04. März 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die LAUSITZER RUNDSCHAU kommentiert den Kursverfall an den Aktienbörsen infolge des Irankriegs:

Öl- und Frachtschiffe im Persischen Golf
Öl- und Frachtschiffe im Persischen Golf (Archivbild) (picture alliance / dpa / Farshid-M. Bina)
"Ein Crash sieht anders aus. Bislang ist die deutsche Börse glimpflich davongekommen. Alles hängt von der Länge und Schwere des Konfliktes ab. Historisch fallen Aktienkurse bei geopolitischen Schocks. Sie stabilisieren sich aber oft innerhalb von Wochen, sofern kein Energie- oder Wachstumsschock eintritt."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG macht sich Gedanken über die konjunkturellen Konsequenzen. Derzeit bestehe für Panik noch kein Anlass, heißt es:
"Vieles hängt nun davon ab, wie lange der Krieg dauern wird und wie stark vor allem die Golfstaaten betroffen sein werden. Viele Fragen sind ungeklärt: Wird es zu einem nachhaltigen Anstieg der Rohstoffpreise kommen, oder wird der Anstieg nur vorübergehend sein? Sind Lieferketten wirklich ernsthaft bedroht oder gibt es Lösungen? Wird es durch anhaltend hohe Rohstoffpreise zu einem erneuten Inflationsschub kommen?"
Und das HANDELSBLATT konstatiert:
"Der Verkehr in der Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel der Ölprodukte seewärts verschifft wird, ist wegen des Kriegs im Iran zum Erliegen gekommen. Und auch erste Raffinerien, darunter die größte Saudi-Arabiens, mussten ihren Betrieb einstellen. Für steigende Spritpreise gibt es also objektiv gute Gründe. Mit einer Maßnahme könnte die deutsche Regierung Verbraucher entlasten, sollte sich die Lage im Nahen Osten länger hinziehen: der Senkung der Mehrwertsteuer."
Der MÜNCHNER MERKUR schreibt:
"Deutschland hatte noch Glück im Unglück. Die neue Gaskrise trifft Europa erst am Ende der Heizsaison. Noch besser wäre es gewesen, wenn die Bundesregierung gar nicht erst zugelassen hätte, dass die Gasspeicher sich so stark leeren, wie es zuletzt der Fall war. Jetzt soll eine von Wirtschaftsministerin Reiche eingesetzte 'Taskforce' sicherstellen, dass die Energieversorgung gewährleistet bleibt. Eine große Chance hat Berlin schon vor vier Jahren liegen lassen: Kurz entbrannte hierzulande nach Ausbruch des Ukrainekriegs eine Debatte über die Förderung heimischen Erdgases. Doch die ideologischen Vorbehalte erwiesen sich dann doch als zu stark."
Eine anderen Standpunkt vertritt die TAZ:
Die USA führen gerade den zweiten Kriegsschlag ums Öl in diesem Jahr – und die Bundesregierung verstärkt trotzdem weiter unsere Abhängigkeit von fossilen Energien. Bereits die Gaskrise nach dem Überfall auf die Ukraine zeigte, wie verwundbar Europa ist. Nun bestätigen die Preisschocks erneut,dass die Energiewende vergleichsweise günstig ist. Dennoch wickelt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche die Erneuerbaren ab, um sich bei ihren einstigen Arbeitgebern in der fossilen Industrie anzubiedern."