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StartseiteStreitkulturZerstört der Online-Handel Umwelt und Innenstädte?18.07.2020

Dieter Janecek vs. Gero FurchheimZerstört der Online-Handel Umwelt und Innenstädte?

Alles lässt sich im Internet bestellen: Vom Fahrrad bis zum überdimensionalen Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter, vom String-Tanga bis zur Schutzkleidung für die Baustelle - Smartphone oder Laptop genügen dafür. Für viele ist das Internet ein einziges, riesiges Einkaufsparadies.

Moderation: Stefan Römermann

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Eine Mitarbeiterin von Amazon läuft in einer der Lagerhallen des Amazon Logistikzentrums in Pforzheim an tausenden unverpackten Kartons vorbe. (dpa / picture alliance / Christoph Schmidt)
Eine Mitarbeiterin von Amazon läuft in einer der Lagerhallen des Amazon Logistikzentrums in Pforzheim an Tausenden Kartons vorbei (dpa / picture alliance / Christoph Schmidt)
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Doch so bequem die Online-Bestellung vom Schreibtisch oder Sofa aus auch ist - so hat der Online-Handel möglicherweise doch auch Risiken und Nebenwirkungen. Die Streitkultur fragt deshalb: "Internet-Shopping mit Nebenwirkungen: Zerstört der Online-Handel Umwelt und Innenstädte?"

Bundestagsabgeordneter Dieter Janecek (Bündnis 90/Die Grünen). (dpa / Michael Kappeler) Dieter Janecek (dpa / Michael Kappeler)Dieter Janecek, MdB Bündnis 90/Die Grünen:

"Das Einkaufsparadies Internet hat eine ganze Reihe von negativen Auswirkungen. Der Niedergang des Einzelhandels und die Verödung der Innenstädte ist auch darauf zurückzuführen, dass wir ein gewaltiges Umsatzwachstum im Onlinehandel haben. In Ingolstadt bei mir um die Ecke sterben zum Beispiel sichtbar die Einzelhandelsgeschäfte im Innenstadtbereich und kommen nicht mehr hinterher mit den Umsätzen, die im Netz gemacht werden. Wir haben das Thema schlechte Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren, bei Amazon zum Beispiel. Wir haben das Thema Monopolbildung. Über 50 Prozent des Umsatzes ist bei einem Anbieter, nämlich bei Amazon. Wir haben die Zunahme des Verkehrs. Es gibt die Retouren, also die Pakete die wieder zurückgeschickt werden, vor allem im Bereich Kleidung. Das sind Konsummuster, die nicht auf Nachhaltigkeit setzen."

Gero Furchheim ist Präsident des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) und Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) und Vorstand von Cairo, einem Versandhändler für Büromöbel, Designermöbel und Accessoires zu Gast in der ARD Talkshow "Hart aber fair"  (dpa / Horst Galuschka )Gero Furchheim (dpa / Horst Galuschka )Gero Furchheim, Präsident Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V.

"Bevor wir über Nebenwirkungen vom Onlinehandel sprechen, müssen wir vor allem über die Hauptwirkung sprechen: Die Auswahl ist sehr, sehr groß. Auch als während der Coronakrise der stationäre Handel ausgefallen ist, gab es Versorgungssicherheit. Aber das Entscheidende ist, dass der Konsument sehr viel mehr Macht und Auswahl hat. Er kann nämlich einfach per Mausklick auf einen anderen Anbieter wechseln und ein anderes Angebot wahrnehmen. Er muss nicht zum anderen Ende der Stadt fahren, um einen anderen Anbieter zu finden. Deshalb haben die Onlinehändler auch seit mehreren Jahren schon zweistellige Wachstumsraten. Und ich glaube, dass der E-Commerce insgesamt auch eine gute Wirkung auf Wirtschaft und Ökologie hat, weil er einfach Nachfrage-gesteuert ist: Es wird nicht eine Kollektion an alle Boutiquen im ganzen Land verteilt, sondern es wird zentral gelagert, und es wird nachbestellt, wenn die Nachfrage da ist. An der Entwicklung in den Innenstädten hat der Onlinehandel gar nicht so einen großen Anteil. Die Shoppingcenter auf der grünen Wiese und Supermärkte jenseits der Innenstädte haben einen deutlich größeren Marktanteil am Warenhandel."

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