12. Mai 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Vor dem Hintergrund der kriselnden deutschen Autoindustrie gibt es Überlegungen, chinesische Autobauer ihre Fahrzeuge in nicht ausgelasteten Volkswagen-Werken in Niedersachsen und Sachsen produzieren zu lassen. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG hält fest:

Wolfsburg: Das VW-Logo steht auf dem Markenhochhaus im Volkswagen Stammwerk.
Produzieren chinesische Konzerne bald ihre Autos in deutschen VW-Werken? Das ist eins der Themen in den Wirtschaftskommentaren. (Julian Stratenschulte / dpa / Julian Stratenschulte)
"Klar ist: Ein Auto hier zu entwickeln und zu bauen, ist teurer als in China – und zu teuer, um von hier aus die Weltmärkte zu beliefern. Was in Europa gebaut wird, muss also auch in Europa verkauft werden – und das werden allein durch Kooperationen nicht mehr. Es wird sich deshalb zeigen, was den Europäern ihre traditionsreichen Marken wert sind."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hält das Angebot an chinesische Konzerne für keine gute Idee:
"Auch unter Berücksichtigung der EU-Zölle sind Autos aus China derzeit im Verkauf billiger als europäische Produkte, und trotzdem bleibt der ganz große Erfolg noch aus. Und das liegt nicht daran, dass die Autobauer aus der Volksrepublik hier keine Werke haben, sondern dass es Probleme beim Vertrieb und beim Image gibt. Konzerne wie Volkswagen dürfen es sich nicht leisten, der Konkurrenz wichtige Standorte in ihrem Heimatmarkt quasi auf einem Silbertablett anzubieten. Es wäre nicht nur ein Gesichtsverlust, erst in China die führende Position an die Konkurrenz zu verlieren – und dann in Europa den Massenmarkt aufzugeben."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU befasst sich mit dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes, auf dem die DGB-Vorsitzende Fahimi Widerstand gegen den möglichen Abbau von Arbeitnehmerrechten angekündigt hat.
"Deutschland steckt in einer Wirtschaftskrise. Viele der vermeintlichen Lösungen, die Bundeskanzler Merz und seiner Union dazu einfallen, gehen auf Kosten der Beschäftigten. Die Gewerkschaften müssen die Interessen der Beschäftigten vehement vertreten. Zugleich stehen sie selbst unter Druck. Die Umbrüche im Arbeitsmarkt, der Rückgang der Tarifbindung, die gezielte Schwächung von Betriebsräten durch Arbeitgeber, all dies setzt ihnen massiv zu. Doch starke Gewerkschaften werden gebraucht wie selten zuvor. Nur wenn sie mitreden, bleibt der gesellschaftliche Frieden erhalten."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht die DGB-Forderungen eher kritisch:
"Die Bundesregierung aus Union und SPD muss vor allem mit strukturellen Schwächen des Standorts Deutschland umgehen. Fahimi sagt schon über die zaghaften Vorschläge zu Sozialreformen und Flexibilisierung der Arbeitszeit, man solle davon die Finger lassen, 'sonst müssen und werden wir gemeinsam dafür sorgen, dass der Protest dagegen auf die Straße kommt'. Für den Industriestandort und damit für die dort Beschäftigten, zu deren Wohl der DGB eigentlich da sein sollte, verheißt das wenig Gutes."