
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt:
"Die Deutsche Bahn backt künftig kleinere Brötchen - die aber richtig. Erwartungsmanagement hat einen entscheidenden Einfluss auf die Kundenzufriedenheit. Das hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder in den wenigen Monaten seiner Amtszeit schon erkannt. Folgerichtig hat der CDU-Politiker die Pünktlichkeitsziele des Staatskonzerns um weitere Jahre gestreckt. In ein ähnliches Horn stößt auch Evelyn Palla, die Schnieder zur neuen Bahnchefin machen will. 'Nichts wird schnell gehen', warnt die Managerin. Für Bahnkunden ist dieser Ansatz niederschmetternd, falsch ist er deshalb jedoch nicht. Die Herausforderung dieses Neuanfangs ist, eine Aufbruchsstimmung zu verbreiten, ohne Luftschlösser zu bauen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG lobt die Berufung von Evelyn Palla zur neuen Bahnchefin, kritisiert aber den Vorschlag, Dirk Rompf als möglichen künftigen Vorstand von DB InfraGo einzusetzen:
"Rompf war von 2014 bis 2019 für 'Netzplanung und Großprojekte' zuständig: Also für jenen Bereich, in dem es zu Kostenexplosionen und Fehlplanungen kam, die die Bahn bis heute lähmen. Dieser Mann kann die Infrastruktur nicht in die Zukunft führen. Hinzu kommt, dass Schnieder es versäumt hat, die Zustimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat für seine Personalien zu sichern. Ein Anfängerfehler. Als Reaktion auf all das hat die Gewerkschaft EVG nun angekündigt, weder Palla noch Rompf zu wählen. Das wäre zwar ein Fehler, weil dieses Manöver auch die designierte Bahn-Chefin beschädigte, die die EVG will. Verschuldet hat die Situation jedoch Schnieder. Er ist seiner Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen. Alle Hoffnungen ruhen nun auf Evelyn Palla. Ihr Auftritt in der Bundespressekonferenz war alles, was Schnieders Auftritt nicht war: souverän, bestimmt, nahbar, mitreißend. Wenn jemand die Bahn in die Zukunft führen kann, dann sie. Auf den Verkehrsminister jedenfalls sollte sie sich dabei nicht verlassen."
Und die WIRTSCHAFTSWOCHE moniert:
"Wer eine Strategiewende erwartete, wurde enttäuscht. Die neue Bahnstrategie des Bundes ist eine verfeinerte Fortführung des bisherigen Ansatzes des geschassten Chefs Richard Lutz. 34 Seiten lang nimmt sich der Bundesverkehrsminister Platz, um das zu unterstreichen, was die Bahn bei der Konzernsanierung auch bisher vorhatte: Die Generalsanierungen und Baustellen werden in ihrer Form fortgesetzt, der integrierte Konzern mit seinem operativen Bahngeschäft Fern, Regio und Cargo, und der Steuerungseinheit für die Infrastruktur InfraGo bleiben erhalten, die Finanzierungstöpfe und das teils übervolle Streckennetz ohne Einschnitte auch. Von einem 'Neuanfang' bei der Deutschen Bahn zu sprechen, ist also zu hoch gegriffen."
