12. Juni 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Ein Thema der Kommentare ist die erste Anhebung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank seit fast drei Jahren.

Die Lichter der Europäischen Zentralbank EZB und der Frankfurter Bankenskyline leuchten am Abend.
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main (IMAGO / imagebroker)
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU analysiert:
"Der Zinsschritt ist umstritten, denn gegen externe Preisschocks kann er wenig ausrichten. Und eine Bremse gegen zu starke Nachfrage – eigentlich der Zweck von Zinserhöhungen – ist das Letzte, was die Konjunktur gerade brauchen kann. Aber die EZB-Verantwortlichen haben der Inflationsbekämpfung den Vorrang gegeben."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG notiert:
"Die europäischen Regierungen und die Wirtschaft dürften mit dieser Entscheidung nicht zufrieden sein. Warum handelt die EZB dennoch? Vor allem ging es um ihre Glaubwürdigkeit. Viele Menschen erinnern sich noch gut an das Jahr 2022, als die Inflation bis auf zehn Prozent stieg. Damals zögerten Europas Währungshüter zu lange damit, den Leitzins anzuheben. Die Welt bleibt anfällig für plötzliche Preisschocks, ausgelöst durch geopolitische Konflikte. Vor diesem Hintergrund wird nahezu jede Leitzins-Entscheidung zu einer gefährlichen Wette. Das ist die Tragik der heutigen Geldpolitik."
Die EU will steigende Preise für den CO2-Ausstoß künftig schneller abbremsen und dafür mehr kostenfreie Zertifikate für den Emissionshandels herausgeben. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht ein Dilemma:
"Gibt die EU den Emissionshandel auf, kann sie ihre Klimaziele streichen. Hält sie hingegen stur an den bisherigen Vorgaben fest, droht die Abwanderung der besonders exponierten Wirtschaftszweige. Die Verbraucher werden wiederum ihren Unmut bei den Wahlen an den rechten Rand tragen. Deshalb ist der Preispuffer, den Europaparlament und Ministerrat nun für den Emissionshandel für Heizen und Fahren vereinbart haben, genau der richtige Schritt. Er nimmt Druck von den Verbrauchern, ohne den CO2-Preis insgesamt infrage zu stellen."
Das deutsche Tech-Unternehmen Neura Robotics hat sich Investition in Höhe von 1,4 Milliarden Euro unter anderem von den US-Riesen Amazon und Nvidia gesichert. Das HANDELSBLATT kommentiert:
"Auch wenn Neura gewollt hätte, hätte niemand in Europa und schon gar nicht in Deutschland eine Finanzierungsrunde in dieser Größenordnung anführen oder mitgehen können. Nur in Ausnahmefällen beteiligen sich Industriekonzerne an Start-ups. Umso wichtiger ist es, in Deutschland wie auch in Europa das Wachstumskapital zu stärken. Der neue Scaleup-Europe-Fonds der EU stellt einen Anfang dar. Doch es muss mehr passieren, damit Finanzierungsrunden für Robotik-Hoffnungen und Rüstungsunternehmen wie Helsing auch in Europa gestemmt werden können. Für die technologische Souveränität Europas ist das entscheidend."