Samstag, 28. Januar 2023

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Die Ukraine und die Astronomie
Radioteleskope und Krimkrise

Nicht nur im Fußball bemüht sich die Ukraine um Anschluss an die führenden Länder Europas – auch die Astronomie des Landes hat mit Höhen und Tiefen zu kämpfen. Jetzt leidet sie schwer unter der Krimkrise.

Von Dirk Lorenzen | 12.06.2016

    Das Innere der 70-Meter-Schüssel von Jewpatoria
    Das Innere der 70-Meter-Schüssel von Jewpatoria (Wlasenko)
    Gründervater der Astronomie in der Ukraine ist Juri Drohobych. Er lebte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, studierte in Krakau und schrieb das erste Buch in ukrainischer Sprache über die Himmelskunde.
    Später war er einige Jahre der Rektor der Universität von Bologna, die damals zu den wichtigsten wissenschaftlichen Zentren zählte. Zu seinen Studenten gehörte ein gewisser Nicolaus Copernicus.
    Wegen der nicht sehr günstigen Beobachtungsbedingungen in der Ukraine dominiert dort eher die Radioastronomie, die sich auch bei dichten Wolken betreiben lässt. In der Nähe von Charkiw gibt es das weltweit größte Kurzwellenteleskop. Seine Empfangsfläche ist so groß wie zwanzig Fußballfelder.
    Nahe Jewpatoria auf der Krim-Halbinsel befindet sich eine 70 Meter große, frei schwenkbare Radioschüssel. Sie gehört zu den größten Instrumenten dieser Art auf der Erde.
    Über das Jewpatoria-Teleskop lief der Funkkontakt zu vielen sowjetischen und russischen Planetenmissionen. Doch derzeit ist dieses Teleskop nicht mehr an internationalen Projekten beteiligt.
    Die historisch bedeutendste Sternwarte der Ukraine liegt auch auf der Krim. Ihr größtes Spiegelteleskop hat einen Durchmesser von 2,6 Metern. Zudem gibt es dort einen 1,2-Meter-Spiegel. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung in Potsdam-Babelsberg demontiert worden.