
Das HANDELTBLATT findet:
"Ganz unerwartet kam dies zwar nicht. Überraschend war aber wohl, wie drastisch BMW seine Erwartungen verringerte. Eine Marge von schlimmstenfalls nur einem und bestenfalls nur drei Prozent im Autogeschäft prognostizieren die Bayern. Das hat mit dem Premiumanspruch wenig zu tun. Vielmehr sind das Werte, die selbst im Volumengeschäft als zu wenig gelten. Die kriselnde Kernmarke des Volkswagen-Konzerns kam im vergangenen Jahr auf exakt drei Prozent operative Umsatzrendite, Ziel sind 6,5 Prozent am Ende des Jahrzehnts. Manche Analysten fragen schon, ob das Geschäftsmodell nicht neu ausgerichtet werden müsse, ebenfalls eine Frage, die man sonst eher aus dem VW- und Mercedes-Kosmos kennt."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG unterstreicht:
"Die Party ist vorbei, jetzt auch in München. Lange hatten sie sich bei BMW so gegeben, als betreffe sie die Krise der anderen europäischen Autokonzerne nicht. Stattdessen feierte der inzwischen abgetretene Chef Oliver Zipse sich und die Seinen – für den strategischen Weitblick das Festhalten an Verbrennern und E-Autos, die technische Aufholjagd mit der „Neuen Klasse“. Gleich sieben Mal feierte man die Premiere des neuen elektrischen 3ers in München, alle sollten dabei sein. 'Zuversicht ist keine Stimmung. Sie ist eine aktive Entscheidung', sagte Zipse dann noch vor ziemlich exakt einem Monat auf der Hauptversammlung und trat ab. Die Realität ist doch ein bisschen komplizierter, wie seit Dienstagabend klar ist, und weniger freudig."
Auch der SPIEGEL kritisiert den abgetretenen Konzernchef Zipse:
"Er vermittelte den Eindruck, als sei der erbitterte Preis- und Verdrängungswettbewerb, der in China stattfindet, ein vorübergehendes Phänomen und als könne BMW als Premiumanbieter auf Dauer nichts anhaben. Dabei sinken die BMW-Absätze dort seit mehr als zwei Jahren bedenklich, und wenig spricht dafür, dass die zuletzt schwache Autonachfrage in China anzieht oder der Preiskampf sich entspannt. Absehbar war auch, dass der Krieg in Iran und die in der Folge steigenden Energiepreise verzögert auf die deutsche Industrie durchschlagen würden. Zipses Nachfolger Milan Nedeljković tut nun, was jeder neue CEO tut, zumal, wenn der Vorgänger besonders hohe Erwartungen geschürt hat: Er legt die Schwächen offen, senkt die Prognosen und kündigt Sparmaßnahmen an."
