
"Der Mann in Washington war mal wieder beleidigt",
kommentiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Weil Bundeskanzler Merz Trumps Planlosigkeit im Iran-Krieg kritisiert hatte. Jetzt will Trump nicht nur Soldaten aus Deutschland abziehen, sondern auch die Einfuhrzölle für europäische Autos in die USA auf 25 Prozent erhöhen. Die EU habe sich nicht an den Deal gehalten, begründete der US-Präsident seinen Schritt. Das Ganze dürfte aber ein persönlicher Rachefeldzug gegen Friedrich Merz sein. Oliver Blume von VW und Ola Källenius von Mercedes reisen dieser Tage oft in die USA, um bessere Zolldeals für ihre Konzerne auszuhandeln. Nun zeigt sich mal wieder, dass all die Lobbyarbeit der Firmenchefs vergebens ist."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG fährt fort:
"Die Drohung des amerikanischen Präsidenten, die Einfuhrzölle auf Autos zu erhöhen, ist eine willkommene Erinnerung, dass die außenwirtschaftlichen Risiken sich nicht nur auf Öl, Gas, Dünger oder Helium aus den Golfstaaten konzentrieren. Fast unberechenbarer als Trumps Militäreinsätze ist sein Hin und Her in der Handelspolitik. Seine scharfen Drohungen sind nur dann wörtlich zu nehmen, wenn sie administrativ untermauert sind. Das gilt für die neue Zolldrohung Stand Sonntag noch nicht. Die Europäische Union ist gut beraten, erst einmal abzuwarten, bevor sie ihrerseits handelspolitische Waffen zückt. Zumal Trump in einer Hinsicht ein wenig recht hat. Niemand wird behaupten wollen, dass die EU das im vergangenen Sommer beschlossene Handelsabkommen zügig in Recht und Gesetz überführt."
Themenwechsel. Der Kolumnist im SPIEGEL sieht wegen steigender Schulden derzeit keinen Spielraum für Steuersenkungen in Deutschland. Das zeige auch ein Blick auf die Verteidigungsausgaben.
"Der Befund ist ganz klar: Durch Einsparungen an anderer Stelle wird sich die notwendige Aufrüstung nicht finanzieren lassen. Ebenso wenig ist es eine realistische Option, durch Steuersenkungen so viel wirtschaftliche Dynamik zu entfachen, dass wir aus den Schulden wieder herauswachsen. Diese Art von 'Voodoo Economics' hat schon der damalige US-Präsident Ronald Reagan in den Achtzigern probiert – erfolglos. Um die höheren Staatsschulden unter den gegebenen Bedingungen tragen zu können, braucht es auf lange Sicht sprudelnde Steuern und Sozialabgaben. Wir sollten uns deshalb auf eine insgesamt steigende Steuer- und Abgabenlast einstellen."
