07. Mai 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Deutschlandfunk - die Wirtschaftspresseschau

Auszubildende lernen im Elektrobereich vom Berufsbildungszentrum des Stahlproduzenten ArcelorMittal. Sie tragen orangfarbene Jacken und sitzen an einer Werkbank mit Lötkolben.
Handwerk wird bei der Berufswahl oft unterschätzt (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Ein Thema in den Kommentaren ist der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG nennt das Dokument ein Zeugnis des Scheiterns:
"2,76 Millionen junge Menschen bis 34 Jahre haben keinen Berufsabschluss. 60 Prozent davon sind Einwanderer, die entweder ohne Ausbildung gekommen sind oder deren Abschlüsse nicht anerkannt werden. Aber auch unter Deutschstämmigen ist die Quote der Schulabbrecher seit Jahren konstant hoch. Die Wege der Bildungsverlierer sind vorgezeichnet. Sie führen aus Förder- und Orientierungsmaßnahmen in Arbeitslosigkeit oder Helferjobs ohne Entwicklungsperspektive. Gebraucht werden aber mehr denn je Fachkräfte. Für die Wachstumsperspektiven der Volkswirtschaft und die Zukunft der Sozialkassen ist das eine riesige Bürde. Die Regierung listet in ihrem Bericht sage und schreibe 120 'berufsbildungspolitische Aktivitäten und Programme' auf, mit denen möglichst viele Menschen in Ausbildung gebracht werden sollen. Weniger wäre mehr: Ein höheres Mindestalter für den Mindestlohn machte Helferjobs unattraktiver und erhöhte den Druck zur Ausbildung."
Die FREIE PRESSE aus Chemnitz meint:
"Dass so viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, hat selbstverständlich auch damit zu tun, dass insbesondere für die Parteien links der Mitte ein Akademiker mehr zu zählen scheint als ein Meister. So richtig es war, über Jahrzehnte die akademische Bildung auszubauen und zu fördern, wäre es heute umso wichtiger, die Zahl der Akademiker einzudämmen. Wenn von 'Aufstieg durch Bildung' die Rede ist, ist die Berufsausbildung in der Regel nicht mitgemeint. Während etwa für das Studium keine Gebühren erhoben werden, kostet die Ausbildung zum Meister schnell mal 5.000 Euro und mehr. Durch den Druck zum Studium landen an den Unis auch Menschen, die dort eigentlich nichts verloren haben, die überfordert sind von den Ansprüchen. Ihnen wäre mit einer soliden Berufsausbildung geholfen."
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG geht auf einen anderen Aspekt am Arbeitsmarkt ein:
"Trotz Fachkräftemangels gibt es rund fünf Millionen Menschen in Deutschland, die nicht arbeiten, obwohl sie es wollen. Die meisten in der Stillen Reserve sind Frauen und haben mindestens Abitur oder eine Ausbildung. Sie zu aktivieren würde nicht nur Milliarden Euro an Steuern und Sozialbeiträgen generieren, sondern auch den drohenden Boomerknick auf dem Arbeitsmarkt wenigstens ein bisschen abflachen. Warum wird dieses Potenzial nicht genutzt, während sich die Debatte häufig nur um arbeitsunwillige Bürgergeldempfänger dreht? Einer der häufigsten Gründe bei Frauen: sogenannte Betreuungspflichten, also Pflege oder Erziehung. Es liegt also nicht an der Motivation, sondern an den Kapazitäten. Gerade bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat Deutschland Nachholbedarf."