
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder erhebt nach dem Ansturm Zehntausender Migranten aus Marokko Vorwürfe gegen Spanien: "Die linke Regierung in Madrid hat offenbar nicht nur Probleme, die Landesgrenzen zu schützen, sondern hat zuletzt auch Signale für Migranten gesetzt, dass es sich lohnt, illegal ins Land zu kommen. Als wäre nicht gerade diese Art von Kontrollverlust eine der Hauptursachen für die Unzufriedenheit vieler Europäer und den daraus folgenden Aufstieg rechtspopulistischer Parteien. Spanien demontiert die mühsam aufgebaute europäische Kontrolle", klagt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Für die FRANKFURTER RUNDSCHAU... "...gibt es keinen Zweifel: Die jüngsten Vorgänge in Ceuta an der nordafrikanischen Küste, einem der Nadelöhre für Migrationsbewegungen gen Europa, kommen einer Bankrotterklärung des globalen Nordens gleich. Dass jemand wie US-Präsident Trump die erschreckenden Bilder für Wahlkampfzwecke missbraucht, ist von ihm nur konsequent. Das ist aber auch so schäbig, dass man das Gefühl hat, selbst davon beschmutzt worden zu sein und sich bei der Welt für Trumps Existenz doch auch entschuldigen zu müssen. Die Schuldzuweisungen jener dramatischen Stunden – das arrogante Spanien, das verbarrikadierte Europa - waren nicht unbedingt falsch, aber sie erfolgten im Affekt einer über jeden Zweifel erhabenen moralischen Empörung. Und so greifen sie dann doch zu kurz", gibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU zu bedenken.
"Das Thema Migration ist mächtig, weil es sich hervorragend eignet, Angst zu schüren", wirft das HANDELSBLATT aus Düsseldorf ein: "Angst vor dem Fremden, vor einer Invasion von Mittellosen, die in die Sozialsysteme einwandern und Einheimischen Jobs rauben. Das ist die Erzählung der Rechtsextremen. Deshalb sind die Bilder von Ceuta so gefährlich. Genau deshalb fielen am Freitag zahlreiche Regierungschefs über den spanischen Ministerpräsidenten Sánchez her. Manche wie US-Präsident Trump, um die eigene eiserne Migrationspolitik zu rechtfertigen. Andere wie Italiens Regierungschefin Meloni, um der Konkurrenz am rechten Rand zuvorzukommen. Dabei hat bis heute kein einziger Migrant aus Ceuta das europäische Festland erreicht", konstatiert das HANDELSBLATT.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG richtet den Fokus auf Sánchez: "Der Sozialist verkörpert für viele Menschen in Europa eine friedliche, menschenfreundliche, bessere EU. Er fordert nicht nur Klimaschutz, sondern kommt mit der ökologischen Transformation der Wirtschaft wirklich voran. Er bietet Trump die Stirn, wenn er dessen Verstöße gegen das Völkerrecht benennt und die Forderungen nach höheren Rüstungsausgaben nicht erfüllt. Und nicht zuletzt verweigert er sich immer wieder den Asylrechtsverschärfungen, die von Rechten und Konservativen in Europa bis an die Grenze des Erträglichen vorangetrieben werden. Das muss man sich erst mal trauen", betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, um dann aber auch darauf hinzuweisen, dass... "...der begnadete Wahlkämpfer Sánchez seine europäische Nische auch immer wieder rücksichtslos zur Profilierung ausnutzt."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN loben die Regierung in Madrid: "Spanien hat den Albtraum zusammen mit Marokko rasch beendet. Die Festung Europa, gerade erst durch rigide Gesetzesverschärfungen ausgebaut, hat gehalten, der vermeintliche Ansturm ist gescheitert."
"Die harsche Reaktion in Europa zeigt, dass sie Erinnerungen wachruft an 2015", heißt es im HAMBURGER ABENDBLATT: "Damals waren Tausende Flüchtlinge in Budapest gestrandet; die Kanzlerin Angela Merkel öffnete ihr Herz und die Grenzen. Erst strömten Tausende, dann Zehntausende, dann Hunderttausende über die Balkanroute nach Mitteleuropa. Eine humanitäre Großtat verwandelte sich in eine politische, ökonomische und gesellschaftliche Überforderung. Seitdem hat sich Europa verändert. 2015 beobachteten viele Nachbarn Merkels Kurs eher reserviert; heute stößt jede Politik der Offenheit sofort an Grenzen. Das bekommt der sozialistische Ministerpräsident Sánchez brutal zu spüren, der zuvor mit seiner liberalen Migrationspolitik Spanien zum Fluchtziel Nummer eins gemacht hatte. Italiens Ministerpräsidentin Meloni fordert sogar, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen. Die Festung Europa wird Wirklichkeit. Das mag man kritisieren, aber was wäre die Alternative? Vermutlich Bilder wie aus Ceuta in Dauerschleife. Die aber halten Europas Demokratien nicht mehr aus", ist das HAMBURGER ABENDBLATT überzeugt.
Die PFORZHEIMER ZEITUNG thematisiert den Widerstand von CDU-Ministerpräsidenten aus Ostdeutschland gegen die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63: "Das Motiv des Trios ist nicht billig. Der Landeschef von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, will verhindern, dass er abgewählt wird und sein Nachfolger von der AfD kommt. Seine beiden Kollegen Mario Voigt in Thüringen und Michael Kretschmer in Sachsen unterstützen ihn. Fällt Sachsen-Anhalt an die AfD, könnte das Vorbildwirkung in Ostdeutschland entfalten. Der Zweck heiligt in diesem Fall dennoch das Mittel des Foulspiels nicht. Die Autorität von Kanzler Merz hat wegen der Personalrochade ohnehin gelitten. Die beiden Reformen bedeuten Einschnitte und Zumutungen, was sie leicht als ungerecht angreifbar macht. Sie sind aber notwendig, um den Sozialstaat bezahlbar zu halten," meint die PFORZHEIMER ZEITUNG.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER warnt vor weitreichenden Folgen der Kritik an der Rentenreform: "Seit langem erlebt das Land den Niedergang der Sozialdemokratie. Die Union schien dagegen halbwegs stabil. Doch jetzt demontiert auch sie sich selbst. Und nun rütteln auch noch die drei CDU-Ost-Ministerpräsidenten am Rentenpaket der Koalition, dem Kernstück der Sozialreformen. Wohl wissend, dass damit der Erfolg der Regierung steht oder fällt. Glauben die Ministerpräsidenten wirklich, die populistische Sozialkarte ziehen zu müssen, um der AfD Paroli zu bieten? Sehen die anderen in der Partei nicht, dass sie mit ihren Nörgeleien gegen Merz den Rechtsextremen nur Auftrieb geben? Die Machtergreifung der Nazis begann nicht mit der Ernennung von Hitler zum Reichskanzler am 31. Januar 1933, sondern mit dem Zerbrechen der letzten demokratischen Regierung der Weimarer Republik am Streit über eine Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung um einen Viertelprozentpunkt. Nun ist es die 'Rente mit 63' und die Befindlichkeit einiger CDU-Politiker. Und wieder steht viel mehr auf dem Spiel", mahnt der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf die Turbulenzen beim Weltfußball-Verband FIFA ein: "Das alte Europa hat noch was zu sagen. So muss man die Attacke der Europäischen Fußball-Union gegen FIFA-Chef Gianni Infantino deuten. Ohne die Initiative der UEFA, die sehr konkrete Boykottdrohung, wäre es nicht zu einer halbwegs weltweiten Auflehnung gegen die Pläne des Schweizers an der Spitze des Weltfußball-Verbandes FIFA gekommen. Kleinmütig zog er sein WM-Investoren-Modell zurück. Sein Fußball-Verkaufsprogramm ist gestoppt. Der Mann, der noch vor wenigen Tagen unantastbar schien, ist schwer getroffen. Aber der UEFA reicht das nicht. Sie will den 56 Jahre alten Schweizer stürzen. Ihre Erklärung vom Samstag lässt keine andere Interpretation zu. Alles zielt auf die Abschaffung des Systems Infantino", ist die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG überzeugt.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fordert: "Jetzt muss der FIFA-Chef weg! Die Ikarus-Metapher mag schon tausendfach bemüht worden sein. Aber auf Infantino trifft sie erstaunlich gut zu. In diesen Tagen erinnert der FIFA-Boss an die Figur aus der griechischen Mythologie, die im Übermut der Sonne entgegenflog und dann abstürzte. Doch nicht allein die Hybris ist Infantino nun zum Verhängnis geworden. Es sind auch die Gier nach immer neuen Einnahmequellen und die Skrupellosigkeit, mit denen er den Weltfußball auspresst." Mit dieser Stimme der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG endet die Presseschau.
