
Das HANDELSBLATT findet, dass die Verhandlungsposition Teherans komfortabel sei:
"Die theokratischen Führer haben einen Hebel für sich entdeckt, der möglicherweise wirkmächtiger ist als jede Atombombe: die Macht über die Straße von Hormus. Die Mullahs haben gelernt, dass sie mit einer Blockade der Meerenge einen Angebotsschock auf den Weltenergiemärkten auslösen können. Trump hat das Regime in eine Verhandlungsposition hineingebombt, von der es vor wenigen Wochen nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Ein weltwirtschaftlich völlig unbedeutender Staat hat ein geoökonomisches Machtmittel in der Hand, mit dem er im US-Wahlkampf zu den Zwischenwahlen im November eine wichtige Rolle spielen kann. Denn die von Trump beschworene Energie-Autarkie bringt den USA wenig, solange der Iran die Preise auf den Weltenergiemärkten mehr oder weniger diktieren kann. Und auf nichts reagiert der amerikanische Wähler so sensibel wie auf steigende Inflationsraten."
Die TAGESZEITUNG – TAZ – erinnert:
"Noch in der vergangenen Woche hatte Trump verkündet, eine Zivilisation auslöschen zu wollen, sollte die Straße von Hormus nicht geöffnet werden. Ein paar Tage und 21 Stunden gescheiterter Verhandlungen später kündigt er an, die US-Marine selbst werde nunmehr verhindern, dass irgendwelche Schiffe den strategisch wichtigen Seeweg passieren könnten – insbesondere solche nicht, die Iran für die Durchfahrt eine Gebühr gezahlt hätten. Das ist Hilf- und Kopflosigkeit auf einem wirklich ungekannten Niveau."
Der WESER-KURIER aus Bremen geht auf den Streit in der Koalition über Entlastungen angesichts hoher Energiekosten ein:
"Wirtschaftsministerin Reiche hat immer noch nicht begriffen, dass erfolgreiche Wirtschaftspolitik nicht darin besteht, einseitig die Gewinninteressen von multinational agierenden Konzernen zu bedienen. Notwendig im Sinne der sozialen Marktwirtschaft ist ein Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen Konsumenten und Produzenten. Der sollte allerdings möglichst geräuschlos herbeigeführt werden. Mit dieser Aufgabe scheint die Ministerin überfordert zu sein und sie ist daher eine klassische Fehlbesetzung. Sollte Reiche nicht schleunigst in die Spur kommen, ist eine Entlassung nicht zu vermeiden."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER unterstreicht:
"Bundeskanzler Merz und seine Regierung tragen keine Schuld an einem irrlichternden US-Präsidenten, der die Welt mal hier, mal da anzündet. Es ist also zu kurz gesprungen, die schwierige Lage alleine der Bundesregierung anzulasten. Aber die muss endlich agieren, um Probleme zumindest abzufedern. Sie darf dabei nicht auf Wunder warten. In einer verfahrenen Lage kommt man vorwärts mit Vernunft und Pragmatismus."
