Samstag, 06.06.2020
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteCampus & Karriere"Die Rechtschreibreform ist ein Fortschritt"01.08.2011

"Die Rechtschreibreform ist ein Fortschritt"

Biologin systematisiert Regelwerk in einem Handbuch

Die Biologin Evelyn Schäfer hat die Rechtschreibreform im "Handbuch der deutschen Rechtschreibung" systematisiert. Sie hält die Reform gut für Anfänger, weil nicht mehr Einzelregeln wie früher existieren.

Evelyn Schärer im Gespräch mit Manfred Götzke

Seit fünf Jahren gilt die neue Rechtschreibreform. (AP)
Seit fünf Jahren gilt die neue Rechtschreibreform. (AP)

Manfred Götzke: Die beiden Rechtschreibreformen haben für jahrelange Auseinandersetzung, für jede Menge Streit und Ärger gesorgt und sie haben so manchen dazu gebracht, sich mal wieder intensiv mit der Rechtschreibung überhaupt auseinanderzusetzen. Die Biologin Evelyn Schärer aus Berlin zum Beispiel, sie hat vor einem Jahr gleich ein "Handbuch der deutschen Rechtschreibung" veröffentlicht. Frau Schärer, als Biologin ein Buch über Rechtschreibung zu veröffentlichen, das liegt erst mal nicht so nahe. Wie kam es denn dazu?

Evelyn Schärer: Sie haben schon das Stichwort gegeben: Rechtschreibreform. Ich wollte mit seinerzeit umstellen auf die neue Rechtschreibung und ich muss gestehen, dass ich also schnell entdeckte, dass mich die Unterlagen, die wir da zur Verfügung hatten, irgendwie gar nicht da abgeholt haben, wo ich stand.

Götzke: Und dann haben Sie das Buch eben selber geschrieben?

Schärer: Und dann, genau, dann habe ich also sozusagen mich durch das Regelwerk, durch den Dschungel des Regelwerkes geschlagen und habe das eben mit meiner eigenen Systematik getan. Also das heißt, ich habe für mich selbst die eigene Logik aufgebaut, um das Regelwerk wirklich zu verstehen.

Götzke: Sie haben es gerade so schön gesagt: Sie haben sich die Logik dahinter zusammengebaut.

Schärer: Ja.

Götzke: Hat die neue Rechtschreibung keine eigene innere Logik?

Schärer: Doch, natürlich, die hat eine Logik, aber wenn man das Regelwerk so sieht oder so erst mal liest, Paragraf eins, zwei, drei und so weiter, dann kommt, diese Logik ist dort nicht formuliert, die kommt erst mal so nicht raus. Und das war eben ... Ich sag mal, am Anfang ging es ja auch darum sich umzustellen auf die neue Rechtschreibung, dann wurden also nur die Regeln gezeigt, die wirklich verändert worden sind durch diese Reform.

Götzke: Sie haben sich ja nun intensiv damit auseinandergesetzt. Halten Sie die jetzt geltende neue Rechtschreibung für besser, für einfacher als die alte?

Schärer: Ich sage, ja, für diejenigen, die also die Rechtschreibung neu erlernen. Wir müssen uns ja klarmachen, dass zum Beispiel die Getrennt- und Zusammenschreibung eben gar nicht systematisch geregelt war bis zur Reform, sondern aus wirklich Einzelregeln bestand, die in dem Sinne keinen richtigen roten Faden hatten. Und das hat sich geändert. Insofern also finde ich, dass die Reform schon ein Fortschritt ist, auch wenn es eben in den Medien und von anderen Leuten anders gesehen wird. Ich habe, gerade gibt es ja jetzt wieder eine neue Umfrage vom "Focus", wo es heißt, dass 62 Prozent der Mitbürger unseres Landes die Reform immer noch ablehnen.

Götzke: Genau. Sie geben ja auch Workshops zum Thema Rechtschreibung, auch an Schulen.

Schärer: Ja.

Götzke: Haben Sie das Gefühl, dass die Lehrer dort die neue Rechtschreibung fünf Jahre nach der Einführung drauf haben?

Schärer: Also, die Lehrer, mit denen ich zu tun hatte, die haben sie drauf, und ...

Götzke: ... sonst hätten die Sie vielleicht, wahrscheinlich auch nicht eingeladen, wäre vielleicht etwas peinlich gewesen ...

Schärer: ... ja genau, das waren natürlich sehr engagierte Lehrer, die also wirklich auch gern wollen, dass ihre Schüler da auf neustem Stand sind, aber es ist ja vor einigen Monaten durch die Medien noch mal ganz dolle gegangen, dass doch sehr viele Lehrer sich eben nicht richtig umgestellt haben und insofern auch mit den neuen Regeln nicht richtig vertraut sind. Natürlich war am Anfang, Sie haben es ja schon eingangs gesagt: Die Reform ist so zerrissen worden, und da ist natürlich die Motivation, sich wirklich darauf einzustellen, gleich mal auf Null gefallen. Dann haben viele Lehrer nicht die Möglichkeiten gehabt, sich wirklich da entsprechend fortzubilden. Und so ist es tatsächlich, dass viele Lehrer - und ich habe das auch in Gesprächen hier in Berlin mit Berliner Lehrern erfahren können - selbst totale Unsicherheiten haben.

Götzke: Sagt die Biologin und Rechtschreibexpertin Evelyn Schärer, vielen Dank! Wenn auch Sie Unsicherheiten haben, schauen Sie nach in ihrem "Handbuch für deutsche Rechtschreibung".

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk