
"Mit seiner schwarz-roten Koalition hat Merz zuletzt ein ganzes Bündel an Gesetzesvorlagen reif für den Bundestag bekommen", lobt die VOLKSSTIMME aus Magdeburg: "Er hat an Souveränität gewonnen. In krassem Gegensatz dazu stehen seine grauenhaften Umfragewerte beim Volk, das er regiert: 85 Prozent der Deutschen sind demnach mit seiner Arbeit unzufrieden. Woran liegt's, dass Merz der zentrale Angriffspunkt bei den Wahlkämpfen in Ostdeutschland ist? Es ist die Kluft zwischen seiner gehobenen Lebenswelt und der des einfachen Wahlvolkes, die die Beliebtheit von Merz niedrig hält. Ein erfolgreicher Bundeskanzler sollte auch etwas von einem Menschenfänger haben. Einem Willy Brandt oder einer Angela Merkel war dies gegeben - und sie haben es weidlich ausgenutzt. In deren Sphären wird Merz nicht aufsteigen", vermutet die VOLKSSTIMME.
"Dieser Auftritt wird nicht in die Geschichte der Sommer-Pressekonferenzen eingehen", glaubt die STUTTGARTER ZEITUNG: "Merz überstand die gut 90 Minuten sehr routiniert - was auch daran lag, dass die Fragen schon mal bissiger waren. Die Botschaft des Tages offenbarte sich nicht in einem Satz oder einer Formulierung, sondern sie setzte sich aus vielen Antworten zusammen. Der Kanzler ist zum einen zufrieden, dass sein Regierungsbündnis nach langem Zögern endlich einen Reformkurs aufgenommen hat, und er schöpft daraus die Hoffnung, dass es jetzt besser wird mit dem Regieren", findet die STUTTGARTER ZEITUNG.
"Der Bundeskanzler hat in seiner Pressekonferenz zur Jahresbilanz etwas Neues getan", meint die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg: "Er hat eingeräumt, dass ihn die Stimmung im Land besorgt und belastet. Er hat gesagt, dass er noch unzufrieden mit den Ergebnissen der Koalition ist. Und er hat ein persönliches Wort an die Wähler der AfD gerichtet und zugleich betont, dass er mit der Partei nie zusammenarbeiten werde. Nicht zuletzt hat er ein Türchen geöffnet, über sozial ungerecht erscheinende Pläne wie die Einschränkung des Unterhaltsvorschusses noch einmal nachzudenken. Dabei hat man Merz von einer anderen Seite erlebt: souverän und selbstkritisch. Das ist eine überraschende Mischung. Er kann viel gewinnen, wenn er den Menschen glaubhaft vermittelt, dass er sie ernst nimmt", analysiert die BADISCHE ZEITUNG.
Das Magazin CICERO moniert hingegen: "Angesprochen auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung betonte Merz, der sich anbahnende Aufschwung sei durch geopolitische Ereignisse leider ins Stocken geraten. Dafür kann seine Regierung in der Tat wenig. Wohl aber dafür, dass die Reformen in Deutschland länger dauern als gedacht. Angesichts der Diskussion über einen Stellenabbau bei VW im sechsstelligen Bereich mag man sich fragen, ob Merz noch Zweckoptimismus verbreitet oder schon in eine Parallelwelt nach Art seines Vorgängers Scholz abgedriftet ist", fragt sich CICERO.
Auch das STRAUBINGER TAGBLATT sieht eine vertane Chance: "Mit Blick auf die Wahlen im Herbst hätte der Kanzler Sympathiepunkte sammeln müssen, gerade weil die AfD in den Umfragen weiter zulegt und darauf wartet, dass Schwarz-Rot die Menschen weiter enttäuscht. Merz hätte zeigen müssen, dass er nicht nur regieren kann, sondern die Sorgen derer kennt und ernst nimmt, die die politische Mitte zu verlieren droht. Und die kaum noch wissen, wie sie ihren Alltag finanzieren sollen. Das ist ihm nicht gelungen", urteilt das STRAUBINGER TAGBLATT.
Eine AfD-Veranstaltung mit Bundesparteichef Chrupalla in Sachsen-Anhalt hat Irritation und scharfe Kritik ausgelöst. Unter anderem wurde die DDR-Nationalhymne gesungen. Zudem äußerte sich der Kabarettist Steimle abfällig über Bundeskanzler Merz. Wörtlich sagte er: "Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?" Die TAGESZEITUNG – TAZ – schreibt dazu: "Einen größeren Gefallen kann Steimle den Nazis in Ostdeutschland kaum tun, denn die Verbindung ostalgischer Gefühle mit rechtsextremer Politik ist deren populistische Königsdisziplin. Dass der Wind im Osten nun vermehrt von rechts weht, dürfte Steimle auch an seinem Publikum bemerkt haben. Für jemanden, der seine Gesinnung je nach aktuell politischer Lage ausrichtete, kannten die DDR-Bürger übrigens auch ein schönes Wort: Wendehals." Soweit die TAZ.
"Die AfD setzt auf Identifikation ihrer Wähler durch klar definierte Feindbilder", stellt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER fest: "Dabei ist sie eine Partei voller innerer Widersprüche, die jede andere Partei zerreißen würden. In Ostdeutschland ist den Rechtspopulisten jedes Mittel recht, um von der Linkspartei enttäuschte Protestwähler anzusprechen. Dafür nimmt die Partei in Kauf, nicht nur die Gräben zwischen Eingesessenen und Migranten, sondern auch zwischen Ost- und Westdeutschen zu vertiefen. Den AfD-Wählern sind diese Widersprüche bislang egal. Hauptsache man kann mit einem Kreuz bei dieser Partei 'denen da oben' eins auswischen", erläutert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
"Abscheu – was sonst sollten die Opfer der DDR-Diktatur bei diesen Klängen fühlen?", kritisieren die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN: "Der AfD ist nicht zu trauen: Sie wünscht sich ein autokratisches System zurück. Sie liebäugelt mit den Putins und Xis dieser Welt. Sie verachtet die Freiheit des Westens. Sie ist ein regressiver Ausdruck dessen, wie Teile ihrer Wähler heute die beiden deutschen Diktaturen verklären oder zumindest verharmlosen. Doch der ehemalige Westen ist schon auch selbst schuld: Bei 100.000 Tatverdächtigen und nur 800 Urteilen bevorzugte man, wegzuschauen und das DDR-Unrecht unter den Teppich zu kehren. Diese hoffentlich letzte deutsche Diktatur ist aber nicht auferstanden aus Ruinen. Sie ist in ihnen versunken", ist in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN zu lesen.
Zuletzt zwei Kommentare zur Wasserknappheit in Deutschland. In weiten Teilen der Republik liegen die Grundwasserstände aktuell unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN unterstreichen, dass Wasser immer mehr zum kostbaren Gut werde, das unter Schutz gestellt werden müsse: "Daran ändern auch die teils heftigen Regengüsse und Hagelschauer nichts, die über Nürnberg und die angrenzenden Städte und Landkreise niedergegangen sind. Im Prinzip waren die Niederschlagsmengen nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Die Böden sind ausgetrocknet, die Seen und Flüsse haben teils besorgniserregende Pegelstände, der Grundwasserhaushalt leidet - zumal mit keinem raschen Ende der trockenen Witterungsperiode zu rechnen ist. Spätestens dieser heiße Sommer sollte als Alarmruf verstanden werden. Ein 'Weiter so!' gibt es nur in den Köpfen von Leugnern des Klimawandels", notieren die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
"Viele Menschen denken über den Klimawandel recht schematisch", beobachtet die SÜDWEST PRESSE aus Ulm: "Nach dem Motto: Es wird heißer und trockener. Das stimmt in der Tendenz - doch oft ist die Sache komplizierter. Man sieht es am Beispiel Wasser: Manchmal regnet es zu wenig, wie in den vergangenen Wochen. Manchmal gibt es auch zu viel Wasser auf einmal, denn auch Starkregenereignisse nehmen mit dem Klimawandel zu. Deswegen ist es grundsätzlich richtig, weiter einen ambitionierten Klimaschutz zu betreiben. Doch es reicht eben nicht. Sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, darauf wird es ankommen. Wie dringlich die Klimaanpassung ist, sollte jedem bewusst sein. Der Klimawandel schreitet voran, beschleunigt sich sogar. Extremwetterereignisse nehmen also zu. Und in ein paar Jahren werden uns die Hitzewellen des Jahres 2026 als gute alte Zeit erscheinen." Mit dem Kommentar aus der SÜDWEST PRESSE endet diese Presseschau.
