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Die Röhren des Anaximander

In diesen Nächten ohne helles Mondlicht sehen Sie von einem dunklen Beobachtungsort aus mehr als 3000 Sterne am Himmel. Was aber leuchtet da? Heute wissen wir, dass die Sonne und die Sterne der Nacht brodelnde Gaskugeln sind, in deren Innern leichte Elemente zu schwereren verschmelzen und dabei Unmengen an Energie abgeben.

Von Dirk Lorenzen | 23.10.2009
    In der Antike galten die Gestirne als Götter, die am Himmel leuchten. Die Physik des Universums war vollkommen unbekannt. Götter erklärt man nicht.

    Doch im sechsten Jahrhundert vor Christus hat der griechische Philosoph Anaximander von Milet eine damals unerhörte Theorie aufgestellt. Für ihn war die Sonne eine Art Wagenrad mit hohler Felge, in der Feuer brennt. Durch ein Loch im Rad dringt Feuer nach außen, was wir als Sonne sehen. Auch die Sterne am Himmel waren für ihn Röhren, aus denen Feuer herausläuft. Zu einer Mondfinsternis kam es laut Anaximander, wenn das Mündungsloch des Mondfeuers verstopft.

    So unsinnig diese Erklärung auch sein mag: Damals, etwa 560 vor Christus, hat in gewisser Weise die Astrophysik begonnen. Denn Anaximander hat als erster versucht, die Vorgänge am Himmel mit Dingen zu erklären, die auf der Erde bekannt sind. Der Schritt des Anaximander machte die Astronomie fast schon zur modernen Wissenschaft.

    Hochmut wäre ohnehin fehl am Platz. Denn Forschung ist nie fertig. Sollten in zweieinhalb Jahrtausenden Menschen auf das zurückblicken, womit wir uns derzeit beschäftigen, so werden sie sicher manches entdecken, was ebenso "unsinnig" ist wie die Röhren des Anaximander.

    Informationen zu Anaximander

    Warum leuchten Sterne? (pdf)