Mittwoch, 17. April 2024

UNO-Bericht
Die Welt produziert Jahr für Jahr mehr Elektroschrott

Weltweit wird einem UNO-Bericht zufolge immer mehr Elektroschrott produziert. Allein im Jahr 2022 fielen demnach 62 Millionen Tonnen an Elektro-Abfall an. Das ist ein Rekord - und das Recycling kommt nicht hinterher.

24.03.2024
    Ein Haufen Elektrogeräte, darunter Staubsauger und Werkzeug.
    Der UNO-Bericht spricht von einem neuen Rekord beim Elektroschrott. (dpa / Maja Hitij)
    Verglichen mit dem angefallenen Elektroschrott des Jahres 2010 hat sich die Menge 12 Jahre später um 82 Prozent vergrößert. Der UNO-Bericht definiert dabei alle Dinge als Elektro-Abfall, die einen Stecker oder eine Batterie haben.
    Um das Ausmaß des globalen Schrottproblems zu veranschaulichen, wählten die Autoren des Berichts eindrückliche Vergleiche: Mit dem Elektro-Abfall aus dem Jahr 2022 könne man 1,55 Millionen 40-Tonnen-Lastwagen füllen, schreiben sie. Stoßstange an Stoßstange würde die Lkw-Kolonne dann ungefähr rund um den Äquator reichen. 

    Das Recycling-Problem 

    Im Verhältnis zum rasant wachsenden Berg aus ausrangierten Handys, Laptops, Fernsehern, Kühlschränken und anderen Geräten hinkt das dokumentierte Recycling stark hinterher. Im Jahr 2022 sei weniger als ein Viertel (22,3 Prozent) des Elektroschrotts nachweislich ordnungsgemäß gesammelt und aufgearbeitet worden, hieß es. Bis 2030 könne der Wert auf 20 Prozent sinken. Milliarden-Dollar-Werte an eigentlich wiedererlangbaren Ressourcen würden damit verschwendet. Hinzu kommen Gefahren für die Umwelt, da Elektroschrott giftige Zusatzstoffe und gefährliche Substanzen wie Quecksilber enthalten kann. Er sollte darum auf die richtige Weise entsorgt und aufbereitet werden. 
    Rüdiger Kühr, einer der Autoren des UNO-Berichts, sprach von einer globalen Schieflage. In vielen Teilen der Welt gebe es weder entsprechende Gesetzgebung noch Infrastruktur für Sammlung und Recycling. So kämen die Materialien nicht in den eigentlichen Recycling-Kreislauf. Zugleich gebe es in vielen Regionen einen enormen Zuwachs an elektronischen Geräten. Es komme viel mehr auf den Markt als derzeit gesammelt und recycelt werden könne.

    Reparaturen sind oft schwierig

    Ob E-Zigaretten, elektronisches Kinderspielzeug oder smarte Kleidung mit eingebauter Heizfunktion - viele elektronische Produkte haben den großen Nachteil, dass sie sich oft nur äußerst schwer reparieren lassen. Kühr erläuterte, das liege oft auch am Design der Geräte. Viele seien verklebt statt verschraubt. Dies mache es schwierig, sie ohne Schaden zu öffnen. Das habe auch etwas mit den Kosten zu tun, so Kühr. Eine intelligente Verschraubung sei in der Herstellung kostenintensiver als eine Verklebung. Es müsse ein Umdenken stattfinden.

    Elektroschrott landet häufig in der Restmülltonne

    Etwa ein Drittel des weltweiten Elektroschrotts bestand 2022 nach Einschätzung der Autoren aus eher kleinen Geräten wie Spielzeug, Mikrowellenherden oder E-Zigaretten. Die dokumentierten Recyclingquoten bei diesem Equipment sind nach wie vor sehr niedrig (12 Prozent). Ausrangierte Großgeräte wie zum Beispiel Kühlschränke oder Waschmaschinen werden häufiger ordnungsgemäß aufbereitet.
    Vielfach fehlt aber offenbar auch einfach das Wissen, wie man Elektrogeräte, die nicht mehr funktionieren, korrekt entsorgt - oder es wird aus Bequemlichkeit anders gemacht. Geschätzt 14 Millionen Tonnen Elektroschrott seien 2022 einfach in normale Mülltonnen gewandert, heißt es im Bericht. Dies sei weltweit ein sehr großes Problem, erklärte Christoph Helbig von der Universität Bayreuth, der selbst nicht am Bericht beteiligt war. Elektrogeräte gehörten niemals in die normale Hausmülltonne. Hier seien Kommunen gefragt, gute, niederschwellige Rückgabemöglichkeiten zu schaffen.
    Der Global E-Waste Monitor wird regelmäßig vorgelegt und kann so Zahlen und Daten aus verschiedenen Jahren vergleichen. Verfasser sind das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen (UNITAR) und die Internationale Fernmeldeunion (ITU).
    Über dieses Thema berichtet der Deutschlandfunk am 20. März 2024 auch in der Sendung "Forschung aktuell".