"Das ist der Versuch, das Problem Archäologie ganz neu auf einen Punkt zu bringen. Ich meine ausbildungstechnisch. Bisher ist es immer so, dass ein Archäologe nur etwas von Archäologie versteht, ein Manager nur von Wirtschaft. Man arbeitete aneinander vorbei und gegeneinander und das nützt niemandem etwas. Wenn dieses Problem endlich allen klar wird können wir auch etwas verändern."
Annalisa Del Monte ist Archäologin. Die junge Frau unterrichtet innerhalb eines ganz neuen Studiengangs mit dem etwas kompliziert klingenden Titel "Ricerca, gestione e comunicazione delle antichità”, zu deutsch: Wissenschaft, Organisation und Kommunikation der Antike. Das hört sich gestelzt an. Gemeint ist, so der Kunsthistoriker Paolo Strinati, die Ausbildung zu einem ganz neuen Berufszweig:
"Wir fassen verschiedene Themenbereiche innerhalb eines Studiengangs zusammen, um eine ganz neue Form von Managern für die Leitung archäologischer Gebiete auszubilden. Wie zum Beispiel für Pompeji, das in den letzten Monaten ganz übel in die internationalen Schlagzeilen geriet. Pompeji, und das ist die Realität, ist dank miesester Verwaltung zum schlampigsten nationalen Kulturgut geworden."
An der Hochschule von Neapel Federico II. Und der Universität Normale di Pisa werden nun, seit diesem Semester, Experten ausgebildet werden, um, so die Tageszeitung "La Repubblica”, "ein weiteres Drama wie das in Pompeji zu verhindern”.
Europas größte archäologische Zone geriet in die Medien, weil die einzelnen antiken Villen voller Müll sind, weil Wachpersonal fehlt, weil die organisierte Kriminalität fast alle Dienstleistungsbetriebe, wie Lokale und Nippesbuden kontrolliert und die Direktoren der Grabungsstätte vollkommen überfordert sind - sind sie doch Archäologen, die von der Organisation und Logistik einer solchen Anlage keine Ahnung haben.
Ludovico Fanton aus Venedig hat sich in Neapel zu dem neuen Studiengang eingeschrieben. Er will zu einem Fachmann für Archäologiemanagement werden:
"Bisher war es doch so, dass ein Nichtarchäologe, um beim Fall Pompeji zu bleiben, nur an die kommerzielle Seite eines solchen Open-air-Museums dachte und wissenschaftliche Aspekte komplett vernachlässigte. Ein reiner Archäologe hingegen hat doch keinen blassen Schimmer davon, wie man Sponsoren findet, Werbung organisiert und so weiter. Mich reizt dieser Studiengang, weil ich zum Allround-Talent im Archäologiemanagement ausgebildet werde. Von solchen Talenten brauchen wir in Italien viele."
Vor allem angesichts einer Vielzahl schlecht verwalteter archäologischer Stätten. So schlecht verwaltet, dass die Weltkulturorganisation UNESCO sich bereits überlegt, einige Weltkulturgüter in Italien, darunter Pompeji, von ihrer Liste zu streichen. Der neue Unikurs ist in gewisser Weise eine Antwort auf diese Drohung.
Ludovico Fanton und seine Kommilitonen werden drei Jahre lang in den verschiedensten Bereichen ausgebildet. Zum einen in Archäologie, um zu wissen, was Sache ist, und dann in Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften.
Ada Dini ist bereits Archäologin aber arbeitslos. Deshalb hat sich die junge Frau entschieden, in Neapel den neuen Studiengang zu frequentieren:
""Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das typisch italienische Dilemma der miesen Verwaltung archäologischer Güter darin begründet liegt, dass an unseren Hochschulen Fachleute ausgebildet werden, die mit konkreten Problemen nicht umgehen können. Während dieses neuen Studiengangs lernen wir konkret, wie sich archäologische Zonen vermarkten lassen, immer mit Blick allerdings auf die kunsthistorisch wichtigen Anforderungen, um die antiken Reste nicht zu Ruinen verkommen zu lassen."
Wie das zuletzt mit einem reinen Manager für Pompeji geschehen ist.
Die Studierenden werden von Wirtschaftsexperten auf Notsituationen vorbereitet: wenn zum Beispiel, was erst kürzlich geschah, die staatlichen Überweisungen für archäologische Grabungsgebiete gekürzt werden. Ein Archäologe weiß in der Regel nicht, wie er an neues Geld kommt. Ein Manager spart in einem solchen Fall, aber auf Kosten der antiken Schätze.
Der Studiengang in Pisa und Neapel versucht in gewisser Weise eine Quadratur des Kreises: archäologische, wirtschaftliche und kommunikative Anforderungen werden zusammengefasst, um den neuen Herausforderungen in einer Gesellschaft, die immer weniger dazu bereit ist, öffentliche Gelder ohne Unterlass in museale Strukturen zu pumpen, zu begegnen. Schon wird deshalb überlegt, ob nicht auch ein ähnlich interdisziplinärer Studiengang für die Leitung von Museen eingerichtet werden soll.
Annalisa Del Monte ist Archäologin. Die junge Frau unterrichtet innerhalb eines ganz neuen Studiengangs mit dem etwas kompliziert klingenden Titel "Ricerca, gestione e comunicazione delle antichità”, zu deutsch: Wissenschaft, Organisation und Kommunikation der Antike. Das hört sich gestelzt an. Gemeint ist, so der Kunsthistoriker Paolo Strinati, die Ausbildung zu einem ganz neuen Berufszweig:
"Wir fassen verschiedene Themenbereiche innerhalb eines Studiengangs zusammen, um eine ganz neue Form von Managern für die Leitung archäologischer Gebiete auszubilden. Wie zum Beispiel für Pompeji, das in den letzten Monaten ganz übel in die internationalen Schlagzeilen geriet. Pompeji, und das ist die Realität, ist dank miesester Verwaltung zum schlampigsten nationalen Kulturgut geworden."
An der Hochschule von Neapel Federico II. Und der Universität Normale di Pisa werden nun, seit diesem Semester, Experten ausgebildet werden, um, so die Tageszeitung "La Repubblica”, "ein weiteres Drama wie das in Pompeji zu verhindern”.
Europas größte archäologische Zone geriet in die Medien, weil die einzelnen antiken Villen voller Müll sind, weil Wachpersonal fehlt, weil die organisierte Kriminalität fast alle Dienstleistungsbetriebe, wie Lokale und Nippesbuden kontrolliert und die Direktoren der Grabungsstätte vollkommen überfordert sind - sind sie doch Archäologen, die von der Organisation und Logistik einer solchen Anlage keine Ahnung haben.
Ludovico Fanton aus Venedig hat sich in Neapel zu dem neuen Studiengang eingeschrieben. Er will zu einem Fachmann für Archäologiemanagement werden:
"Bisher war es doch so, dass ein Nichtarchäologe, um beim Fall Pompeji zu bleiben, nur an die kommerzielle Seite eines solchen Open-air-Museums dachte und wissenschaftliche Aspekte komplett vernachlässigte. Ein reiner Archäologe hingegen hat doch keinen blassen Schimmer davon, wie man Sponsoren findet, Werbung organisiert und so weiter. Mich reizt dieser Studiengang, weil ich zum Allround-Talent im Archäologiemanagement ausgebildet werde. Von solchen Talenten brauchen wir in Italien viele."
Vor allem angesichts einer Vielzahl schlecht verwalteter archäologischer Stätten. So schlecht verwaltet, dass die Weltkulturorganisation UNESCO sich bereits überlegt, einige Weltkulturgüter in Italien, darunter Pompeji, von ihrer Liste zu streichen. Der neue Unikurs ist in gewisser Weise eine Antwort auf diese Drohung.
Ludovico Fanton und seine Kommilitonen werden drei Jahre lang in den verschiedensten Bereichen ausgebildet. Zum einen in Archäologie, um zu wissen, was Sache ist, und dann in Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften.
Ada Dini ist bereits Archäologin aber arbeitslos. Deshalb hat sich die junge Frau entschieden, in Neapel den neuen Studiengang zu frequentieren:
""Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das typisch italienische Dilemma der miesen Verwaltung archäologischer Güter darin begründet liegt, dass an unseren Hochschulen Fachleute ausgebildet werden, die mit konkreten Problemen nicht umgehen können. Während dieses neuen Studiengangs lernen wir konkret, wie sich archäologische Zonen vermarkten lassen, immer mit Blick allerdings auf die kunsthistorisch wichtigen Anforderungen, um die antiken Reste nicht zu Ruinen verkommen zu lassen."
Wie das zuletzt mit einem reinen Manager für Pompeji geschehen ist.
Die Studierenden werden von Wirtschaftsexperten auf Notsituationen vorbereitet: wenn zum Beispiel, was erst kürzlich geschah, die staatlichen Überweisungen für archäologische Grabungsgebiete gekürzt werden. Ein Archäologe weiß in der Regel nicht, wie er an neues Geld kommt. Ein Manager spart in einem solchen Fall, aber auf Kosten der antiken Schätze.
Der Studiengang in Pisa und Neapel versucht in gewisser Weise eine Quadratur des Kreises: archäologische, wirtschaftliche und kommunikative Anforderungen werden zusammengefasst, um den neuen Herausforderungen in einer Gesellschaft, die immer weniger dazu bereit ist, öffentliche Gelder ohne Unterlass in museale Strukturen zu pumpen, zu begegnen. Schon wird deshalb überlegt, ob nicht auch ein ähnlich interdisziplinärer Studiengang für die Leitung von Museen eingerichtet werden soll.