
"Nichts bewegt die Märkte so wie die Entscheidungen der Fed. Und selten hatte man so wenig klare Vorstellungen davon, wie diese in Zukunft aussehen könnten. Denn möglicherweise gibt es zwei Kevin Warshs: einen vor und einen nach der Nominierung. Als Präsident Trump den 56-Jährigen vorschlug, machte sich zunächst Erleichterung breit, denn Warsh gilt mit seiner Notenbankerfahrung als das Schwergewicht unter den Kandidaten. Und es herrschte leises Erstaunen, denn seine früheren Positionen passen nicht zu denen des Präsidenten: Warsh war bisher ein Verfechter straffer Geldpolitik, also höherer Zinsen. Setzt er das um, ist der Krach mit dem Präsidenten gewiss."
Für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ist die Personalie ein Grund, sich Sorgen zu machen:
"Trump hat ihn nominiert, weil er glaubt, ihn besser steuern zu können als seinen Vorgänger. Der US-Präsident hat verdeutlicht, dass er die Unabhängigkeit der Federal Reserve von ihm und seinen Vorstellungen nicht für wünschenswert hält. Die beunruhigende Möglichkeit ist da, dass Warsh dem Präsidenten den Eindruck vermittelt hat, er leiste die gewünschte Folgsamkeit. Warsh hatte lange einen Ruf als Falke, Trump dagegen wünschte stets niedrige Leitzinsen. Das passt nicht."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE ZEITUNG blickt auf die Diskussion über den Plan, in Deutschland den Acht-Stunden-Tag durch eine Wochenarbeitszeit zu ersetzen.
"Gewerkschaften und Arbeitgeber, SPD und Union sollten jetzt die großen Verbalkeulen schleunigst wegpacken und bis zum Sommer Lösungen finden, mit denen alle leben können. Und zwar wirklich im Sinne der tragfähigen Sozialpartnerschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder für gesellschaftlichen Ausgleich gesorgt und dennoch die Wirtschaft handlungsfähig erhalten hat. Die heilige Kuh Achtstundentag, sie muss nicht brutal geschlachtet werden. Wenn es die Regierung aber nicht schafft, sie wenigstens von der Reformkreuzung zu führen, ist sie gescheitert."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fordert zwischen den Beteiligten einen "Neuanfang":
"Die Arbeitnehmerprämie gegen Inflation, die die Merz-Regierung Arbeitgebern und Gewerkschaften ohne Absprache verordnete, ist gescheitert. Die anstehenden Reformen von Gesundheit und Rente sind ebenso unverzichtbar wie heikel. Sie sind im Interesse aller Bundesbürger, weil sich der demografische Wandel nicht in Luft auflösen wird, und müssen doch allen etwas abverlangen, wenn sie gerecht sein sollen. Je mehr Zustimmung die Regierung hinter sich versammeln kann, desto eher werden die Reformen gelingen."
