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Digitales Logbuch

von Tobias Armbrüster

    Eine der unglücklichsten Begleit-Erscheinungen beim Email-Verkehr sind so genannte Spam letters, also überflüssige Botschaften, die immer nur den Posteingang zumülllen. Jeder kennt diese Emails: Angebote für Viagra-Pillen, billige Kredite und Brust-Vergrößerungen.

    Die großen Provider haben für solche Emails Filter entwickelt. Diese Filter suchen in jeder Email nach unerwünschten Worten: zum Beispiel "Viagra", oder "Billig-Kredit", oder "Sex". Diese Emails werden dann zurückgewiesen.

    Solche Filter können die Frustration im Internet allerdings noch vergrößern. Häufig sieben sie nämlich auch solche Emails aus, die eigentlich durchkommen sollten. Nicht alle Emails, die das Wort Kredit enthalten sollen ja in den Mülleimer landen. Untersuchungen zeigen, dass die Fehlerquote bis zu 30 Prozent beträgt.

    Ein ehemaliger dotcom-Millionär aus dem Silicon Valley hat jetzt einen ganz neuen Filter entwickelt, und will damit offenbar nicht nur das Leiden mit den müll-mails verkleinern, sondern auch den eigenen Konto-Stand wieder vergrößern. Name des Filters: Ironport. Dieser Filter wird vermutlich deshalb ein Erfolg, weil er das einzige Druckmittel einsetzt, das im Internet wirkt: Geld. - Versender von Massen-Emails müssen dazu schwören, dass sie keine Müllsendungen mehr verschicken. Gleichzeitig hinterlegen sie eine Bürgschaft in Höhe von 100.000 Dollar. Dafür sind sie dann bei Ironport registriert. Der Filter lässt alle ihre Emails durch. Wenn sich allerdings die Empfänger beschweren, zieht Ironport einen Teil der Bürgschaft ein, als Strafe. Offenbar setzt sich dieser neue Filter tatsächlich durch. Alle großen Email-Provider haben ihren Eid geleistet.

    Das erstaunliche ist, dass sich das Internet hier plötzlich in eine moralische Institution verwandelt. Das Wort eines Providers gilt plötzlich was. Und wer nicht mitspielt, wird bestraft. Jeder, der eine Email-Adresse hat, kann als Ankläger auftreten. Was kommt als nächstes? Vielleicht verfassen ja auch die Spam-Versender bald einen Ehren-Kodex. Nur wer mit einem Knopfdruck 100.000 Viagra-Emails verschicken kann, darf sich Spammer nennen. Alle anderen müssen bezahlen.