01. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute unter anderem mit Stimmen zu der von US-Präsident Trump verkündeten Vereinbarung über eine Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen. Im Mittelpunkt steht jedoch eine neue Debatte über den Umgang mit Migranten in Europa. Auslöser ist die Ankunft von zwischenzeitlich zehntausenden Menschen aus Marokko in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta.

Menschen steigen, teils mit Schwimmreifen, am Strand der spanischen Exklave Ceuta aus dem Wasser.
Migranten erreichen das Ufer der spanischen Exklave Ceuta, nachdem sie den Grenzzaun zwischen Marokko und Spanien umschwommen haben (30.07.2026). (AFP / LUCIA DIAZ)
Dazu bemerkt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Die Bilder der Migranten, die den Grenzzaun zur Exklave Ceuta überwinden, sind ein schockierendes Symbol für das, was zu erwarten war und was Europa noch zu erwarten hat: dass viele Menschen aus Afrika ein vermeintlich besseres Leben nicht mehr nur erträumen, sondern sich auch erkämpfen. Zwei Fragen stehen im Raum: Hat Marokko zur Stürmung ermutigt, gar dabei geholfen? Oder fühlen sich die Menschen ermutigt durch das Oberste Gericht Spaniens, das die Abschiebung von Menschen verbot, die schwimmend in die Exklaven gekommen sind? Mindestens zweimal hat Marokko zuletzt Druck auf Spanien ausgeübt, indem es Migrationswilligen durch aktive Untätigkeit den Zugang zu den Grenzzäunen der Exklaven gestattete", notiert die SÜDDEUTSCHE.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus wendet ein: "Dass Marokko in der EU als sicherer Herkunftsstaat eingestuft ist und die allermeisten Flüchtlinge deshalb ohnehin zurückmüssen, hält sie nicht ab. Umso wichtiger ist es für Europa, Löcher in seinen Grenzen für jene zu stopfen, die keinerlei Berechtigung oder Aussicht haben, Asyl in Europa zu finden. Damit jene, die tatsächlich Schutz brauchen, eine Chance haben."
Die THÜRINGER ALLGEMEINE aus Erfurt begrüßt die Reaktion der Verantwortlichen in Madrid: "Es ist richtig, dass die spanische Regierung das Militär entsendet, um die Grenze in Ceuta zu sichern. Ein weiterer Massenansturm muss auf jeden Fall verhindert werden. Andernfalls kommt es in Europa zu einem Dominoeffekt verschärfter Grenzkontrollen. Es wäre das Ende des Schengenraums, der Reisefreiheit ohne regelmäßige Grenzkontrollen gewährt."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf stellt fest: "Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen in großer Zahl versuchen, auf irregulärem Weg nach Europa zu kommen. Die EU hat deswegen Vorsorge getroffen: Das Gemeinsame Europäische Asylsystem soll koordinieren, verteilen, schützen. Stattdessen steht Spanien gerade allein da. Wieder einmal. Auslöser war ein Urteil des obersten Gerichtshofs Spaniens: Migranten, die auf dem Seeweg in die Exklave kommen, dürfen nicht mehr sofort zurückgeschickt werden. Marokko – wie andere Nachbarn Europas – nutzen solche Momente immer wieder als Druckmittel. So viel zum Schutz der Außengrenze. Dabei liegen Lösungen seit Langem auf dem Tisch: Wer legale Wege für Migranten und für Flüchtlinge erleichtert, kann jene, die irregulär kommen, konsequenter abweisen." Wir zitierten die RHEINISCHE POST.
Die Zeitung DIE WELT glaubt: "Ceuta ist ein Lehrstück über Europas Abhängigkeit von Drittstaaten. Die Europäische Union hat große Teile ihres Grenzschutzes faktisch ausgelagert. Die Türkei kontrolliert den Zugang über die Ägäis. Nordafrikanische Staaten kontrollieren zentrale Mittelmeerrouten. Und Marokko kontrolliert Europas einzige Landgrenze zu Afrika. Alle haben eigene Interessen. Migration wird gesteuert. Von Schleusern, ja, aber auch von Staaten, die Migration als Instrument entdeckt haben. Erdoğan hat es Europa vorgeführt. Lukaschenko hat es vorgeführt. Ceuta ist deshalb ein Symbol für Europas migrationspolitische Realität. Die Außengrenze ist nur so stark wie ihre schwächste Stelle. Heute liegt diese Stelle in Ceuta. Morgen kann sie an einem anderen Ort liegen", hält DIE WELT fest.
Themenwechsel. Die Terrororganisation Hamas hat nach Angaben von US-Präsident Trump einer Vereinbarung zu ihrer Entwaffnung zugestimmt. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ist skeptisch: "Man hat leider lernen müssen, dass auf Ankündigungen dieses amerikanischen Präsidenten wenig zu geben ist. Die Hamas will ihre Waffen allenfalls einer palästinensischen Autorität in Obhut geben, nach Israel dürfe das Arsenal nicht gelangen. Mit anderen Worten, sie will weiterhin die Hand darauf haben. Und sowieso müsse Israel erst seine Truppen zurückziehen. Israel wiederum will sich aus dem Gazastreifen erst zurückziehen, wenn die Hamas entwaffnet ist. Dass es vor den israelischen Parlamentswahlen im Oktober zu einem wirklichen Einlenken kommt, ist schwer vorstellbar. Eher ist zu befürchten, dass da oder dort der Versuchung zu einer neuerlichen Eskalation nachgegeben wird", so die Einschätzung der F.A.Z.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU erläutert: "Nehmen wir an, Hamas und Israel würden wirklich voneinander abrücken. Israel hat in den vergangenen Monaten eh immer wieder mit mutmaßlichen Bildbelegen unterstrichen, dass sie einen Verantwortlichen für den 7. Oktober nach dem anderen eliminiert haben. Wenn dieses Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn ernstzunehmen ist, muss damit mal Schluss sein. Und wenn dann zivile Unbeteiligte oder 'Schutzschilde' nicht mehr als Kollateralschäden abgetan werden, ist die Welt auch wieder ein ganz kleines bisschen besser. Aber was wird mit Gaza, sollte die zweite Phase des Waffenruheabkommens tatsächlich abgeschlossen werden? Das Fernziel einer belastbaren Friedenslösung bestätigen die meisten Seiten zumindest als Lippenbekenntnis. Sollte Israel seine – gelinde gesagt – irre Regierung doch noch mal loswerden, könnte aus Jerusalem sogar mehr als eine Floskel kommen", prognostiziert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Abschließend geht es um die zunehmenden Sicherheitsvorfälle mit Künstlicher Intelligenz. Jüngst hatte ein KI-Modell in den USA selbstständig einen Hackerangriff durchgeführt. Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN finden: "Man hat den Eindruck, die Firmen, die die KIs betreiben, teilen diese Zwischenfälle mit einer gewissen Genugtuung mit. Zeigen sie doch auch, wie unglaublich potent die KI-Produkte inzwischen sind. KI wird nicht mehr verschwinden. Deutschland muss schnellstens handeln. Wir könnten Abwehrsoftware kaufen. Das ist teuer und ein Risiko. Oder andere für die Abwehr bezahlen. Ebenfalls teuer und ein Sicherheitsrisiko. Oder wir entwickeln die Instrumente selbst. Das ist am teuersten, aber führt nicht in Abhängigkeit. Noch sind die diesbezüglichen Entscheidungen in der Bundesregierung nicht gefallen. Es ist Gefahr in Verzug. Die Kosten eines KI-Angriffs könnten die Kosten für Abwehrinstrumente um ein Vielfaches übersteigen. Knausern verbietet sich", mahnt die MEDIENGRUPPE BAYERN.
"Künstliche Intelligenz entwickelt sich mit wachsender Geschwindigkeit", betont DIE GLOCKE aus Oelde: "Sogar die Tech-Welt selbst, so scheint es, kann mit dem Tempo kaum noch Schritt halten. Doch darf dieses Multimilliardengeschäft, befeuert von der Profitgier global agierender Konzerne, nicht außer Kontrolle geraten. Die Gefahr, dass Cyberkriminelle mittels KI Satellitenkommunikation und Stromnetze lahmlegen, dass feindlich gesinnte Staaten Attacken auf Gesellschaften und Demokratien in der westlichen Welt reiten, ist kein fiktionaler Stoff für einen Hollywood-Film. Sie ist real. Es braucht Kontrolle und Regulierung. Nicht, um technologischen Fortschritt zu verhindern, den KI nach der Idee ihrer Schöpfer bringen soll. Sondern um Missbrauch dieser mächtigen Werkzeuge zu bestrafen und zu verhindern, so gut es nur geht", argumentiert DIE GLOCKE.
Das HANDELSBLATT beleuchtet die Situation der KI-Branche: "Der Boom bei Künstlicher Intelligenz und deren Infrastruktur hat die Bewertungen von US-Technologiefirmen in ungeahnte Höhen getrieben. Vielleicht handelte es sich hier nicht um eine klassische Blase. Dass die Bewertungen allerdings schwindelerregende Dimensionen erreicht hatten, steht außer Zweifel. Jetzt kommt die Ernüchterung. Und das ist zunächst einmal eine gesunde Entwicklung. Der Markt trennt endlich zwischen jenen Unternehmen, die Möglichkeiten dieser revolutionären Technologie in Gewinne verwandeln können, und jenen, die hoffen, dass das irgendwann der Fall sein wird", analysiert das HANDELSBLATT. Und mit diesem Kommentar endet die Presseschau.