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Die Zukunft der Mülltrennung

EU und Bundeskartellamt haben dafür gesorgt, dass das politisch gewollte Monopol des Dualen Systems Deutschland in Sachen Sammlung, Sortierung und Verwertung fiel. Der Markt hat sich seit 2001 geöffnet, Mitbewerber gehen an den Start. Gleichzeitig wird diskutiert, ob man Verpackungsabfälle weiterhin getrennt erfassen soll. Eine Branche im Umbruch - Diskussionsstoff genug für den Internationalen Altkunststofftag in Bad Neuenahr, zu dem der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung geladen hatte.

Von Anke Petermann |
    "Gelber Sack auf dem Prüfstand", "Macht Mülltrennung noch Sinn?", "Moderne Sortiermaschinen holen Wertstoffe aus bunt gemischtem Hausmüll" - so eine Auswahl von Schlagzeilen der letzten Monate - Tenor der Medienberichte: die Mülltrennung steht zumindest, was den Verpackungsmüll aus Kunststoffen Metall und Verbundmaterial angeht, vor dem Aus - die so genannte "Zebratonne" ist im Kommen. Auf dem Internationalen Altkunststofftag in Bad Neuenahr hielt man dagegen. Zum Beispiel mit großem Lob für die Verbraucher, ausgesprochen von Michael Scriba, Geschäftsführer des Kunststoff-Recyclers purus Niedergebra GmbH:

    " Das, was in Deutschland von den Haushalten geleistet wird, ist im Grunde sensationell. Es ist für die privaten Verbraucher ein Super-Beitrag zum Umweltschutz, den man selbst leisten kann - ganz einfach - und er führt zu hervorragenden Recyclingergebnissen, und wer das in Frage stellt, muss die Alternative erst mal aufzeigen und das genau gegenüberstellen und nachweisen, dass er wirklich besser ist. Ich glaube, dass das nicht gelingt."

    Anlass zur Euphorie kann auch Thomas Rummler vom Bundesumweltministerium in den ersten Modellversuchen in Richtung "Zebratonne" für unsortierten Restmüll nicht erkennen:

    " Es ist sicherlich richtig, dass man mehr Kunststoffe auch aus dem Abfallstrom herausholen kann, aber die Qualitäten, die heute mit der getrennten Erfassung erreicht werden, sind schwierig mit der Erfassung Restmüll zu erreichen, und deshalb muss das alles nach Auswertung der Modellvorhaben ökologisch, aber auch ökonomisch noch mal auf den Prüfstand."

    Ganz auf ökonomische Effizienz muss sich neuerdings die DSD AG ausrichten. Vor zwei Jahren machten Mitbewerber ihr das einst politisch erwünschte Monopol streitig - die Wettbewerbshüter in EU und Bundeskartellamt pochten auf Marktöffnung. Mitarbeiter entlassen und Kosten senken ist seither angesagt, was sagen die Kunststoff-Recycler als Abnehmer dazu? Michael Scriba:

    " Wir haben halt das Gefühl, dass die Neuausrichtung des DSD dazu führt, dass vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Zwänge, denen DSD unterliegt, nur noch Mindeststandards erfüllt werden und das, was in den letzten zehn Jahren an überschießenden ökologischen Leistungen auch im Kunststoffverwertungsbereich erbracht worden ist, sozusagen abgeschrieben wird und nicht mehr weiter verfolgt wird. Und das macht uns Sorgen."

    "Wir wollen mit Händlern und Wettbewerbern einen Qualitäts-Sicherungspakt schließen", entgegnet Hans-Günther Stehr von der Mainzer Landbell AG, die der DSD AG seit zwei Jahren Konkurrenz macht. Qualitätsdefizite macht vom Vorstand auf dem Sektor der Selbstentsorgung aus, und das obwohl die Novelle der Verpackungsverordnung die Selbstentsorger, zum Beispiel Krankenhäuser, Drogerien und Baumärkte verpflichtet, Nachweise über Rücknahme und Verwertung von Verpackungen zu erbringen. "Dumpingpreise für dürftige Leistung" erkennt Stehr bei manchen. Und deshalb plädiert der Türöffner im Sammel- und Verwertungsbereich nun seinerseits dafür, den Selbstentsorgern die Tür nicht zu weit zu öffnen. Andernfalls drohe zum Beispiel unter dem Stichwort Mengenausgleich:

    " Dass man also zwischen Selbstentsorgern sich die Mengen hin und herschieben kann, ohne dass tatsächlich Verpackungen am Ort, wo man kauft, zurückgenommen werden, dann hätten wir eine Situation , dass die Einnahmen bei den Selbstentsorgern sind und die Probleme, also die Menge, die sind bei den Kommunen und bei den Entsorgern, und dann bricht der Markt am Ende zusammen."

    Bislang allerdings machen die Selbstentsorger auf dem Markt noch einen verschwindend geringen Anteil aus.