
"Es wäre unfair, sich bei Apple-Chef Tim Cook vor allem auf dessen jüngste Probleme zu konzentrieren. Immerhin hat der 65-Jährige den iPhone-Konzern auf einen nie dagewesenen Erfolgskurs geführt. Und doch bleiben etliche offene Baustellen, wenn Cook zum 1. September seinen Posten an John Ternus abgeben wird. Zuletzt wirkte Apple erstaunlich orientierungslos. Produkteinführungen floppten. Innovationen lieferten andere – und manche Entscheidungen wurden zu einem derartigen PR-Desaster, dass bis heute noch keine endgültige Lösung in Sicht ist. Die klobige und teure Computerbrille Vision Pro ist ein interessantes Stück Technik, aber kaum jemand will sie kaufen. Cooks schwierigstes Erbe ist jedoch das Verschlafen des Hypes um die Künstliche Intelligenz. Mittlerweile muss Apple mit seinem ärgsten Rivalen Google zusammenarbeiten, um die Rückschritte noch irgendwie aufholen zu können. All diese Baustellen muss John Ternus nun abarbeiten. Das dürfte nicht leicht werden."
Und die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG ergänzt:
"John Ternus muss Apple fit machen für eine Zukunft, in der Europa strengere Regeln durchsetzt und die Konkurrenz aus Asien immer selbstbewusster auftritt. Es liegt an ihm, ob der immens große Tech-Konzern aus Cupertino bereit sein wird, Macht mit mehr Offenheit und Fairness zu verbinden – oder ob er seine Kundschaft weiter vor allem als möglichst perfekt planbare Einnahmequelle behandelt."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG blickt auf den globalen Wettlauf um Seltene Erden:
"Washington hat im Kampf mit China um strategische Rohstoffe einen Coup gelandet. Noch während der brasilianische Präsident Lula auf der Hannover Messe mit Bundeskanzler Merz über intensivere Kooperationen zur Sicherung wichtiger Industriemetalle und anderer Rohstoffe spricht, greift das Unternehmen USA Rare Earth für fast drei Milliarden Dollar zu und übernimmt mit Serra Verde den größten Hoffnungsträger Südamerikas. Welch ein Signal! Deutschland und Europa haben vorerst das Nachsehen. Denn auch hierzulande gab es Überlegungen, sich zumindest einen Teil an Serra Verde und damit die Grundlage für die heimische Industrie zu sichern. Schnell und entschlossen mit den nötigen Ressourcen kritische Ressourcen sichern: So sieht Rohstoffpolitik in der geoökonomischen Realität des 21. Jahrhunderts aus. Die Sicherung der Basis für die schwer unter Druck stehende heimische Industrie in Deutschland und Europa ist nun noch komplizierter geworden."
