02. August 2023
Die Wirtschaftspresseschau

Die Kommentare in den Wirtschaftsseiten beschäftigen sich unter anderem mit der Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Außenaufnahme der Agentur für Arbeit in Nürnberg
Kommentiert werden unter anderem die Arbeitsmarktsdaten für Juli. (picture alliance / Fotostand / K. Schmitt)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG führt aus:
"Die Arbeitslosigkeit ist im Juli zwar gestiegen, das aber in einem für diesen Monat durchaus üblichen Umfang. Diese grundsätzlich erfreuliche Botschaft sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Lage eintrübt. Die Arbeitslosigkeit ist inzwischen deutlich höher als vor einem Jahr, und das liegt - anders als zu Jahresbeginn und im Frühling - kaum noch an den Geflüchteten aus der Ukraine. Die Zahl der Erwerbstätigen ist zuletzt saisonbereinigt zwei Monate in Folge gesunken, und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst kaum noch. Es ist nicht zu übersehen: Am deutschen Arbeitsmarkt ist Vorsicht eingekehrt."
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER stellt fest:
"Das Angebot an Arbeit und die Nachfrage nach Arbeit passen derzeit offensichtlich in vielfacher Hinsicht nicht zusammen. Die Politik sollte in dieser Situation etwas gegen die Verunsicherung von Entscheidungsträgern tun. Dazu können der Ausbau der Infrastruktur und des Energieangebots, die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und steuerliche Anreize gehören."
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder meint:
"Entscheidend werden die Monate nach dem Sommer sein. Dann wird sich zeigen, inwiefern die Langzeitfolgen von Corona und Energiekrise sowie rückläufige Umsätze in einigen industriellen Branchen in einen Rückgang bei Personal-Einstellungen münden und die schwächelnde Konjunktur dann wirklich am Arbeitsmarkt ankommen könnte."
Das HANDELSBLATT mahnt:
"Wenn es nicht rasch gelingt, mehr Beschäftigte in Mangelberufe zu bringen – sei es durch eine bessere Berufsorientierung oder Qualifizierung – wird eine schizophrene Situation eintreten: Deutschland erlebt dann steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig wachsendem Fachkräftemangel. Eine Situation, die geeignet ist, die Spaltung der Gesellschaft weiter zu vertiefen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG äußert sich zu Bundesverkehrsminister Wissing, der in der steuerlichen Förderung von Dienstwagen auch eine Grundlage für günstige E-Autos sieht:
"Wenn man das Dienstwagenprivileg schon nicht abschafft, weil es ja tatsächlich den Gebrauchtwagenmarkt ankurbeln kann, muss es umgebaut werden. Es sollte nur noch für Elektroautos gelten oder zumindest an den tatsächlichen CO2-Ausstoß der Fahrzeuge gekoppelt werden. Doch an die einzig logische Folgerung, nicht nur klimafreundliche Autos zu fördern, sondern gleichzeitig auch klimaschädliche Fahrzeuge zu verteuern, will die Bundesregierung auch weiterhin nicht ran – wie immer getrieben durch die FDP."