
Der WESER-KURIER aus Bremen mahnt:
"Man kann man nur hoffen, dass sich die Katherina Reiche die Kurskorrekturen gut überlegt hat und wirtschaftliche Entwicklung nicht abwürgt. Ein ähnliches Kunststück hatte in der Vergangenheit ihr Vorvorgänger Peter Altmaier vollbracht, als er der deutschen Solarbranche den Stecker zog. Die Folge: Heute ist man in diesem Bereich von China abhängig. Eine solche Fehlleistung darf sich nicht wiederholen."
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus moniert:
"Die Kritik ist reflexartig und überzogen. Weder handelt es sich bei den Plänen Reiches – die so weit weg von denen Robert Habecks nicht sind –, um eine Rückkehr ins fossile Zeitalter noch um eine Sabotage der Energiewende. Es geht darum, ihre Kosten stärker in den Blick zu nehmen. Diese stellen nicht nur eine Belastung für Verbraucher dar, sie sind auch eine der Ursachen für die Schrumpfung der Industrie."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG folgert:
"Es war ein Fehler, in einem Industrieland mit schwankender Wind- und Sonnenleistung zum Erreichen der Klimaziele ganz auf Erneuerbare zu setzen. Auch wenn sie jetzt ein wenig günstiger werden sollte - teuer bleibt die Energiewende in jedem Fall."
Die WIRTSCHAFTSWOCHE stellt fest:
"Die doppelte Botschaft hinter dem Bericht ist alarmierend. Wenn die energieintensiven Branchen hier verloren gehen, wird anderswo wahrscheinlich klimaschädlicher weiterproduziert. Und solange Deutschland keine neuen Branchen und Unternehmen in größerem Stil anzieht oder entwickelt, bedeutet diese Deindustrialisierung einen Verlust an Wohlstand."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG meint:
"Nur mit dem Bau vieler Tausend Windräder und Millionen von Solarzellen ist es nicht getan. Es muss das passende Stromsystem aus Netzen, Speichern, Reserven geben. Das fehlt noch. Alle Defizite, die das Gutachten auflistet, wurzeln letztlich in diesem Mangel. Dennoch wird es von interessierter Seite – offenbar auch von der Ministerin selbst – nun vor allem dazu genutzt, das Tempo der Energiewende an sich in Zweifel zu ziehen."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU beobachtet:
"Die Befürchtung, dass Reiche eher auf die Bremse steigen will, ist begründet. Was jetzt gebraucht wird, ist ein entschlossenes Management der realen Herausforderungen – nicht das Schüren von Zweifeln. Der Ausbau der Erneuerbaren, E-Autos und Wärmepumpen-Technik nimmt Fahrt auf, die Industrie stellt sich um. Wer das jetzt relativiert, schwächt den Klimaschutz – und auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts."
