15. Juli 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden die steigenden Kosten für Bewohner in Pflegeheimen sowie die festgefahrene Situation in der Straße von Hormus. Zunächst geht es aber um den fünften Jahrestag der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie die Fortschritte beim Wiederaufbau und Hochwasserschutz.

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal auf dem Marktplatz.
Bad Neuenahr-Ahrweiler: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal auf dem Marktplatz. (Boris Roessler / dpa / Boris Roessler)
"Als es hell wurde über dem Ahrtal, war nichts mehr so, wie es war", erinnert sich die PFORZHEIMER ZEITUNG: "Fünf Jahre ist die Katastrophe dort und in anderen Teilen des Landes her, die sich tief ins nationale Gedächtnis eingebrannt hat. Vieles ist gelungen seit der großen Katastrophe, manches besser als erwartet. Aber dass dringend benötigte Rückhaltebecken oder andere präventive Maßnahmen nicht aus diesen Mitteln finanziert werden dürfen, wirkt angesichts wachsender Risiken durch Extremwetter weltfremd. Erinnern heißt deshalb mehr, als Kränze niederzulegen und Dankesworte zu sprechen. Es heißt auch, alles zu tun, damit sich ein solcher Horror nicht wiederholen kann", mahnt die PFORZHEIMER ZEITUNG.
"Immerhin sind Konsequenzen für einen besseren Katastrophenschutz gezogen worden", lobt hingegen die Zeitung DIE GLOCKE aus Oelde: "Das alles ist gut und richtig, aber es kann das Grundproblem nicht abstellen: Im engen Ahrtal mit seinen steilen Hängen schießt bei heftigem Starkregen Wasser sehr schnell zusammen. Im Falle eines Extremereignisses - mit dem künftig wegen des Klimawandels vermehrt zu rechnen ist - gibt es keinen absoluten Schutz. Die Ahrtal-Bewohner bleiben einem beträchtlichen Risiko ausgesetzt. Mangels Alternativen bauen sie ihre Häuser dennoch wieder auf. Wer wollte es ihnen verdenken? Zumindest Neubauten in hochgefährdeten Zonen sollten aber vermieden werden", fordert DIE GLOCKE.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt: "Es hat etwas Zynisches, wenn nach Naturkatastrophen wie dieser, um Schuldgefühle zu wecken, dazu aufgerufen wird, nun aber noch rigoroser dafür zu kämpfen, dass in zwanzig Jahren in Deutschland klimaneutrale Zustände herrschen. Diese nationalen Ziele können im besten Fall Schlimmeres verhüten, wiewohl nicht einmal das sicher ist, schaut man sich um, was sich international tut. Sicher ist nur, dass die Klimaziele nicht abwenden werden, was sich im Ahrtal jederzeit wiederholen könnte. Diese Einsicht macht das Ahrtal zum Menetekel. Eine von Alarmismus getriebene Klimapolitik, die glaubt, weit in die Zukunft planen und dirigieren zu können, raubt der Gegenwart die Mittel und Möglichkeiten, um vernünftige Vorsorge zu treffen", moniert die F.A.Z.
Die Kosten für Bewohner in Pflegeheimen sind weiter gestiegen. Anfang Juli lag der Eigenanteil für das erste Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt bei mehr als 3.360 Euro pro Monat. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE unterstreicht: "Alt zu werden darf kein Lebensrisiko sein. Das wird es aber, wenn eine würdige Pflege während der letzten Etappe eines Lebenswegs unbezahlbar ist. Statt sich über den Segen eines langen Lebens zu freuen, stürzt schon heute die ungewisse Aussicht, wie man diesen Lebensabschnitt meistern kann, viele Menschen in große Sorge. Natürlich ist jeder zunächst selbst verantwortlich, Vorsorge zu treffen. Aber die Aufgabe ist so groß, dass sie die meisten überfordert", meint die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
"Die kostenintensive Heimunterbringung ist hausgemachte Folge eines Gesundheitssystems, das lange knausrig agiert und am Ende eine umso größere Rechnung erhält", heißt es im KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Laut dem statistischen Landesamt werden bis 2050 allein in Nordrhein-Westfalen knapp 1,7 Millionen Menschen pflegebedürftig sein - etwa jede zehnte Person. Die Finanzlöcher drohen ihre gefräßigen Münder in Zukunft also noch viel weiter aufzureißen. Es sei denn, wir investieren jetzt und wenden so die hohen Folgekosten ab. Denn Pflegebedürftigkeit resultiert oft aus Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Schlaganfall, Demenz, Herzerkrankungen, die sich durch gezielte Prävention zu großen Teilen vermeiden oder zumindest verzögern ließen", konstatiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
"Die gestiegenen Löhne in der Pflege sind gut für die Mitarbeiter, die eine Arbeit leisten, die wichtig ist", notieren die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN: "Eine Gesellschaft ist nur dann human, wenn sie ihre Alten und Kranken auch human behandelt. Und doch vergrößern die steigenden Heimkosten eine andere Ungerechtigkeit in unserem Land. Denn auch die Armutsfalle Altenheim ist eine Schande für das Land. Wer sein Leben lang gespart hat, muss zumeist an die eigenen Ersparnisse ran, um die Kosten, die von der Pflegeversicherung und der eigenen Rente nicht abgedeckt sind, zu tragen. Wer nicht gespart und auch wenig gearbeitet hat, bekommt die gleiche Leistung – bezahlt vom Staat. Es mag sein, dass wir im Tode alle gleich sind. Aber am Lebensabend darf nicht gelten, dass am Ende der Dumme ist, wer sein Leben lang viel für die Gesellschaft geleistet hat", ist in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN zu lesen.
Nun zu einem anderen Thema. US-Präsident Trump hat seine Ankündigung vom Vortag zurückgezogen, für jede Schiffsdurchfahrt in der Straße von Hormus eine Gebühr zu erheben. "Trump ist jederzeit eine weitere Kehrtwende zuzutrauen", glaubt das DARMSTÄDTER ECHO: "Er möchte sich nicht länger nachsagen lassen, er verschwende amerikanische Steuermilliarden für einen sinnfreien Krieg. Sogar eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells ist denkbar: Teheran und Washington blenden alle ideologischen und politischen Differenzen aus - und teilen sich fortan das Schutzgeld. Ein abwegiger Gedanke? Hoffentlich. In den vergangenen 18 Monaten Trump sind aber schon verdammt viele Dinge passiert, die man sich nicht vorstellen konnte", hebt das DARMSTÄDTER ECHO hervor.
Die NEUE PRESSE aus Coburg beobachtet: "Mal unabhängig davon, dass der Krieg zwischen den USA und dem Iran noch in vollem Gange ist, erinnert Trumps Gebaren an das eines mittelalterlichen Fürsten, der sich an jeder Weggabelung die Taschen vollmacht. Eine solche Haltung ist nicht nur raffgierig. Da Freihandel eine zentrale Grundlage für Wachstum ist, schadet Trump der Weltwirtschaft und letztlich auch den USA", analysiert die NEUE PRESSE.
Zuletzt zwei Kommentare zur Bundeswehr. Seit Einführung des neuen Wehrdienstgesetzes haben so viele den Kriegsdienst verweigert wie nie zuvor. Das STRAUBINGER TAGBLATT ist der Ansicht, dass die Truppe kein Beliebtheitsproblem hat, sondern eher ein Distanzproblem: "Die Deutschen finden ihre Armee in Ordnung, haben aber kaum Berührungspunkte mit ihr. Der ehemalige Bundespräsident Köhler sprach von einem 'freundlichen Desinteresse'. Wenn man das umkehren will, muss es politisch forciert werden. Sichtbarkeit im Alltag ist ein Ansatz. Es muss ja nicht die große Parade sein, auch offene Standorte, Schulbesuche, Diskussionstage oder mehr Platz für Sicherheitsfragen in der Schule und Betrieben schaffen Verständnis, genauso wie die Würdigung der Soldaten, die an Auslandseinsätzen teilnahmen. Und ja, auch ein Wehrdienst oder eine attraktivere Ausbildung zum Reservisten im Erwachsenenalter schaffen Berührungspunkte", empfiehlt das STRAUBINGER TAGBLATT.
ND DER TAG resümiert: "Von den 150.000 jungen Männern, die bislang ihren Fragebogen zur Wehrbereitschaft erhalten haben, erklärten demgegenüber nur 20 Prozent, sie könnten sich prinzipiell einen Dienst bei der Bundeswehr vorstellen. Und nur 530 von ihnen fangen demnächst tatsächlich bei der Truppe an. Auf der anderen Seite wächst die Zahl derer, die sich direkt bei den Streitkräften bewerben. Im laufenden Jahr waren das laut Verteidigungsministerium rund 38.500 und damit ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Truppe bekommt also durchaus Zulauf, wenngleich der noch nicht den Vorstellungen des Ministeriums entspricht. Von einer Massenbewegung gegen den Dienst an der Waffe kann also noch keine Rede sein", bilanziert ND DER TAG. Und damit endet diese Presseschau.