08. August 2023
Die Wirtschaftspresseschau

Von der Mittelschicht ist immer wieder die Rede, vor allem in Wirtschaft und Politik. Eine Ifo-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass diese Einkommensgruppe kleiner wird.

Das Logo des ifo-Institutes
Das Logo des ifo-Institutes (dpa | Peter Kneffel)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG greift die Zahlen der Studie auf und interpretiert sie folgendermaßen:
"Wer beruflich ohnehin gut etabliert ist, spürt finanzielle Anreize, sich nach oben hin aus der Mitte zu verabschieden. Wer aber wegen eines geringen Verdienstes Ansprüche auf Sozialleistungen hat, für den lohnt es sich finanziell umso weniger, den Aufstieg in die Mittelschicht zu versuchen. Der übliche Reflex deutscher Sozialpolitik auf Alarmglocken aller Art ist das Ausweiten steuer- und abgabenfinanzierter Sozialleistungen. Irgendwann wird sie lernen müssen: Diesen Reflex abzuschalten wäre der beste Beitrag zur Stärkung der Mittelschicht."
Die FRANKENPOST aus Hof kommentiert:
"Es reicht nicht aus, immer wieder zu betonen, die Mittelschicht sei das Fundament dieses Landes. Wer möchte, dass die wichtigste Säule stabil bleibt, muss sie auch entsprechend wertschätzen und fördern. Die Mittelschicht hierzulande trägt dem Ifo-Institut zufolge europaweit mit die höchste Steuer- und Abgabenlast. Es darf bei denjenigen, die den Karren ziehen, nicht der Eindruck entstehen, dass ihre Leistungen zu wenig geschätzt werden."
Mit der wirtschaftlichen Situation insgesamt in Deutschland befasst sich die HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG und fordert:
"Deutschland braucht eine neue Agenda. Die Reformen müssen ähnlich umfassend und tiefgehend sein, wie sie es zur Zeit der Agenda 2010 waren. Der damalige Aufbruch, der Pragmatismus und die Konsequenz in der Umsetzung sollten abermals stilbildend sein. Die sozialen Verwerfungen, die die Agenda 2010 auch mit sich brachte, sollte man natürlich nicht wiederholen. SPD, Grüne und Liberale müssen also mit einem Konjunkturkonzept aus der Sommerpause zurückkehren, das für die Wirtschaft ein Befreiungsschlag ist und für die Bürgerinnen und Bürger wiederum das Signal setzt, dass der Staat seinen Aufgaben gewachsen ist."
Abschließend noch ein Blick ins HANDELSBLATT aus Düsseldorf, das sich mit dem Begriff "Reform" befasst - anhand des Beispiels der Grundsteuer:
"Der Duden definiert Reform als 'planmäßige Verbesserung des Bestehenden'. Überlastete Behörden, die mangelhafte Digitalisierung der Verwaltung, immer neue hochkomplexe Gesetzestexte mit Ausnahmeregelungen ohne Ende – die Reform der Grundsteuer scheint für das genaue Gegenteil zu stehen. Und zeigt wie unter einem Brennglas die Symptome, an denen das ganze große Land krankt. Und absehbar noch kränker wird: Denn die Reform wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht dazu beitragen, das Vertrauen in die Politik in Gänze zu befördern."