
Chinas Wirtschaft hat im April an Schwung verloren. Sowohl Industrieproduktion als auch Einzelhandelsumsätze blieben hinter den Erwartungen zurück. Sind die April-Werte nur ein Ausreißer?, fragt die BÖRSEN-ZEITUNG:
"Vielleicht ja, aber einer der auch im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg steht. Er bremst den Elan in Industriebereichen wie Ölverarbeitung, Chemie oder Stahl und strahlt wegen des Kostendrucks breiter auf die Investitionsbereitschaft im verarbeitenden Gewerbe aus. Auf der Konsumseite wirken Energiepreiserhöhungen als Verstärker der bereits manifesten Zurückhaltung der Verbraucher. Sie meiden vor allem größere Haushaltsanschaffungen. Dank Konjunkturbelebung im ersten Quartal scheint Chinas Wachstumsziel noch nicht in Gefahr. Nur wirkt der Puffer nicht mehr komfortabel."
Das HANDELSBLATT kommentiert Überlegungen bei Volkswagen, chinesisch entwickelte Elektroautos oder Plattformen in einem deutschen Werk zu bauen:
"Das ist nicht nur eine Standortfrage. Es ist ein industriepolitisches Alarmsignal – das die Politik ernst nehmen muss. Hier zeigt sich, was der gesamten deutschen Industrie drohen könnte: Aus dem Land der Ingenieure und Tüftler würde ein Fertigungsstandort für Ideen anderer. Befürworter solcher Kooperationen verweisen auf mögliche Vorteile. Wertschöpfung könne in Deutschland bleiben. Werke müssten nicht schließen, Jobs blieben erhalten. Auch ein Technologietransfer sei möglich: Deutsche Ingenieure und Fachkräfte bekämen Einblick in chinesische E-Auto-Plattformen und Batteriekonzepte. Das klingt sinnvoll, pauschal ablehnen würde es kaum jemand. Doch genau hier beginnt das Problem. Wertschöpfung muss nachhaltig sein. Entscheidend ist nicht, ob in Deutschland noch geschraubt wird. Entscheidend ist, wer die profitablen Teile der industriellen Wertschöpfung kontrolliert."
Laut dem jüngsten Gutachten des unabhängigen Expertenrats für Klimafragen wird die Bundesregierung ihre Ziele bei der Senkung der Treibhausgasemissionen verfehlen. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG zeigt sich offen für den Vorschlag, das Ziel der Klimaneutralität von 2045 auf 2050 zu verschieben. Weiter heißt es:
"Die Debatte muss sich auch um klimaschonende Techniken drehen. Es ist nicht damit getan, immer mehr Solar- und Windkraft, Wärmepumpen oder Ladesäulen zu installieren. Längst ist klar, dass es nicht damit getan ist, alles auf Elektrifizierung zu setzen, es braucht auch (grüne) Gase, fossile steuerbare Leistung oder CO2-Abscheidung. Diese Angebote gilt es nicht gegeneinander, sondern miteinander auszubauen, ohne einzelne Lösungen aus ideologischer Verbohrtheit heraus von vornherein abzulehnen."
