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StartseiteSport am WochenendeDienstunfähig auf Skating-Tour23.07.2010

Dienstunfähig auf Skating-Tour

Fragen um die Doping-gesperrte Eisschnellläuferin und Polizeimeisterin Claudia Pechstein

Die dopinggesperrte Eisschnellläuferin Claudia Pechstein scheint gut in Form: Zuletzt siegte sie in der Lausitz zweimal auf Inline-Skates - im Einzelrennen und im Team-Halbmarathon. Das sportliche Comeback wirft heikle Fragen auf, auch die nach ihrem beruflichen Status.

Von Grit Hartmann

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wurde durch den internationalen Gerichtshof CAS für zwei Jahre gesperrt.  (AP)
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wurde durch den internationalen Gerichtshof CAS für zwei Jahre gesperrt. (AP)

Ende März war die Beamtin Pechstein von ihrem Arbeitgeber, der Bundespolizei, ultimativ zum Dienstantritt aufgefordert worden. Ende Mai, als das publik wurde, klagte die Berlinerin lauthals über die angebliche Bedrohung ihrer Karriere. Es sei nicht möglich, "tagtäglich Dienst zu schieben und danach zu trainieren". Was Pechstein verschwieg: Seit 22. April ist sie ohnehin "dienstunfähig erkrankt". Das geht aus einer Auskunft des Bundesinnenministeriums an Martin Gerster, den sportpolitischen Sprecher der SPD, hervor. Demnach war Hauptmeisterin Pechstein, obgleich Ende November von ihren Aufgaben als Spitzensportlerin entbunden, bis Mitte Juni gerade einmal vier Tage im Dienst - zum Zwecke einer Fortbildung. Ansonsten nahm sie Urlaub - bis zu ihrer Krankschreibung. Martin Gerster:

"Wenn Frau Pechstein tatsächlich dienstunfähig erkrankt ist, frage ich mich, wie Frau Pechstein beim '5. Lausitzer Seenlauf 100' trotz eines Sturzes eine solche Bestzeit tatsächlich auf Inline-Skates erzielen kann. Und deswegen stellt sich die Frage, was steckt eigentlich hinter dem Begriff dienstunfähig erkrankt."

Andere Aktivitäten scheinen zum Langzeit-Gebrechen ebenso wenig zu passen: etwa die Pressekonferenz Anfang Juni unter dem melodramatischen Label "Top 100 für Gerechtigkeit". Im Beisein von Pechstein plädierten Promis für Wiederaufnahme des Doping-Verfahrens - obwohl dazu ein Urteil des Schweizer Bundesgerichtes erwartet wird:

"Auch da kann ich nicht feststellen, dass jemand so schwer erkrankt ist, dass er beziehungsweise in diesem Falle sie den Dienst nicht antreten kann. Sie macht jedenfalls einen ziemlich fitten Eindruck auf allen Ebenen."

Die Auskunft an Gerster stammt vom 16. Juni. Dazu, ob die Kufenläuferin noch immer krankgeschrieben ist, wollte sich das BMI aus, wie es hieß, "datenschutzrechtlichen Gründen" nicht äußern. Der Sportpolitiker hat soeben erneut eine Anfrage ins Ministerium gestellt. Ihn interessiert auch, warum das Disziplinarverfahren gegen Pechstein noch immer nicht abgeschlossen ist. Seine Mindestanforderung:

"Ich erwarte eigentlich schon vom Bundesministerium des Innern, dass es insbesondere nach der sportlichen Höchstleistung von Frau Pechstein nun auch wirklich drängt, dass Frau Pechstein ihren ganz normalen Polizeidienst antritt."

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