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG stellt fest: "Hier ist eine weitere linksextreme, ökoterroristische Gruppe am Werk, die die Taten der selbst ernannten Letzten Generation noch weit in den Schatten stellt. Sie zerstört, was sie angeblich schützen will, nämlich die ökologischen Lebensgrundlagen, indem sie ausgerechnet Bahnstrecken angreift, und ist darin der Letzten Generation ähnlich. Die hat die Leute auch nur gegen den Klimaschutz aufgebracht, statt sie dafür zu gewinnen. Womöglich gibt es da auch personelle Überschneidungen", überlegt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG sieht es ähnlich: "Besonders perfide ist, dass Gruppen wie das 'Kommando Angry Birds' in Kauf nehmen, dass dabei unbeteiligte Menschen zu Schaden kommen. Dass die Signalanlagen durch den Brand nicht ausfielen und es nicht zu einem großen Unfall auf den Gleisen kam, war unfassbares Glück. Ihrem Ziel, das angeblich im Namen der Ökologie zu tun, erweisen die Extremisten damit mehr als einen Bärendienst. Auf eine Erklärung, wie genau diese Anschläge dem Klimaschutz dienen sollen, wird man lange warten - denn es gibt sie nicht. Stattdessen zielen sie genau auf die Bereiche ab, die Alternativen zum klimaschädlichen Verkehr bieten," bemerkt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt an der Oder.
Zuletzt ein Blick in die Ukraine und auf den russischen Angriffskrieg. Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN kommentieren die ukrainischen Angriffe auf die russische Energie-Infrastruktur: "Die Benzin-Not zeigt, dass die Strategie der Ukraine, mit Drohnen auch weit entfernte russische Raffinerien anzugreifen, aufgeht. Doch die Bevölkerung der Ukraine zahlt dafür einen hohen Preis. Denn Putin antwortet mit noch mehr Bomben auf zivile Ziele, etwa in Kiew. Weil die Ukraine kaum noch Patriot-Flugkörper hat, ist sie den Raketen ausgeliefert. Berichte, wonach Putin angezählt sei, sind mit Vorsicht zu nehmen. Ebenso Einschätzungen, wonach die militärischen Erfolge der Ukraine die Aussichten auf Verhandlungen erhöhen. Rational gesehen, mögen das schlüssige Folgerungen sein. Aber seit wann handelt Putin rational?" überlegt der Kommentar der MEDIENGRUPPE BAYERN.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU konzentriert sich mehr auf die Rolle anderer Staaten, und fragt: "Wie also beenden wir den Krieg, und wie schaffen wir wieder Frieden in Europa? Offensichtlich auch durch die Demonstration von Stärke, zu der aber nicht nur Bewaffnung, Spionageabwehr, Cybersicherheit und der Zivilschutz gehören, sondern auch ein wirklich konsequentes Embargo russischer Energielieferungen. In jedem Fall werden wir mit dem Feind reden müssen. Und zunächst muss dieses Gemetzel in der Ukraine beendet werden. Aber danach geht es darum, eine neue Sicherheitsarchitektur aufzubauen und über Abrüstung zu reden. Am Ende entscheidet nicht nur die militärische Stärke, sondern auch die Bereitschaft der Menschen in Europa, für Demokratie und Freiheit einzustehen. Wer nur an Aufrüstung denkt, zerstört die Gesellschaft", mahnt die LAUSITZER RUNDSCHAU, mit der diese Presseschau endet.