"Der Markt unterschätzt die durch den Iran-Krieg ausgelösten Inflationsprozesse. Trotz des Kriegs im Nahen Osten zeigen sich die Finanzmärkte bislang erstaunlich widerstandsfähig. Die Schocks wurden verarbeitet, ohne dass es bislang zu einer akuten Liquiditätskrise oder zu systemischem Stress gekommen ist. Aktien gaben moderat nach, Renditen stiegen – insgesamt bleibt das Marktgeschehen aber geordnet. Auf den ersten Blick wirkt die Stabilität intakt. Gerade diese Gelassenheit birgt jedoch Risiken. Wie schon in früheren Phasen finanzieller Spannungen droht die Gefahr, dass die scheinbare Ruhe als Zeichen struktureller Robustheit missverstanden wird. Im Falle einer neuerlichen Krise ist diesmal von der Fiskal- und der Geldpolitik keine große Hilfe zu erwarten: Hohe Schulden blockieren die eine, hohe Teuerung die andere."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG notiert:
"Der Dax schwankt derzeit stark, und dahinter steht weniger 'Nervosität' als ein Mangel an belastbarer Orientierung. Anleger sehen eine Gemengelage aus widersprüchlichen Signalen: Konjunkturdaten, die je nach Blickwinkel Hoffnung oder Abschwung bedeuten, dazu Zins- und Inflationsfragen, die nicht sauber in ein Basisszenario passen. In so einer Lage wird aus längerfristiger Einschätzung schnell taktisches Reagieren".
Das HANDELSBLATT befasst sich mit der von der Regierungskoalition angekündigten Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro:
"Um das klar zu sagen: Viele Unternehmen erzielen weiterhin Gewinne. Die Margen mögen zwar schrumpfen, doch längst nicht alle stehen kurz vor der Insolvenz. Und selbstverständlich sind Unternehmen Teil des Solidarsystems und sollen ihren Beitrag leisten. Gleichzeitig sind die Spielräume in einer Phase, in der Margen häufig eher durch Kostensenkungen als durch echtes Wachstum entstehen, deutlich begrenzter. Schon jetzt wird vielerorts zu wenig in Innovationsforschung investiert. Und wenn es enger wird, setzt die Politik genau dort noch zusätzliche Belastungen an. Diese Bürde den Unternehmen aufzuerlegen, wirkt aus dieser Perspektive geradezu frech. Die Entlastungsprämie erscheint dabei weniger als echte Entlastung für die Beschäftigten, sondern eher als Auslagerung staatlicher Verantwortung auf die Unternehmen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert die Streiks bei der Lufthansa:
"Bei alle dem vergessen die Mitarbeiter, in welcher Lage sich die Luftfahrt befindet. Der Treibstoff, der bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten ausmacht, ist gerade wegen des Iran-Krieges doppelt so teuer geworden, die Folgen der Energiekrise auf die Weltwirtschaft, und damit die Luftfahrt, werden wahrscheinlich dramatisch. In dieser Lage ernsthaft zu streiken, zeugt von beispielloser Ignoranz oder Rücksichtslosigkeit. Oder von beidem."
