Um Liebe und Tod geht es Georg Friedrich Haas in "Die schöne Wunde”, um ein Thema so alt wie die Gattung Oper selbst. Hierfür verwebt er zwei Texte der Weltliteratur: die Erzählung "Grube und Pendel” von Edgar Allen Poe und Kafkas Prosatext "Ein Landarzt”. Beide Handlungsstränge kommentieren sich gegenseitig, ergänzen sich. Und: In dieses komplexe Gefüge sind einzelne Bilder eingeschoben: Episoden von Liebe, Sexualität, Hoffnung, Verlust: Das "Hohelied Salomons”, das Paar Philemon und Baucis, und immer wieder der Dialog zwischen Romeo und Julia, jedes Mal in einer völlig anderen musikalischen Gestalt.
Mag das Libretto zu "Die Schöne Wunde” erst einmal wie eine intellektuelle Kopfgeburt erscheinen, mag der gesungene Text auch nicht durchwegs verständlich sein: Das neue Stück von Georg Friedrich Haas funktioniert und vermittelt sich auf der Bühne, nicht als eine durchgängig erzählte Geschichte, sondern als ständig wechselnde Emotionen, dank der unwahrscheinlich vielfarbigen Musik und der akustisch perfekt ausbalancierten Raumsituation: Die Instrumentalisten sitzen nicht im Orchestergraben, sondern sind um das Publikum herum verteilt. Jeder der 29 hervorragenden Musiker vom Klangforum Wien hat eine eigene Partie. Hinzu treten sechs Solisten, zwei Schauspieler und das Vokalensemble NOVA. Der Dirigent Sylvain Cambreling steht vor der Bühne und koordiniert souverän das komplizierte Geschehen. Zweimal sind die Musiker jedoch sich selbst überlassen: Denn sie müssen kurzfristig in vollkommener Dunkelheit spielen, so will es der Komponist. Für die Zuschauer werden diese Momente zur ganz besonders intensiven Klangerfahrung. Alles wird durchhörbar: Wispern, scharfe Dissonanzbildungen oder sanft verschmelzende Akkorde.
Die musikalische Gesamtdramaturgie wird bestimmt durch wellenförmige Impulse. Akzente, die sich aus dem Klangraum heraus schälen, dann ein Skalengang, der sich auflöst in einzelne Gruppen und wandert im Raum, von hinten nach vorne, von vorne nach hinten.
Dass die szenisch zurückhaltende, Labyrinth-Installation von Hermann Feuchter und Wolfgang Göbbel nicht stört, den archetypisch menschlichen Gefühlszuständen aber auch nicht wirklich nachspürt, ist schade. Aber: Es gelingt eine atmosphärisch dichte und eindrucksvolle Bühnenausleuchtung.
Und die "schöne Wunde”? Sie erwartet den Gefangenen im Angesichts des Todes, sie ruft den Landarzt, vor allem aber: Sie bleibt bei Georg Friedrich Haas erotische Metapher.
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1699.html
Mag das Libretto zu "Die Schöne Wunde” erst einmal wie eine intellektuelle Kopfgeburt erscheinen, mag der gesungene Text auch nicht durchwegs verständlich sein: Das neue Stück von Georg Friedrich Haas funktioniert und vermittelt sich auf der Bühne, nicht als eine durchgängig erzählte Geschichte, sondern als ständig wechselnde Emotionen, dank der unwahrscheinlich vielfarbigen Musik und der akustisch perfekt ausbalancierten Raumsituation: Die Instrumentalisten sitzen nicht im Orchestergraben, sondern sind um das Publikum herum verteilt. Jeder der 29 hervorragenden Musiker vom Klangforum Wien hat eine eigene Partie. Hinzu treten sechs Solisten, zwei Schauspieler und das Vokalensemble NOVA. Der Dirigent Sylvain Cambreling steht vor der Bühne und koordiniert souverän das komplizierte Geschehen. Zweimal sind die Musiker jedoch sich selbst überlassen: Denn sie müssen kurzfristig in vollkommener Dunkelheit spielen, so will es der Komponist. Für die Zuschauer werden diese Momente zur ganz besonders intensiven Klangerfahrung. Alles wird durchhörbar: Wispern, scharfe Dissonanzbildungen oder sanft verschmelzende Akkorde.
Die musikalische Gesamtdramaturgie wird bestimmt durch wellenförmige Impulse. Akzente, die sich aus dem Klangraum heraus schälen, dann ein Skalengang, der sich auflöst in einzelne Gruppen und wandert im Raum, von hinten nach vorne, von vorne nach hinten.
Dass die szenisch zurückhaltende, Labyrinth-Installation von Hermann Feuchter und Wolfgang Göbbel nicht stört, den archetypisch menschlichen Gefühlszuständen aber auch nicht wirklich nachspürt, ist schade. Aber: Es gelingt eine atmosphärisch dichte und eindrucksvolle Bühnenausleuchtung.
Und die "schöne Wunde”? Sie erwartet den Gefangenen im Angesichts des Todes, sie ruft den Landarzt, vor allem aber: Sie bleibt bei Georg Friedrich Haas erotische Metapher.
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