
"Da die Koalitionspartner immer noch nicht wissen, wie sie ihre unterschiedlichen Überzeugungen auf zentralen politischen Feldern unter einen Hut bringen sollen, ist der Herbst der Reformen vertagt worden. Allen drei Parteien ist zudem bewusst, dass die Deutschen nur dann fröhlich Reformen fordern, wenn diese nicht ihre Besitzstände schmälern, ob durch Kürzungen bei der Alimentation oder durch höhere Steuern. 'Radikalreformer' wurden hierzulande stets in Wahlen bestraft, selbst wenn sie diesen Titel nicht wirklich verdient hatten. Doch nur mit Trippelschritten, da hat Finanzminister Klingbeil recht, entkommt Deutschland der Abwärtsspirale nicht, in die es nicht nur, aber auch durch eigene Schuld geraten ist. Für den Wiederaufstieg sind beherzte Sprünge nötig – und der Abwurf von Ballast."
Das HANDELSBLATT sieht in Deutschlands Abhängigkeit von den USA ein Hemmnis für einen Aufschwung:
"Wir können in Deutschland und Europa die heimische Rüstung stärken. Wir können auch versuchen, technologisch den Anschluss zu finden, was allerdings schon sehr schwierig geworden ist. Aber alles wird nichts nützen, wenn unsere Wirtschaft strukturell zu stark von den USA abhängig bleibt. Gibt es eine Patentlösung, sich aus dieser Struktur zu befreien? Nein. Die Lösung von einer dogmatischen Sparpolitik in Deutschland war sicher ein guter Schritt. Allein mit höheren Schulden lässt sich das Problem aber nicht lösen. Wichtig wäre, innerhalb Europas und im Zusammenhang mit weiteren Wirtschaftsregionen zu einer neuen Balance von Angebot und Nachfrage zu kommen, die weniger von den USA abhängt. Eine einfache Lösung dafür gibt es nicht. Aber der Anfang jeder Lösung ist, das Problem richtig zu benennen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG geht auf die Berufung des früheren Vorstandschefs der Commerzbank, Blessing, als persönlicher Berater des Kanzlers ein:
"Der neue Investmentchef von Merz bringt zwar Kontakte und Finanzexpertise mit – er hat vor allem aber Erfahrung darin, unzufriedene Aktionäre zu besänftigen. Kaum wurde er 2008 Vorstandschef der Commerzbank, schluckte er inmitten der Finanzkrise die Dresdner Bank für fünf Milliarden Euro. Der Deal endete als Debakel: Die Commerzbank musste mit mehr als zehn Milliarden Euro Steuergeld gerettet werden, wovon sich der Aktienkurs der zweitgrößten deutschen Privatbank lange nicht erholte. Auf den Hauptversammlungen wurde Blessing als 'Staatsbanker' und 'Kapitalvernichter' beschimpft. In seiner Amtszeit verlor die Aktiemehr als 90 Prozent an Wert."
