24. März 2023
Die Wirtschaftspresseschau

Hauptthema in den Kommentaren ist der groß angelegte Warnstreik der Gewerkschaften Verdi und EVG am Montag. Das HANDELSBLATT analysiert:

24.03.2023
Rote Signale leuchten zwischen den Gleisen im Hauptbahnhof. Streik bei der Deutschen Bahn 2021
Neue Warnstreiks bei der Bahn, im Nahverkehr und an den Flughäfen. (picture alliance / dpa / Robert Michael)
"Der wahre Grund für die harte Gangart ist schnell entlarvt: Es geht den Gewerkschaften darum, Mitglieder zu gewinnen und den unaufhaltsam scheinenden Schrumpfkurs zu stoppen. Für die Arbeitgeber wird es nicht leicht werden, dieser 'konzertierten Aktion' der Arbeitnehmervertreter zu widerstehen. Zumal die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und bei der Bahn mit den letzten Krisen-Tarifabschlüssen ordentlich Verzicht geübt haben und die Inflation weiter hoch ist",
schreibt das HANDELSBLATT.
Ähnlich sieht es die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz:
"Die Vermutung liegt nahe, dass mit dem Warnstreik auch Organisationsziele verfolgt werden. Die bisher als lahme Hausgewerkschaft der Bahn geltende EVG muss sich beispielsweise im Konkurrenzkampf mit der Lokführergewerkschaft GDL behaupten. Und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi steht im September vor ihrem alle vier Jahre stattfindenden Bundeskongress. Da hilft es, wenn ein guter Tarifabschluss und anständige Mitgliederzahlen vorliegen. Das ist alles nachvollziehbar, rechtfertigt aber nicht, die Republik derart in Geiselhaft zu nehmen",
konstatiert die ALLGEMEINE ZEITUNG.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER geht auf die Situation der Arbeitgeber ein:
"Die Bahn hat milliardenschwere Investitionen zu stemmen, während das geplante 49-Euro-Ticket sich eher negativ auf die Einnahmenseite auswirken dürfte. Forderungen von 10,5 beziehungsweise 12 Prozent mehr Gehalt dürften für die Arbeitgeber in dieser Situation kaum zu stemmen sein. Zudem droht bei Abschlüssen, die so deutlich über der Jahresinflation von 7,9 Prozent liegen, eine Lohn-Preis-Spirale, die wiederum die Inflation befeuert."
Und zum Abschluss noch ein Kommentar aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zur Lage nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS:
"Fest steht: Einfach wird das Leben mit der neuen Schweizer Superbank nicht. Schon in Woche eins ist es zu ersten Unstimmigkeiten zwischen Staat und UBS gekommen. Bei den Verlustgarantien, die der Bund für einen klar abgegrenzten Teil des Credit-Suisse-Portfolios gegeben hat, ist offenbar unklar, wieweit diese gehen. Die ersten fünf Milliarden Franken muss die UBS schultern, die nächsten neun Milliarden der Bund – so weit, so unstrittig. Verluste über 14 Milliarden hinaus will die UBS mit dem Bund teilen, dieser sieht sich aber nicht in der Pflicht. Auf die Schweiz dürfte mit ihrer erstarkten Bank ein Machtkampf zukommen."