
"Die aktuellen Daten sehen in der Tat übel für den Kreml aus. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport sind schon 2025 stark geschrumpft, im Januar und Februar dürften sie sich noch einmal halbieren. Schuld sind die Sanktionen, die trotz aller Skepsis wirken und dazu führen, dass Russland sein Öl nur unter Zusatzkosten und mit Preisabschlägen verkaufen kann. Sollte das so bleiben, könnte das Defizit dieses Jahr rund dreimal so groß werden wie die geplanten 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Um ein so großes Loch zu stopfen, müssten bis zu drei Viertel der noch abrufbaren Finanzreserven des Landes im Nationalen Wohlfahrtsfonds verbraucht werden. Auf den Aufbau dieses Notpolsters war Putin jahrelang stolz, nun schmilzt es für den Krieg dahin. An Geld fehlt es inzwischen überall: Viele Regionen, die hohe Zahlungen an Vertragssoldaten schultern müssen, sind verschuldet. Der Staat versucht, durch höhere Steuern und Abgaben den Bürgern mehr Geld abzunehmen. Doch die fangen schon an, am Nötigsten zu sparen. Das dürfte dem Wirtschaftswachstum schaden."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG begrüßt die Entscheidung des Europäischen Parlaments, das die Umsetzung des Handelsabkommens mit den USA vorerst gestoppt hat.
"Es wird immer klarer, dass dieses Abkommen so nicht mehr kommen kann. Die Vereinbarung in der jetzigen Form ist in Wirklichkeit obsolet. Das Abkommen muss neu verhandelt werden, auch wenn das sehr mühsam werden dürfte und Risiken birgt. Europa muss im Zollstreit mit den USA hart bleiben, angesichts eines zunehmend erratischen und aggressiv agierenden US-Präsidenten. Denn es geht um viel."
Das HANDELSBLATT kommentiert Pannen mit Künstlicher Intelligenz bei den großen Tech-Konzernen:
"AWS ist kein Einzelfall. Beim Konkurrenten Microsoft passierte der Fehler nicht im Maschinenraum, sondern direkt im Produkt: Der Copilot griff über Wochen auf E-Mails zu, die als vertraulich gekennzeichnet waren – der digitale Assistent verarbeitete Entwürfe und gesendete Nachrichten, auf die er keinen Zugriff haben sollte. Bei einem Chatbot von Meta wiederum entdeckte ein Sicherheitsforscher 2025 eine Sicherheitslücke. Ein Angreifer hätte theoretisch massenhaft private Unterhaltungen von Nutzern einsehen können. Alle drei Konzerne reagierten mit Varianten derselben Antwort: Es handele sich um einen Einzelfall, man habe ihn behoben, es gebe keine Hinweise auf Schäden. Das mag stimmen. Doch es ändert nichts am strukturellen Problem. Denn diese Fehler sind das Ergebnis eines Wettbewerbs, der die falschen Anreize setzt."