12. April 2024
Die Wirtschaftspresseschau

Ein Thema der Wirtschaftskommentare der Zeitungen ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

12.04.2024
Dunkle Gewitterwolken ziehen abends über die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt hinweg.
Gewitterwolken über der Europäische Zentralbank in Frankfurt (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU schreibt zur gestrigen Ratssitzung der EZB:
"Manche hatten mehr von dieser EZB-Sitzung erwartet – im Sinne von weniger: einen Fahrplan für niedrigere Leitzinsen ab Juni. Zum Glück wurden sie enttäuscht. Die Glaubwürdigkeit der EZB als Inflationsbekämpferin wäre schnell dahin, wenn jetzt die erste Gelegenheit zur geldpolitischen Lockerung genutzt würde – und schiefginge. Vom Ölpreis über eine erhitzte US-Konjunktur bis zu Lohnsteigerungen gibt es genug Risiken, die die Teuerung wieder anfachen können."
Die BERLINER MORGENPOST kommentiert:
"Die Zeit ist noch nicht reif, die Zinsen zu senken. Dass es jetzt nicht passiert, ist für die deutschen Sparer mit ihrem Hang zu Fest- und Tagesgeldkonten eine gute Nachricht. Die Banken würden die Sparzinsen sonst sofort senken. Für deutsche Politiker ist die Nachricht eher schlecht. So gern sie niedrigere Zinsen sähen, sie müssen die Wirtschaft doch anders in Schwung bringen – zum Beispiel mit klareren Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, finanzieller Entlastung."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG blickt in diesem Zusammenhang auf die gestiegene Inflation in den USA:
"Es ist eine Zahl, die Joe Biden ganz und gar nicht gefallen kann: 3,5 Prozent. So stark haben die Verbraucherpreise im März in den USA zugelegt. Es ist ein dermaßen deutlicher Anstieg der Inflation, dass Biden Mühe haben wird, die Kritiker seiner Wirtschaftspolitik zu besänftigen. Der Präsident betont zwar zu Recht, dass die Wirtschaftsleistung wegen seiner Politik gestiegen ist, dem Inflation Reduction Act sei Dank. Doch das hilft nichts, wenn viele Amerikaner das Gefühl haben, dass dieser Aufschwung nicht bei ihnen ankommt – sondern nur die hohen Preise. Der Präsident muss also darauf hoffen, dass es der US-Notenbank gelingt, die Inflation endlich unter Kontrolle zu bringen. Schafft sie das nicht, freut sich vor allem einer: Donald Trump."
Das HANDELSBLATT bemerkt:
"Biden scheint die Trendumkehr im Kampf um Preisstabilität allmählich unheimlich zu werden – und das sollte sie auch. Denn es tritt ein, wovor Ökonomen gewarnt haben: Die überdimensionierten Konjunkturprogramme der Biden-Regierung treiben nicht nur die Wirtschaft an, sondern auch die Inflation in die Höhe. Der Federal Reserve wird deshalb gar nichts anderes übrigbleiben, als die Zinswende bis auf Weiteres abzusagen. Eine Zinssenkung im Juni wäre töricht. Sie würde die Glaubwürdigkeit der Fed im Streben nach Preisstabilität schwer ramponieren."