Die Tropen waren von Beginn an eigentlich ein kulturelles Konstrukt: Zwischen der tropischen Natur und ihrer Wahrnehmung durch den Menschen standen immer Vorstellungen aus Literatur und Kunst. Unter dem Titel "Ansichten von der Mitte der Weltkugel" zeigt der Gropius-Bau in Berlin 280 alte und neue Kunstwerke, Skulpturen und Fotografien.
Es zwitschert und braust, trommelt und lärmt, es leuchtet und flimmert, und umspült von den multimedialen Sinnesreizen dieser Ausstellung stehen die alten Ahnen, die Masken und Idole, die Dämonen und Talismane uralter Zeiten und Kulturen und scheinen über alles das zu wachen und dabei den Schulterschluss mit der Gegenwart zu üben. Der Martin Gropius-Bau hat sich in eine tropische Kunstlandschaft verwandelt, der Besucher wird auf einem Rundgang im großen Quadrat der ersten Etage durch eine Stafette von großen und kleinen Sälen geführt, die sich wie immer neue Kapitel öffnen.
Es geht um Krieg und Mythologie, um Farben und Menschenbilder, um Natur und Zivilisation, doch das vordringliche sind nicht die Themen, sondern die Bilder und der ewig neue Reiz von alt und neu. Ein Saal ist komplett ausgefüllt, nein überwuchert von einer Urwaldinstallation der beiden Künstler Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, Schlingpflanzen, Bäume, Gestrüpp und Kleintiere in schrillen Farben, die Boden, Wände und Decke überziehen und den Besucher zum wegducken zwingen. Doch dieser Urwald bringt seltsame Früchte hervor, Handys und Babys wachsen auf Bäumen, Computer sind von rotem Moos überwuchert, und riesige rote Fingernägel lagern sich um die Tastaturen, und damit ist fast schon alles zur Grundidee dieser Schau gesagt. Alfons Hug, Leiter des Goethe Instituts in Rio de Janeiro und Kurator dieser Ausstellung, hat sich vorgenommen, die Tropen zu re-ästhetisieren, wie er sagt, das heißt: sie aus den politischen Debatten um Regenwaldabholzung, IWF-Kredite und Dritte-Welt-Transfers herauszunehmen und sie um ihrer selbst Willen zu würdigen, ihnen die kulturelle Betrachtungsweise zurückzugeben. Das ist ein hehres Anliegen, das allerdings nicht ganz ohne Ironie ist, wenn nun gerade Europäer versuchen, den Sinn für die ursprüngliche Schönheit und Kultur der Tropen zu wecken. Die schräge Urwald-Installation von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger deutet schon an, dass dabei eigentlich nur ein ziemlich hybrides Gebilde entstehen kann.
Kein Zweifel, die Ausstellung ist elegant. Die Regie der Räume, die Hängung und Positionierung der Bilder sind mitunter einfach sehr schön. Die alten Skulpturen aus den weltweit einzigartigen Sammlungen des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen Berlin sind fraglos hinreißend und kommen im Dialog mit den Bildern heutiger Künstler zu ganz neuer Geltung und wirken "richtig modern", wie eine Besucherin sagte.
Eine bedeutende Ethnologin wie Viola König, die als Direktorin des Ethnologischen Museums mitkuratiert hat, deutet indes selbst leise Zweifel an dem Konzept an, wenn sie sagt, dass man nicht genau wisse, wie man den Begriff Tropen überhaupt fassen solle, der ja eine alte kolonialistische Prägung ist. Nicht alle Gegenwartskünstler haben sich so weitgehend dem künstlerischen Engagement für die sogenannte Dritte Welt verschrieben wie ein Marcel Odenbach, dessen Werke immer von großen Skrupeln gegen voreilige Vereinnahmungen und Hilfsangebote an die "Armen" geprägt ist. Wenn Peter Junge, der Kurator der Berliner Afrika-Sammlung, rundheraus sagt: Die ganzen alten Bildwerke aus Afrika, Asien und Südamerika seinen "einfach Kunst" - beginnt damit nicht schon ein Stück Vereinnahmung. So ganz kann diese Ausstellung daher ihre konzeptionelle Unschärfe nicht abschütteln.
Zu guter Letzt ist sie auch entgegen der Kuratorenabsicht alles andere als unpolitisch. Zumindest auf der Pressekonferenz ging es die erste halbe Stunde kaum um die Tropen selbst, sondern die Netzwerker lobten ihre neuen strategischen Netzwerke, die dazu dienen sollen, Deutschland in der Welt als Kulturnation wieder bekannter zu machen und vor allem bei der gegenwärtigen Neuaufteilung kultureller Hegemonien mitzuwirken. Die Ausstellung ist ein Testlauf auch für das Konzept des Humboldt-Forums, das bald im wiederzuerrichtenden Berliner Stadtschloss entstehen soll - und auch für das geplante "Universalmuseum", mit dem die drei großen deutschen Museen demnächst im Emirat Dubai die deutsche Fahne gegen die Konkurrenz aus Frankreich, England und den USA hochhalten wollen. Viele Fragen bleiben offen.
Es zwitschert und braust, trommelt und lärmt, es leuchtet und flimmert, und umspült von den multimedialen Sinnesreizen dieser Ausstellung stehen die alten Ahnen, die Masken und Idole, die Dämonen und Talismane uralter Zeiten und Kulturen und scheinen über alles das zu wachen und dabei den Schulterschluss mit der Gegenwart zu üben. Der Martin Gropius-Bau hat sich in eine tropische Kunstlandschaft verwandelt, der Besucher wird auf einem Rundgang im großen Quadrat der ersten Etage durch eine Stafette von großen und kleinen Sälen geführt, die sich wie immer neue Kapitel öffnen.
Es geht um Krieg und Mythologie, um Farben und Menschenbilder, um Natur und Zivilisation, doch das vordringliche sind nicht die Themen, sondern die Bilder und der ewig neue Reiz von alt und neu. Ein Saal ist komplett ausgefüllt, nein überwuchert von einer Urwaldinstallation der beiden Künstler Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, Schlingpflanzen, Bäume, Gestrüpp und Kleintiere in schrillen Farben, die Boden, Wände und Decke überziehen und den Besucher zum wegducken zwingen. Doch dieser Urwald bringt seltsame Früchte hervor, Handys und Babys wachsen auf Bäumen, Computer sind von rotem Moos überwuchert, und riesige rote Fingernägel lagern sich um die Tastaturen, und damit ist fast schon alles zur Grundidee dieser Schau gesagt. Alfons Hug, Leiter des Goethe Instituts in Rio de Janeiro und Kurator dieser Ausstellung, hat sich vorgenommen, die Tropen zu re-ästhetisieren, wie er sagt, das heißt: sie aus den politischen Debatten um Regenwaldabholzung, IWF-Kredite und Dritte-Welt-Transfers herauszunehmen und sie um ihrer selbst Willen zu würdigen, ihnen die kulturelle Betrachtungsweise zurückzugeben. Das ist ein hehres Anliegen, das allerdings nicht ganz ohne Ironie ist, wenn nun gerade Europäer versuchen, den Sinn für die ursprüngliche Schönheit und Kultur der Tropen zu wecken. Die schräge Urwald-Installation von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger deutet schon an, dass dabei eigentlich nur ein ziemlich hybrides Gebilde entstehen kann.
Kein Zweifel, die Ausstellung ist elegant. Die Regie der Räume, die Hängung und Positionierung der Bilder sind mitunter einfach sehr schön. Die alten Skulpturen aus den weltweit einzigartigen Sammlungen des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen Berlin sind fraglos hinreißend und kommen im Dialog mit den Bildern heutiger Künstler zu ganz neuer Geltung und wirken "richtig modern", wie eine Besucherin sagte.
Eine bedeutende Ethnologin wie Viola König, die als Direktorin des Ethnologischen Museums mitkuratiert hat, deutet indes selbst leise Zweifel an dem Konzept an, wenn sie sagt, dass man nicht genau wisse, wie man den Begriff Tropen überhaupt fassen solle, der ja eine alte kolonialistische Prägung ist. Nicht alle Gegenwartskünstler haben sich so weitgehend dem künstlerischen Engagement für die sogenannte Dritte Welt verschrieben wie ein Marcel Odenbach, dessen Werke immer von großen Skrupeln gegen voreilige Vereinnahmungen und Hilfsangebote an die "Armen" geprägt ist. Wenn Peter Junge, der Kurator der Berliner Afrika-Sammlung, rundheraus sagt: Die ganzen alten Bildwerke aus Afrika, Asien und Südamerika seinen "einfach Kunst" - beginnt damit nicht schon ein Stück Vereinnahmung. So ganz kann diese Ausstellung daher ihre konzeptionelle Unschärfe nicht abschütteln.
Zu guter Letzt ist sie auch entgegen der Kuratorenabsicht alles andere als unpolitisch. Zumindest auf der Pressekonferenz ging es die erste halbe Stunde kaum um die Tropen selbst, sondern die Netzwerker lobten ihre neuen strategischen Netzwerke, die dazu dienen sollen, Deutschland in der Welt als Kulturnation wieder bekannter zu machen und vor allem bei der gegenwärtigen Neuaufteilung kultureller Hegemonien mitzuwirken. Die Ausstellung ist ein Testlauf auch für das Konzept des Humboldt-Forums, das bald im wiederzuerrichtenden Berliner Stadtschloss entstehen soll - und auch für das geplante "Universalmuseum", mit dem die drei großen deutschen Museen demnächst im Emirat Dubai die deutsche Fahne gegen die Konkurrenz aus Frankreich, England und den USA hochhalten wollen. Viele Fragen bleiben offen.