05. März 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Kommentiert werden die EU-Pläne zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Mitgliedstaaten sollen öffentliche Gelder vermehrt für Beschaffungen innerhalb der EU verwenden.

Europafahnen leuchten im Sonnenlicht, davor steht auf einem Schild "Made in Europe"
Die EU-Kommission will Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken. (picture alliance/Wolfgang Maria Weber)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG analysiert:
"Der Gesetzentwurf folgt dem Zeitgeist. China, die USA und selbst die Kanadier bevorzugten auf diese Weise ihre heimischen Anbieter, betont EU-Industriekommissar Séjourné. Dennoch schadet der Vorstoß Europa gleich aus mehreren Gründen. So sendet er das Signal aus, auch die EU habe sich vom freien Handel verabschiedet. Dabei sind die Europäer dringend auf der Suche nach neuen Partnern, um nicht zwischen China und den Vereinigten Staaten zerrieben zu werden."
Die TAGESZEITUNGTAZ – kritisiert, das neue Gesetz sei voller Vorbehalte und Ausnahmen:
"Gefördert werden der Bausektor, die Elektroautos und grüne 'Netto-Null'-Technologien, nicht aber Halbleiter und KI. Großbritannien, Kanada und Japan dürfen mit großzügigen Ausnahmen rechnen, die USA womöglich auch. Séjourné hat offenbar Druck aus Washington bekommen, aber auch aus Berlin. Bundeskanzler Merz stand von vornherein auf der Bremse. Für ihn sind offene Exportmärkte und 'Made in Germany' wichtiger als 'Made in Europe'."
Die NÜRNBERGER ZEITUNG findet es richtig, den Vorschlag abzuschwächen:
"So verfügt die Gemeinschaft in den meisten Sektoren weder über die industrielle Basis noch über die notwendigen Lieferketten, um allein zurechtzukommen. Es führt darüber hinaus zu fehlender Innovation, wenn die eigene Wirtschaft geschützt wird ohne ausreichenden Wettbewerb. Aber: Anders als die USA oder China muss Europa die Interessen von 27 Volkswirtschaften ausbalancieren und berücksichtigen, dass wir jahrzehntelang vom Freihandel profitiert haben."
Zuletzt eine Stimme zu den wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges. Das HANDELSBLATT aus Düsseldorf unterstreicht:
"Die Marktreaktionen auf den Krieg sind heftig. Die Hauptsorge der Investoren ist, dass es wie nach dem Beginn des Ukrainekriegs zu einem weltweiten Energiepreisschock kommt, der einen neuen Inflationsschub auslösen könnte. Als Ölexporteur mit einer strategischen Reserve von mehr als 420 Millionen Fass glaubt Trump, dass die US-Wirtschaft einen globalen Energiepreisschock kaum spüren wird. Der Schein trügt jedoch. Die Benzinpreise an den Zapfsäulen in den USA sind in den vergangenen Tagen bereits um mehr als fünf Prozent gestiegen. Das ist zwar weitaus weniger stark als in Europa, aber immer noch stark genug, um die Kriegsbegeisterung der unter hohen Lebenshaltungskosten leidenden Trump-Wähler zu mindern und die Pläne der US-Notenbanker für schnelle Leitzinssenkungen zu durchkreuzen."