31. März 2023
Die Wirtschaftspresseschau

Kommentiert werden vor allem die gescheiterten Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst.

31.03.2023
    Potsdam: Karin Welge (l-r), Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Nancy Faeser (SPD), Bundesministerin des Innern und Heimat, Werner Glatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministrium, und Frank Wernecke (r), Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, sitzen am zweiten Tag der dritten Runde der Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommun
    Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst sind gescheitert. (Carsten Koall / dpa / Carsten Koall)
    Die Zeitung DIE GLOCKE aus Oelde findet:
    "Dass Verdi jetzt trotz eines sehr ansehnlichen Angebots der Arbeitgeber einen Abschluss blockiert, um maximale Forderungen durchzusetzen, ist nicht nachvollziehbar, ja geradezu unverschämt. Ein noch höherer Abschluss setzt falsche Signale für andere Branchen, die einen solchen Schub in den Tarifen kaum verkraften können, und treibt die Inflation weiter an."
    Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz schreibt:
    "Dass Verdi und der Beamtenbund nicht nur einen Inflationsausgleich fordern, sondern echte Reallohnzuwächse, ist angesichts der Preisentwicklung der vergangenen Monate nur zu verständlich. Dass sie vorgeben, vor allem für die unteren Gehaltsgruppen zu kämpfen, ist nobel. Ihr Arbeitgeber, der Staat, fährt aber keine Gewinne ein, sondern Steuereinnahmen. Ein zu hoher Tarifabschluss droht alle zu treffen: die Steuerzahler, die Gebührenzahler, die Bürger."
    Und der KÖLNER STADT-ANZEIGER erläutert:
    "Es ist 31 Jahre her, dass es in Deutschland zu einem zehntägigen Streik im öffentlichen Dienst kam. Noch ist das Verständnis in der Bevölkerung groß – doch es kann schnell kippen. Die Kommunen drohen bereits damit, dass die höheren Gehaltskosten am Ende auf alle Bürger umgelegt werden, in Müllgebühren, Eintrittskarten für Bäder und Museen, Steuer-Hebesätzen. Bis nach Ostern haben die erfahrenen Schlichter Georg Milbradt und Henning Lühr jetzt Zeit, den Knoten zu durchschlagen. Die Drohkulisse eines wochenlangen Streiks im Mai bleibt so lange bestehen."
    Thema ist auch die Inflationsrate. Dazu schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:
    "Die Inflation in Deutschland geht leicht zurück, aber trösten kann das niemanden. Im März lag die Teuerungsrate immer noch bei 7,4 Prozent, im Februar waren es 8,7 Prozent. Doch die Kerninflation verfestigt sich und wächst sogar weiter, einzig das Tempo der Teuerung nimmt ab. Solche Preissprünge gab es seit den 1980er Jahren nicht mehr."
    Und das HANDELSBLATT analysiert:
    "Die sogenannte Kerninflation, bei der die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel ausgeklammert bleiben, hat auch beim Jahresvergleich als Maßstab tendenziell noch etwas zugenommen. Der Aktienmarkt hat daher in einer ersten Reaktion zu Recht eher die schlechte als die gute Seite der Wahrheit wahrgenommen. Der ausgewiesene Trend sieht gut aus, aber der genauere Blick auf die Daten zeigt, dass immer noch viel Druck im Kessel ist."