09. März 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Im Wahlkampf zur Landtagswahl in Baden-Württemberg war die Schwäche der Autoindustrie ein großes Thema.

Ladestationen für Elektroautos stehen an der Autobahn-Raststätte "Dresdner Tor".
Raststätte mit E-Ladestation (picture alliance/dpa/Robert Michael)
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert mit Blick auf Wahlsieger Cem Özdemir:
"Schon der scheidende grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat versucht, die Basis des Wohlstands zu verbreitern und die Abhängigkeit des Landes von der Autoindustrie zu verringern. Sein Nachfolger wird diesen Ansatz noch intensivieren müssen. Bei der Ansiedlung neuer Unternehmer oder der Förderung der Gründerszene etwa hat das Land nicht nur Luft nach oben, sondern kann auch aktiv etwas bewegen. Die Zukunft der Autoindustrie dagegen hängt weniger an der Politik in Stuttgart als an Faktoren von außerhalb, den Entscheidungen in Brüssel etwa, Trumps erratischer Zollpolitik oder der aggressiven Konkurrenz aus China. Der von praktisch allen Parteien angestimmte Wahlkampfschlager, Baden-Württemberg müsse Autoland bleiben, ist daher mehr ein Wunsch als ein Versprechen, das eine neue Landesregierung auch nur ansatzweise einlösen könnte."
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG geht es um den nun gerichtlich geklärten Streit um Schnellladesäulen für E-Autos an deutschen Autobahnen:
"Die Aussichten für schnelles Laden von E-Autos direkt an der Autobahn haben sich schlagartig verbessert. Für die Standorte neben den Raststätten muss es eine Ausschreibung und Wettbewerb geben. Die bisherigen Pläne zielten darauf, dem monopolähnlichen Raststättenkonzessionär Tank & Rast die Hoheit über das Laden an der Autobahn einzuräumen. Natürlich wollte Tank & Rast mit Ladesäulen kassieren. Umso besser, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf all diese Pläne abgeräumt hat. Wichtig ist, wie nun die Ausschreibung für die Ladesäulen gestaltet wird: Dieses Mal sollte es nicht auf den Erlös aus der Vergabe von Standorten ankommen, sondern vor allem auf attraktive Preise für das Laden der E-Autos."
Das STRAUBINGER TAGBLATT sieht Reformbedarf beim Ehegattensplitting:
"Das Splitting ließe sich deckeln, damit sehr hohe Einkommen weniger profitieren, während Facharbeiter-Ehen mit Ehefrau in Teilzeit weiterhin spürbar entlastet bleiben. Ein stärker kinderorientiertes Familiensplitting und eigenständige, begrenzt übertragbare Freibeträge könnten Anreize verbessern, ohne die Haushalte in die Falle hoher Grenzsteuersätze zu treiben. Entscheidend wäre, das Steuersystem mit dem zu verbinden, was die Modelle gern ausklammern: verlässliche Ganztagsbetreuung oder Löhne, bei denen sich zusätzliche Stunden wirklich lohnen."