14. Juli 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden die von Bundesfamilienministerin Prien geplanten Einsparungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss und das Treffen der sogennanten "Koalition der Willigen" zur Unterstützung der Ukraine in Paris. Vor allem befassen sich die Zeitungen aber mit den EU-Vorschlägen zur Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen.

Eine Jugendliche sitzt auf dem Boden und nutzt ein Smartphone - auf dem Display sind verschiedene Apps zu sehen.
Social-Media-Verbot: Könnte ein EU-Bericht den Weg dafür ebnen? (Elisa Schu/dpa)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht darin eine längst überfällige Reaktion auf das "digitale Laissez-faire": "Was das Expertengremium auf EU-Ebene zur Nutzung von 'sozialen Medien' im Kindesalter und in der Jugend zu sagen hat, entspricht im Wesentlichen den Empfehlungen der Kommission, die im April in Deutschland ihren Bericht vorgelegt hat. Die Grundlinien sind klar: Kleinkinder haben am Smartphone nichts zu suchen, danach sollte die digitale Welt nicht unkontrolliert über Kinder und Jugendliche hereinbrechen. Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, sieht sich deshalb durch die Empfehlungen des Gremiums ermutigt, den Zugang zu 'sozialen Medien' nach Altersgruppen gestaffelt zu reglementieren. Ist das nun gut oder schlecht? Verfolgt man die Debatte seit gut zwanzig Jahren, muss man sagen: Ja, es ist gut. Kein digitales Neuland wurde so unerträglich idealisiert wie das der 'sozialen' Medien. Nun kommt die Quittung", konstatiert die F.A.Z.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder begrüßt es, dass die EU bei einem Social-Media-Verbot nun die Initiative ergreift: "Seit Jahren zeichnet sich ab, welche gesundheitlichen Folgen es hat, wenn man Kinder unvorbereitet, zu früh und zu lange in den Weiten des Internets und mit den süchtig machenden Algorithmen allein lässt. Dass bisher immer noch nicht entscheidend gegengesteuert wurde, darf man Eltern, Gesellschaft und Politik durchaus vorwerfen. Umso wichtiger, dass die EU nun endlich ins Handeln kommt - nur sie kann die Plattformen in die Verantwortung nehmen und Bußgelder verhängen", stellt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG fest.
Die FULDAER ZEITUNG sieht es ähnlich: "Wenn sich die EU-Länder auf 13 Lebensjahre einigen, dann ist das genauso in Ordnung wie wenn die Zahl 14 oder die 12 herangezogen würde. So oder so ist nur eine EU-weit einheitliche Normierung wirksam, um die Kinder und Jugendlichen vor all der hasserfüllten Niedertracht, vor Gewalt und Pornografie und sonstigem (vielfach ideologischem) Schund in den oftmals gar nicht so sozialen Netzwerken bestmöglich zu schützen. Denn anders als Erwachsenen fehlt den ganz jungen Menschen das Korrektiv aus Erfahrung und Wissen. Zumal, wenn sie unbegleitet in der mitunter irren und wirren virtuellen Welt unterwegs sind und von deren Algorithmen kirre gemacht werden."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE hebt die Arbeit des Gremiums hervor und glaubt, dass nun tatsächlich eine europäische Regelung kommen könnte: "Das Besondere an dem Experten-Bericht: Er räumt das umstrittene 'Verbot bis 16' ab, geht – nicht nur, was die Altersgrenzen betrifft – differenziert vor und verteilt Verantwortung wie Pflichten pragmatisch und vernünftig. Vor allem würden endlich die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht genommen: Sie müssen zeigen, dass ihre Angebote keinen Schaden anrichten. In dieser Form stellen die Vorschläge eine aussichtsreiche Grundlage dar – für einen Kompromiss und ein europaweit einheitliches Vorgehen. Das ist hier enorm wichtig. Denn bislang herrscht in den Mitgliedstaaten der EU ein Durcheinander an Regeln und Regulierung, das die Tech-Giganten mit den gigantischen Umsätzen bestens für sich nutzen. Selbst Milliardenstrafen nehmen sie in Kauf und halten an gerade für Kinder problematischen Mechanismen fest. Die EU könnte ihnen diesmal ernsthaft das Spiel verderben", hofft die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Und nun zu den geplanten Einsparungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss. Die MEDIENGRUPPE BAYERN sieht in dem Vorschlag ein falsches Signal: "Weil der Bund sparen muss, will Familienministerin Karin Prien (CDU) den staatlichen Unterhaltsvorschuss künftig nur noch bis zum 16. Geburtstag von Kindern zahlen. Für das Vertrauen der Bürger in den Staat ist der Vorstoß verheerend. Schließlich ist es Staatsaufgabe, von säumigen Elternteilen Unterhaltszahlungen einzutreiben – und das Geld nicht den Kindern wegzunehmen, nur weil das der Weg des geringsten Widerstands ist. In Zeiten, in denen die Kinderarmut zunimmt, schreit das Vorhaben nach staatlicher Hilflosigkeit", kritisiert die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Für die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg sind die betroffenen Jugendlichen die Leidtragenden: "Eine Trennung der Eltern stürzt in aller Regel auch die Kinder in eine Krise. Der schmerzhafte Verlust des gewohnten Familienlebens trifft alle. Für jene, bei deren Eltern das Geld knapp ist, kommt aber oft noch eine wirtschaftliche Krise hinzu. Wenn obendrein die unterhaltspflichtigen Ex-Partner nicht zahlen, dreht sich die Spirale in Richtung Armut weiter. Es ist richtig, dass angesichts der angeschlagenen Staatsfinanzen alles einmal auf den Prüfstand muss. Aber ausgerechnet bei diesen Jugendlichen zu kürzen, ist falsch. 16-Jährigen, die es ohnehin schon nicht leicht hatten, wird der Start ins Leben über Gebühr erschwert. Die Staatskasse auf ihre Kosten aufzufüllen, ist kurzsichtig und sozial ungerecht", unterstreicht die BADISCHE ZEITUNG.
Die STUTTGARTER NACHRICHTEN üben an Priens Vorstoß ebenfalls deutliche Kritik: "Würde der Staat nicht beim Unterhaltsvorschuss parat stehen, müssten andere Sozialkassen einspringen. Und das so lange, wie die Bedürftigkeit gegeben ist. Das hat nichts mit dem Alter zu tun. Die Bezugsgrenze des Unterhaltsvorschusses von 18 auf 16 Jahre zu senken ist inhaltlich Blödsinn. Die wenigsten 16-Jährigen stehen finanziell auf eigenen Füßen - und für diejenigen, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können, gibt es schon heute keinen Unterhaltsvorschuss mehr. Der Bedarf wird geprüft, das ist richtig so. Ob ausreichend geprüft wird, welcher Vater sich einen schlanken Fuß macht, ist strittig. Da einen Gang zuzulegen, wäre begrüßenswert", wenden die STUTTGARTER NACHRICHTEN ein.
Dass die Familienministerin den Unterhaltsvorschuss reformieren will, findet die TAGESZEITUNG "im Prinzip" richtig. Allerdings lasse sie dabei "wichtige Stellschrauben" aus: "Was Prien konkret ankündigt, ist unausgewogen: Falsch ist, die Leistungen für die Alleinerziehenden und ihre Kinder einzuschränken. Richtig ist dagegen, auch am anderen Ende anzusetzen. Zu Recht will Prien damit bei denen beginnen, die Unterhalt zahlen müssten, es aber nicht tun: Als Sanktion will sie ihnen zum Beispiel den Führerschein wegnehmen. Handlungsbedarf gäbe es aber auch bei denen, die zahlen könnten, es aber nicht müssen: Es gibt zu viele Schlupflöcher, mit denen Gutverdiener*innen ihre Unterhaltspflicht kleinrechnen können. Und zum kompletten Bild gehören schließlich noch die Fälle, in denen der Staat einspringen muss, weil der Unterhaltspflichtige wirklich nicht zahlen kann", bemängelt die TAZ.
Und nun noch ins Ausland. In Paris sind die westlichen Unterstützerländer der Ukraine zusammen gekommen. Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg moniert, wie das Treffen in Szene gesetzt wird: "Wo Emmanuel Macron Politik betreibt, ist der Pomp nicht weit. So sollen die Ukraine-Unterstützer in Paris die Staatenlenker nach den Debatten noch am militärischen Glanz Frankreichs bei der Militärparade zum Nationalfeiertag ergötzen können - der Wahlkampf für 2027 läuft an. Ob bis dahin der Ukraine-Krieg vorbei sein wird, weiß nur das Orakel von Delphi. Gern wird über den Zusammenbruch des Kreml-Regimes spekuliert. Russland führt aber nicht viereinhalb Jahre Krieg - der neuerdings auch in Moskau so bezeichnet wird - um sich dann von ukrainischen Drohnenschlägen abservieren zu lassen. Wirksame Unterstützung kann nur von den Europäern kommen. Doch neigen die meisten in der sogenannten 'Koalition der Willigen' eher zu großen Gesten als zu großen Waffenspenden", bemerkt die VOLKSSTIMME. Und damit endet die Presseschau.