Archiv


Die Sanierung von Schloss Bothmer in Mecklenburg-Vorpommern

Der Architekt Johannes Friedrich Künnecke erbaute Schloss Bothmer in den Jahren 1726 bis 1732. 13 Gebäude umfasst das Schlossensemble. Nach der aufwendigen Sanierung sollen hier Ausstellungen über Herrenhäuser sowie Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern und über das Leben des Grafen und der Familie von Bothmer gezeigt werden.

Von Peter Marx | 26.08.2013
    Steffen Siefert hastet durch das Hauptgebäude. Ein Blick in den fertigen Gewölbekeller, dann weiter die Treppe hoch in ein großes eichenholzgetäfeltes Zimmer. "War mal ein Schmuckstück", sagt Siefert, während er Tischler bei der Arbeit beobachtet, und fügt dann hinzu. "Und das wird es wieder." Es klingt fast trotzig:

    "Das ist in der Altenheimzeit das Heimleiter-Zimmer gewesen und ursprünglich in dieser Eichenholzsichtigkeit hergestellt worden und dann aber mit vielen Farbschichten blaugrün bis Cremeweiß überstrichen. Und jetzt in den letzten Monaten in mühevollster Arbeit mit dem Skalpell freigelegt."

    Tischer Niko Fahno hört den letzten Satz, lächelt und beugt sich wieder über eine Eichentür. Mit Skalpell und feinem Schleifpapier bearbeitet er die Farbschichten, stundenlang, tagelang.

    "Oh, hier sind bestimmt vier, fünf Schichten drauf. Ein, zwei Millimeter Farbe haben wir. Das ist schon ein bisschen Arbeit."

    Siefert, Projektleiter der Sanierungsarbeiten, geht zur nächsten Wand. Die Eichenpaneele glänzen wieder wie einst. Fast zärtlich fährt er mit seinem Zeigefinger über die Schnitzereien.

    "Diese Schnitzereien waren mit Sperrholz-Platten abgedeckt, sodass insgesamt eine sehr glatte Oberfläche war. Und hier haben wir das große Glück, dass diese Schnitzereien sozusagen darunter verborgen werden konnten. Wenn die nicht unter die Platten gepasst hätten, hätte man sie abgeschlagen, wie wir es häufiger im Haus vorfinden.""

    Der Architekt Johannes Friedrich Künnecke erbaute Schloss Bothmer in den Jahren 1726 bis 1732. Bauherr war Reichsgraf von Bothmer, der als Diplomat in den Diensten der hannoverschen Kurfürsten und späteren englischen Könige stand. 13 Gebäude umfasst das Schlossensemble. Für den Architekten Stefan Wenzl vom staatlichen Betrieb für Bau und Liegenschaften ein "zu großes Projekt für einen Grafen." Er vermutet, dass der englische König die Proteste der Herzöge von Mecklenburg gegen den Schlossbau verhinderte.

    "Es ist eines der größten Schlösser, die wir haben. Es ist natürlich hier ein Barockbau, aber von der ganzen Gestaltung her ist es ein sehr nördliches Bauwerk, ein sehr englisches Bauwerk. Hat schon die ersten Anzeichen des aufkommenden Klassizismus. Also, es ist ein Bau, der deutlich über die regionale Bedeutung hinausgeht."

    Das gilt ebenfalls für den Schlosspark, der zu den ältesten englischen Landschaftsgärten in Deutschland zählt. Ein einmaliges Gartendenkmal ist die 270 Meter lange Feston-Allee aus holländischen Königslinden, sagt Steffen Siefert:

    "Also mit der Feston-Allee, französisch Girlande. Die Bäume verbinden sich zu einer Girlande und begleiten den Alleenweg über den Hügel vom Hof zum Felde hier in die Niederungen."

    Die aus leuchtend rotem Backstein errichteten Gebäude sind seit 2008 im Besitz von Mecklenburg-Vorpommern. 18 Millionen Euro veranschlagte das Land für den ersten Bauabschnitt, die Sanierung des Hauptgebäudes. Aufgrund eines weiteren Zuschusses von 7, 7 Millionen Euro aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung werden seit Juli alle Gebäude gleichzeitig saniert.

    "Aber wir haben das große Glück, dass wir durch diese zusätzlichen europäischen Mittel auch die Seitenflügel nicht nur restaurieren können, sondern sie auch einer Nutzung zuführen können. Und das ist natürlich besonders schön, dass wir dann 2015 das komplette Schloss mit den Seitenflügeln der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen können."

    Nach den Planungen soll Schloss Bothmer ein Museum werden mit zwei zentralen Ausstellungen. Einmal über die Herrenhäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern, von denen es rund 1000 gibt. Darüber hinaus eine Ausstellung über das Leben des Grafen und der Familie von Bothmer, die kurz vor Kriegsende aus dem Klützer Winkel floh. Der Bauherr selbst hat nie darin gewohnt, er starb 1732 in seinem Londoner Haus in der Downingstreet Nr. 10. Erst nach seinem Tod wurde daraus der ständige Sitz des englischen Premierministers. Seither hofft nicht nur Stefan Wenzl zur Eröffnung auf königlichen Besuch.

    "Ob nun Prinz Charles zur Eröffnung kommt das wissen wir nicht."