31. Juli 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Ein Thema in den Kommentaren ist die Europäische Fußball-Union, die dem Weltverband FIFA wegen dessen Investoren-Plänen für die Weltmeisterschaft mit einem Boykott droht. Doch zunächst geht es um eine Schätzung des Robert Koch-Instituts zu den bisherigen Hitzetoten in diesem Jahr.

FIFA-Präsident Gianni Infantino läuft über das Fußballfeld beim WM-Spiel Spanien gegen Argentinien und lächelt.
Kommentiert werden unter anderem die Investoren-Pläne von FIFA-Präsident Infantino (Archivbild). (picture alliance | Action Plus | Heuler Andley | DiaEsportivo)
Das HAMBURGER ABENDBLATT bemerkt: "Fast 10.000 Hitzetote in Deutschland allein bis Mitte Juli – und noch immer reden viele über Hitze, als ginge es um eine lästige Sommerlaune. Der Mensch ist für große Hitze einfach nicht gemacht. Unser Körper kann zwar einiges ausgleichen, aber keine tagelangen Hitzewellen mit teils fast 40 Grad Celsius und Nächten ohne echte Abkühlung. Wenn der Kreislauf sich nicht erholen kann, wenn Schlaf fehlt, wenn Organe unter Dauerstress geraten, dann wird Hitze zur tödlichen Gefahr. Besonders ältere und kranke Menschen trifft es zuerst. Aber auch gesunde Menschen werden bei Hitze schwächer und unkonzentrierter. Deutschland ist auf solche Temperaturen viel zu schlecht vorbereitet. Und das ist ein Skandal: Wir wissen seit Jahren, was kommt, und handeln trotzdem zu langsam", kritisiert das HAMBURGER ABENDBLATT.
Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG konstatiert in ihrer Online-Ausgabe: "Der Klimawandel sorgt für häufigere, intensivere Hitzewellen, an die wir uns anpassen müssen – und zwar heute und nicht erst morgen. Das bedeutet auch, dass der Bund beim Hitzeschutz nicht länger nur zuschauen darf. Die Verantwortung auf die Länder und Kommunen abzuschieben, ist nicht mehr akzeptabel. Eine von Bundeskanzler Friedrich Merz eingesetzte Hitze-Expertenkommission, die feste Handlungsempfehlungen vorlegt, wie die Bevölkerung vor den hohen Temperaturen geschützt werden kann, ist überfällig. Stattdessen bleibt der Kanzler stumm, geradezu gleichgültig. Das ist ein politisches Versäumnis auf Kosten der Gesundheit aller", so die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.
"Hitzeschutz ist längst kein Luxus mehr, sondern sollte Pflichtaufgabe sein", betont die FREIE PRESSE aus Chemnitz: "Umso wichtiger sind kommunale Hitzeschutzkonzepte. Schattenplätze, Trinkwasserbrunnen, begrünte Städte und kühlere Aufenthaltsräume können Leben retten. Doch diese Maßnahmen kosten Geld. Deshalb darf der Bund die Verantwortung nicht einfach an die Kommunen weiterreichen. Wer Hitzeschutz fordert, muss auch für eine solide Finanzierung desselben sorgen."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf mahnt: "Was Deutschland nicht braucht, ist ein Flickenteppich, bei dem jedes Bundesland vor sich hin werkelt. Was es braucht, ist eine bundesweit verbindliche, finanzierte Hitzeschutzstrategie. Aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes fließen zwar Milliarden in Klimaschutzmaßnahmen. Doch wenn ein Krankenhaus in Rheinland-Pfalz die Feuerwehr rufen muss, damit Akkulüfter für ein paar Stunden Kühlung sorgen, dann ist klar: Das Geld kommt nicht dort an, wo Hitze besonders viele Leben kosten kann", hebt die RHEINISCHE POST hervor.
Mit Blick auf die Waldbrände in Südeuropa analysiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Besonders in Spanien werden die Wälder ein Raub der Flammen, weil die Menschen nicht mehr da sind, die sie pflegen. Es fehlen die Bauern, die unter den Bäumen ihr Vieh weiden lassen und dadurch die Wälder sauber machen. Auch die ungenutzten Weiden und Äcker verbuschen. Die Landwirte werden älter, immer mehr geben auf. Spaniens Mitte ist bereits ausgeblutet, mehr als 60 Prozent des Landes sind zu einer demographischen Wüste geworden. In Madrid ist das Umweltministerium auch für diese 'demographische Herausforderung' zuständig. Aber der Namenszusatz blieb folgenlos." Das war die F.A.Z.
Thema in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN ist die Kritik aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an den Rentenplänen der Bundesregierung: "Es ist Interessenpolitik und Wahlkampf pur, was Friedrich Merz da ins Gesicht bläst: Drei Ost-Ministerpräsidenten der CDU sperren sich gegen die geplanten Einschnitte bei der Rente, die der Bundeskanzler und Parteichef als unverhandelbar verkauft hatte. Dabei zeugt es von einer gewissen Kaltschnäuzigkeit, beim Thema Rente auf die besonderen ostdeutschen Erwerbsbiografien zu verweisen – profitierten die ehemals neuen Bundesländer doch von Transfers im Umfang von nach Expertenschätzung womöglich Hunderten Milliarden Euro aus dem Rentensystem. Der Einwand, die im internationalen Vergleich weit überdurchschnittlichen 45 Beitragsjahre sollten für ein Berufsleben reichen, ist sehr verständlich. Der Verweis auf eine ostdeutsche Sonderrolle ist es nicht", argumentiert die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg erklärt das Problem: "Es geht um die abschlagsfreie Rente für jene, die 45 Jahre und länger die deutsche Wirtschaft am Laufen gehalten haben. Wer mit 16 einsteigt und immer am Band steht, soll in Zukunft 54 Jahre - also bis 70 - arbeiten, um eine ungekürzte Rente zu erhalten. Wer - wie viele Akademiker - mit 28 startet, käme bereits nach 42 Jahren dahin. Gerecht ist das nicht. Die Rentenreform muss noch mal in die Werkstatt", verlangt die VOLKSSTIMME.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) verweist auf die Argumentation der Länderchefs: "Es sei nicht möglich gewesen, private Rücklagen anzusparen. Die hohen Kosten für die Pflege im Heim seien für die Menschen im Osten so nicht zu schultern. Deswegen fordern sie, bei den Verhandlungen über die auf diesen Feldern anstehenden Reformen besonders gehört zu werden. Die drei Ministerpräsidenten wahren ihre Interessen. Doch kommen mindestens zwei Punkte ein bisschen zu kurz. Die beschriebene Situation gilt für Menschen, die bereits in Rente sind oder sehr bald in das entsprechende Alter kommen. Menschen aber, die erst nach der Wende angefangen haben mit ihrem Berufsleben oder dem Studium, gehören nur noch eingeschränkt dazu", gibt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG zu bedenken.
Abschließend geht es um die Investoren-Pläne des Fußball-Weltverbands FIFA. Die STUTTGARTER ZEITUNG erläutert: "Die Gier kennt keine Grenzen. Jedenfalls nicht bei Gianni Infantino. Der Präsident des Weltverbandes FIFA treibt sein Milliardenspiel weiter und will aus dem Fußball immer noch mehr Geld ziehen. Kaum ist die WM in Nordamerika abgepfiffen, bläst der Schweizer zum nächsten Angriff. Er will Anteile des WM-Turniers an Investoren verkaufen. Die Empörung über dieses Vorhaben ist groß. Insbesondere in Europa, wo einflussreiche Nationalverbände sitzen", wendet die STUTTGARTER ZEITUNG ein.
Der Berliner TAGESSPIEGEL konstatiert, es gebe Widerstand von der Europäischen Fußball-Union, UEFA: "Sollte Gianni Infantino, seines Zeichens FIFA-Präsident, die Pläne durchziehen, wird Europa bei der nächsten WM und auch bei allen anderen künftigen FIFA-Turnieren nicht dabei sein. Das beschloss der Verband bei einer Dringlichkeitssitzung. Lange, zu lange, hat man auf eine Reaktion der europäischen Verbände, auch des Deutschen Fußball-Bundes, warten müssen. Sie alle ließen Infantino lange gewähren, weil auch sie gerne die vielen, vielen Millionen einsackten, die Infantino ihnen durch seine hemmungslos geldgesteuerte Verbandspolitik bescherte", vermutet der TAGESSPIEGEL.
Ähnlich äußert sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Im System FIFA, in dem jedes Land genau eine Stimme hat, kennt Infantino das wichtigste Argument: Geld. Und das beschaffte er. Wichtige Verbände, unter anderem der Deutsche Fußball-Bund, entschieden sich für die Taktik des Wegduckens. Bloß nicht aufmucken, dann ist einem der Herrscher – vielleicht – gewogen und man darf ein Turnier ausrichten. Oder DFB-Präsident Bernd Neuendorf behält zumindest den Platz im FIFA-Council, formal das höchste Entscheidungsgremium. Denn ohne den Platz, so die Argumentation, könne man ja gar nicht mitreden, und wer widerspricht, der könnte ja seinen Platz verlieren. Fast alle verhalten sich so, Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness ist eine der wenigen Ausnahmen von der Regel. Nun sieht die Welt, wohin dieses kollektive Wegducken geführt hat", kommentiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Ende dieser Presseschau.