06. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Kommentaren zur bevorstehenden Wahl in Berlin, zur Diskussion um die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier und zum Drohnenvorfall auf dem Flughafen Leipzig/Halle.

Ein Kriminaltechniker geht auf dem Flughafen Leipzig/Halle neben einem Sprengroboter, um die Drohne zu entschärfen.
Der Drohnenzwischenfall auf dem Flughafen Leipzig/Halle ist ein Thema in der Presseschau. (picture alliance/dpa / Hendrik Schmidt)
"Dieser hätte um ein Haar zur Katastrophe führen können", konstatiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Noch ist der Fall nicht geklärt, aber die aufgefundene Drohne war offenbar mit Sprengstoff und Zünder ausgerüstet. Es kam nicht zur Explosion, niemand wurde verletzt, die Sache lief glimpflich ab. Ebenso der mutmaßliche Zusammenstoß einer zweiten Drohne mit einem Flugzeug. Der Verdacht liegt nahe, dass die Urheber dieses 'Zwischenfalls' in Russland zu suchen sind oder unter seinen Sabotagezellen im Westen. Es wäre allerdings eine neue Stufe der 'hybriden Kriegsführung'. Bislang ging es im Flugverkehr um Brandsätze, die in Flugzeuge geschleust wurden; auch das alles andere als harmlos. Nun wurde ein offener Angriff vorgetragen. Deutschland geht damit zu leichtsinnig um", kritisiert die FAZ.
Die NEUE PRESSE widerspricht: "Es ist nicht so, dass nichts unternommen wird. Das gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen hat kürzlich seine Arbeit aufgenommen. Doch die Gefahren sind so vielfältig wie das Leben. Alle auszuschalten ist ein Ding der Unmöglichkeit", gibt die NEUE PRESSE aus Coburg zu bedenken, um dann noch auf einen anderen Aspekt einzugehen: "Bundeskanzler Friedrich Merz hat viel Gegenwind bekommen, als er im vergangenen Jahr gleich mehrfach erklärte, dass die Bundesrepublik bereits von Russland angegriffen werde. Nicht mit Raketen und Drohnen natürlich, wohl aber mit Sabotage, Falschinformationen und Cyberangriffen. Seit Mittwoch kann sich der Kanzler in seiner Ansicht bestätigt fühlen."
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg ergänzt: "Weil es in Leipzig schon vor zwei Jahren ein Beinahe-Desaster durch Brandsätze gegeben hätte, die laut Ermittlungen im Interesse des russischen Geheimdienstes verschickt wurden, gerät Moskau jetzt wieder in den Blick. Ob aber tatsächlich eine Spur nach Russland führt und es sich damit auch um Staatsterrorismus gegen Deutschland und seine Bürger handeln könnte, ist völlig unsicher. Es wäre jedoch ebenfalls keine Beruhigung, wenn anderen politisch motivierten Tätern eine solche Aktion gelänge. Die Täter dürfen ihr Ziel nicht erreichen, Deutschland zu schwächen. Jede Attacke auf diesen Staat muss das Gegenteil bewirken", so der Appell der BADISCHEN ZEITUNG.
"Es ist das erste Mal, dass in Europa eine kleine Drohne für einen Anschlag mit Sprengstoff ausgerüstet wurde", hält die ZEITUNG ND.DER TAG fest: "Der Vorfall wird absehbar die Rhetorik der deutschen Geheimdienste gegenüber Russland verschärfen, aber auch weitere Millioneninvestitionen in die allgemeine Überwachung und vor allem in die Abwehr von Drohnen befördern – davon profitieren wieder Rüstungskonzerne. Allerdings lassen sich kritische Infrastrukturen – dazu gehören auch Kraftwerke, Umspannwerke und Stromleitungen – nicht vollumfänglich gegen derartige Bedrohungen absichern. Auch wenn die Regierung in Moskau nicht dahintersteckt: Der mutmaßliche Sprengdrohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle ist ein Gamechanger", so die Überzeugung von ND.DER TAG aus Berlin.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU geht auf die Spekulationen über die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier ein: "Jetzt wird Boris Rhein gehandelt. Obwohl Rhein bisher keine bundespolitischen Ambitionen hat erkennen lassen, kann es nicht überraschen, dass der 54-Jährige aus Sicht der CDU als konservativer Jurist, früherer Kommunalpolitiker und unumstrittener Ministerpräsident grundsätzlich für das Amt infrage kommt. Ob der stets jovial auftretende Rhein, dem das Repräsentieren liegt, echte Chancen auf das höchste Amt der Republik hat, steht dagegen auf einem ganz anderen Blatt. Das Ringen um Kandidatinnen und Kandidaten ist ein Machtstreit zwischen Union und SPD, aber gleichzeitig auch zwischen CDU und CSU. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Rheins Name aus der CDU lanciert wurde, um Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu zeigen, dass seine Favoritin Ilse Aigner beileibe keine Selbstläuferin ist", mutmaßt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
"Will Bundeskanzler Merz doch lieber Boris Rhein als Ilse Aigner als Bundespräsident?", fragt der MÜNCHNER MERKUR: "Böse Zungen spotten: Der gefährlich wackelnde Kanzler würde gerne den Rivalen Rhein verräumen und CSU-Chef Söder wiederum die populäre Ilse Aigner, die ihm in Bayern gefährlich werden könnte."
DIE GLOCKE aus Oelde erinnert daran,... "...dass in der nunmehr 77-jährigen Geschichte der Bundesrepublik in der finalen Abstimmung ausschließlich Männern die entsprechende Qualifikation für das höchste Amt im Staat zugebilligt wurde - ein Unding. Von der Anfang 2027 anstehenden Wahl muss endlich das Signal ausgehen, dass das kein Naturgesetz ist. Sollte sich die Union als derzeit stärkste politische Kraft auf keine Kandidatin aus ihren eigenen Reihen einigen können - oder wollen -, wäre das ein Armutszeugnis und Anlass genug für die Union sich in Sachen Frauenförderung intensiv zu hinterfragen", findet die DIE GLOCKE.
"Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner ist eine Kandidatin, auf die man sich überparteilich einigen könnte", merkt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG an: "Sie ist zwar bisher nicht mit wegweisenden Worten in Erscheinung getreten, aber sie bringt einen warmherzigen Stil mit, der wohltuend wirken könnte. Auch manchem männlichen Vorgänger ist Wegweisendes erst im Laufe seiner Amtszeit über die Lippen gekommen. Auch in dieses Amt wächst man hinein. Hätte Merz nun einen männlichen Kandidaten in petto, auf den das Amt quasi zuläuft und der auf Begeisterung stößt, müsste man neu reden. Aber Boris Rhein? Ein Ministerpräsident mit einiger Erfahrung, konservativ, unauffällig. Eine Postenvergabe nach altem Schema. Steinmeier lässt grüßen. Schade, dass Teile der CDU offenbar schon wieder der Mut verlässt, Neues zu wagen und ein Signal zu setzen, über das Millionen Frauen im Land sich freuen würden", klagt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
"Kaum nähert sich der Zeitpunkt der Bundesversammlung, taucht plötzlich wieder das altbekannte Argument auf", werfen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN ein: "Man würde ja gerne eine Frau wählen. Aber die Zeiten seien so schwierig, dass leider vielleicht doch nochmal der 'Klassiker' zum Zuge kommen müsse: ein männlicher Jurist. Boris Rhein wird genannt, der Ministerpräsident von Hessen. Im Zuge zu erwartender staatsrechtlicher Krisen bei wachsender Macht der AfD, heißt es, könne er das Staatsschiff möglicherweise besser lenken. Eine seltsame Idee, dass der Präsident deswegen unbedingt Jurist sein müsse."
Wer dem Bundespräsidenten nachfolgt, ist noch offen. Dass ihn niemand vermissen wird, ist zumidest für den KÖLNER STADT-ANZEIGER schon klar: "Frank-Walter Steinmeier dürfte als Staatsoberhaupt schnell in Vergessenheit geraten, schneller jedenfalls als Joachim Gauck, Roman Herzog und vielleicht sogar Horst Köhler. Oder fiele jemand auf Anhieb ein, was Prägendes von ihm bleiben sollte, wenn er in einem halben Jahr aus dem Amt scheidet?"
Zum Abschluss blickt die VOLKSSTIMME aus Magdeburg auf die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September: "'Der damalige sozialdemokratische Bürgermeister Walter Momper gab seiner Stadt nach dem Mauerfall 1989 mit auf den Weg: 'Berlin, nun freue dich'. Fast 40 Jahre später hat es viel Auf und Ab gegeben - aber eines blieb konstant: Die Regierungschefs in der Hauptstadt kamen entweder von CDU oder SPD. Die Linke könnte das diesmal bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus ändern. Berlin unter Führung einer Partei, die die Nachfolge der SED angetreten und die Stadt einst durch die Mauer gespalten hat - das wäre ein Dammbruch. Da schwankt Berlin sehr zwischen Furcht und Freude. Der Kontrast zum Umland ist groß: Von Sachsen-Anhalt bis Mecklenburg-Vorpommern geht es politisch rechts lang, während in Berlin bunte Vielfalt herrscht. Politische Experimente mit ungewissem Ausgang inklusive." Mit diesem Kommentar der VOLKSSTIMME endet die Presseschau.