01. Juli 2026
Die Wirtschaftspresseschau

In der Niederlage der deutschen Männer-Fußballnationalmannschaft sehen viele Zeitungskommentare das Sinnbild für eine Misere im Land - und sie kritisieren Bundeskanzler Merz für sein Lob an das WM-Team. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt:

Bundeskanzler Friedrich Merz verfolgt ein Spiel mit Fanschal um den Hals.
Bundeskanzler Merz verfolgt ein Spiel mit einem Fanschal um den Hals. (picture alliance / Maximilian Koch / Maximilian Koch)
"Hoffentlich hat der Kanzler auf die Wirtschaftslage in Deutschland einen realistischeren Blick. Zur Erinnerung: Dort, wo Deutschland im Fußball steht, irgendwo zwischen Platz 17 und 32, steht es auch in den einschlägigen Ranglisten zur Wettbewerbsfähigkeit. Die Innovationskraft ist gesunken, die Investitionstätigkeit auch. In Zukunftsfeldern wie der Künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Elektromobilität sind die USA und China Deutschland weit enteilt. Spitzenreiter ist Deutschland im internationalen Vergleich nur noch, wenn es um die Steuer- und Abgabenlast geht."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf konzentriert sich vor diesem Hintergrund auf die Stimmungslage in Deutschland:
"Erst blieb der oft beschworene Herbst der Reformen aus, nun fällt auch der Sommer der Tore ins Wasser. Das alles wäre halb so schlimm, wenn es nur um Fußball ginge. Doch der Sport taugt hier auch als Sinnbild. Nicht einmal beim Kicken ist das Land noch spitze, nicht einmal mehr in der einstigen Königsdisziplin der Turniere, dem Elfmeterschießen."
Die WESTDEUTSCHE ZEITUNG aus Wuppertal ergänzt:
"Reformen sind schwierig in Deutschland. Bauen oder Sanieren dauert immer länger und wird immer teurer. Autos aus der deutschen Autoschmiede entpuppen sich international zunehmend als Ladenhüter. Und jetzt kann Deutschland nicht einmal mehr Elfmeter schießen. Quo vadis, Wirtschaftswunderland, wohin gehst du?"
Zum Schluss noch ein Blick nach Asien. Die südkoreanische Firma SK Hynix, die Arbeitsspeicher herstellt, hat den Gang an die Börse gewagt. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht sie als Beispiel für den Wandel eines alten Grundsatzes:
"Bis vor dreißig Jahren wurden Steuererleichterungen und Fördermaßnahmen für große Firmen durch den Staat gerne mit dem Begriff Trickle-down Economics erklärt. US-Präsident Ronald Reagan war ein prominenter Vertreter der Schule, dass Reichtum von oben nach unten in die Gesellschaft durchsickert und somit allen hilft. Damit war es spätestens mit der Internet-Economy vorbei. Apple hat massive Ausbeuterei in asiatischen Billiglohnländern zur Gewinnmaximierung genutzt. Amazon hat zuerst den Buchhandel und dann weitere Branchen ruiniert und zahlt seinen Lagerarbeitern wenig Geld. Wir leben im Zeitalter der Trickle-up Economics."