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StartseiteHintergrundBits und Bytes für Kleinbauern04.11.2019

Digitalisierung in AfrikaBits und Bytes für Kleinbauern

Millionen Kleinbauern in Afrika ernten mit einfachsten Mitteln gerade einmal genug für den eigenen Bedarf - in guten Jahren. Nachhaltig ist das nicht. Hilfe kommt jetzt aus unerwarteter Richtung: Software-Entwickler bringen Apps auf den Markt, die bei der Verringerung von Armut helfen sollen.

Von Marc Engelhardt

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Kleinbauern in Ghana bei der Kakaoernte (Imago / Newscast)
Allein in Ghana bewirtschaften Millionen Kleinbauern ihre Felder (Symbolbild) (Imago / Newscast)
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Daniel Obeng ist bei der Ernte. Mit einem Buschmesser hackt er rote, reife Kakaofrüchte auf und öffnet mit wenigen kunstvollen Hieben die Schale. Die Kakaobohnen legt er zum Fermentieren unter Bananenblätter. Seit zwölf Jahren macht der Bauer aus Ghana das schon so.

"Damals habe ich die Setzlinge vom Staat bekommen. Sie haben mir geholfen diese Farm aufzubauen. Ich habe die Bauernschule besucht, und nach und nach meinen Morgen Land zu einer Kakaoplantage umgestaltet. Meine Frau und ich machen alles hier selbst, wie haben keine Maschinen - nur Muskelkraft."

So wie Daniel Obeng bewirtschaften allein in Ghana Millionen Kleinbauern ihre Felder. Sie leben von der Hand in den Mund. Bleiben Regenfälle aus, hungern sie. Das aber soll sich ändern - und zwar mit digitaler Technologie, sagt Toby Johnson vom "Zentrum für landwirtschaftliche und ländliche Zusammenarbeit", kurz CTA, das gemeinsam von der EU und Entwicklungsländern betrieben wird.

"Was wir beobachten ist dies: Um die Nahrungssicherheit in Afrika zu verbessern, die Qualität der Ernährung und die Verringerung von Armut - für all das ist Digitalisierung ein Muss."

Mehr als 170 Millionen Afrikaner bestellen ihre Felder mit kaum mehr als einer Hacke und viel Hoffnung. Bisher galten sie als wirtschaftlich hoffnungslose Fälle: Ihre Felder sind zu klein, es fehlt an Know-how und an Kapital. Doch seit Kurzem hat sich das Bild gewandelt, stellt Johnson fest. Afrikas Kleinbauern sind zu gefragten Kunden geworden.

"Das Geschäft mit Apps für Kleinbauern ist schon heute 147 Millionen Euro wert, aber das Potential ist noch viel größer: Es geht um einen Markt von 2,3 Milliarden Euro, wenn man alle Kleinbauern in Afrika mit einbezieht."

Kein Geld für ein Smartphone

Doch woher sollen die Milliarden kommen? Daniel Obeng, der seiner kleinen Plantage mitten im Regenwald jedes Jahr aufs Neue seine Kakaoernte abtrotzt, bekommt vom Staat einen Festpreis von circa 1,20 Euro je Kilogramm Kakaobohnen. Davon und von den Feldfrüchten, die er neben dem Kakao anbaut, kann seine Familie leben. Geld für ein Smartphone aber hat Obeng nicht, für eine App schon gar nicht. Selbst wenn: Im Regenwald gibt es keinen Mobilfunkempfang. Und trotzdem gehört Daniel Obeng exakt zur Zielgruppe, die der Software-Entwickler Kojo Kizito Wassungu mit seiner App im Blick hat.

"Die App heißt FBS Innova, wobei FBS für die Bauernschulen steht, die die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ, zusammen mit dem ghanaischen Staat betreibt. FBS Innova ist eine digitale Version dieser Kurse, so dass die Kakaobauern leichter erreicht werden können."

Farmarbeiter verlesen auf einer Kakao-Plantage in Ghana die zum Trocknen ausgelegten Kakaobohnen. (Undatierte Aufnahme). | Verwendung weltweit (picture-alliance / dpa / Georg Spring)Da nur wenige Bauern lesen können, spricht die App zu ihnen (picture-alliance / dpa / Georg Spring)

Schrittweise führt die App Kleinbauern wie Daniel Obeng durch die Arbeitsphasen, sagt ihnen, ob diese Woche Zeit zum Pflanzen, zum Unkraut jäten oder zum Ernten ist - für Kakao, aber auch für Mais oder Cassava. Und "sagen" ist wörtlich gemeint, denn die App kann sprechen - schließlich können nur wenige Kleinbauern lesen.

"Ich heiße Amah. Ich bin ein Kakaobauer in Ghana. Mein Ziel ist es, guten Mais für meine Familie und meine Hühner zu ernten, und viel Geld zu verdienen. Dafür muss ich gute Landwirtschaft betreiben: Bevor ich säe, muss ich meinen Boden gründlich umgraben."

Auch Pilze oder Pflanzenkrankheiten soll der Bauer mit der App frühzeitig erkennen können. "Super-User", die jung und technikaffin sind, sollen älteren Bauern wie dem 65-jährigen Obeng helfen. Sie kommen mit ihrem Smartphone regelmäßig auf die Plantagen, tragen offline Notizen in ein digitales Kassenbuch des Kleinbauern ein und synchronisieren die Daten, sobald sie wieder Netz haben. Im Gegenzug bekommen sie Anleitungen und ein wenig Geld. Doch woher soll das in Zukunft kommen, wenn die GIZ die Pilotphase nicht mehr finanziert? Kizito hat bereits einen Plan für sein Start-up, Agro Innova.

"Wir von Agro Innova glauben, dass die Daten, die wir mit dieser App generieren, Basis für unser Ertragsmodell sein werden. Wenn wir diese Daten auswerten, werden wir Informationen haben, die anderen Akteuren und Unternehmen Geld wert sind - denken sie an Telekommunikationsfirmen, oder an Banken, die wissen wollen, wie die Bauern wirtschaftlich dastehen. All diese Informationen können wir bereitstellen."

An Abnehmern herrscht tatsächlich kein Mangel: da gibt es die Händler, die Düngemittel oder Pestizide verkaufen, Mittelsmänner, die Feldfrüchte aufkaufen und mit Gewinn verkaufen wollen oder auch europäische Handelsketten, die nicht nur für ihre Bio- und Fair-Trade-Produkte einen genauen Herkunftsnachweis brauchen. Mit ihnen, nicht mit den nahezu mittellosen Kleinbauern, wollen App-Entwickler wie Agro Innova Umsatz machen. Was ihr Angebot so interessant macht? Bisher ist über die Millionen Kleinbauern praktisch nichts bekannt. Selbst die genaue Lage und Größe der Anbaufläche wird mit Apps wie FBS Innova erstmals erfasst - dafür ganz exakt mit GPS-Daten. Am Milliarden-Markt durchsetzen wird sich dann wohl, wer als erster die meisten Daten erfasst hat. Auf Ghanas Feldern herrscht deshalb eine Art Goldrausch, der längst auch die Branchenriesen wie SAP auf den Plan gerufen hat. Aus einem einstigen Entwicklungsprojekt ist längst ein Zukunftsgeschäft geworden, sagt SAP-Experte Michael Pittelkow.

"Die App ist ja das Interface und das, was der Farmer sieht beziehungsweise mit dem er selber arbeitet. Dahinter steht ja eine Datenbasis. Zum einen: Preistransparenz, zum Zweiten Bündelung der Angebotsmacht. Dadurch, dass verschiedene Kleinbauern sich zusammenschließen können auf dieser Plattform und virtuell ihr Angebot bündeln, kommen sie in andere Regionen, zu anderen Aufkäufern, stoßen in andere Preisregionen vor."

Den Zeitpunkt für IT-Lösungen in der afrikanischen Landwirtschaft nennt Pittelkow ideal: Weil drei von fünf landwirtschaftlich nutzbaren Flächen weltweit in Afrika liegen, aber kaum genutzt werden - und weil Handyboom und IT-Entwicklung eine bisher ungekannte Dynamik in Gang gesetzt haben. Immer mehr afrikanische Entwickler arbeiten an afrikanischen Lösungen, von denen laut Pittelkow auch SAP profitiert.

"Tatsächlich ergänzen wir unser Portfolio um deren Produkte. Wir nennen das 'innovate at the edge': also, es gibt bestimmte Komponenten, die wir bereitstellen können, aber da Drumherum gibt es eine Vielzahl von Lösungen, die lokal entwickelt werden, die aber direkt mit unserer Lösung kommunizieren. Wir rechnen damit, dass in fünf, sechs Jahren vielleicht nur noch 30 Prozent der Gesamtlösung selber in unserem Haus hergestellt haben, dass der Rest aus unserem Ökosystem, so nennen wir das, kommt. Und Start-ups spielen eine sehr, sehr große Rolle."

Zu denen, die Start-ups speziell für afrikanische Kleinbauern entwickelt haben, gehört Emmanuel Ansah-Amprofi, der Mitbegründer von Tro-Tro-Traktor. Ein Tro-Tro ist in Ghana ein Sammeltaxi, das Mitfahrende vom Straßenrand herbeirufen. Mit Tro-Tro-Traktor rufen Farmer einen Traktor zu sich, wenn sie ihn brauchen. Ansah-Amprofi greift zu seinem Tasten-Handy und gibt Zahlen ein.

Kein Internet, keine Straßen, keine Traktoren

"Also, ein Bauer mit einem einfachen Tastentelefon tippt eine gebührenfreie Nummer ein und wählt. Er braucht also kein Internet. Er sagt, wo er sich befindet, und sucht sich aus, wofür er einen Traktor braucht. Die Stimme sagt: Willkommen bei Tro-Tro-Traktor, willst Du heute pflügen, eggen, aussäen, Ernte einfahren oder etwas anderes? Und wo willst du das tun?"

Den Einsatz bezahlt der Kleinbauer schon bei der Buchung mit dem Handy. Solche Bezahlsysteme sind in Afrika, wo kaum jemand ein Bankkonto besitzt, weit verbreitet. Ansah-Amprofi strahlt, während er tippt. Die von ihm mitentwickelte Technik begeistert ihn. Doch mit der Umsetzung hapert es noch, räumt er ein. Vor allem die Kundenakquise ist ein Problem.

"Die Bauern überhaupt zu erreichen ist ziemlich schwierig, denn sie leben oft in entlegenen Gebieten. Man muss dort hingehen und einen nach dem Anderen überzeugen, dass sich das Modell für sie lohnt. Und dann gibt es noch ein Problem: Der Bedarf an Traktoren ist da, aber das Angebot ist ziemlich klein. Also fragen Farmer an, aber ich kann ihnen nichts verkaufen."

So wie Ansah-Amprofi geht es auch anderen App-Entwicklern: Die Ideen sind gut, die Technik ausgereift, aber es fehlt die nötige Infrastruktur. Kein Internet, keine Straßen, keine Traktoren: Wie soll TroTroTraktor, das Uber für Kleinbauern, da funktionieren? Als Initiator für mehr Entwicklung, glaubt Stefan Schmitz, der als Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zuständig ist.

Frau trägt Schale mit geerntetem Reis auf dem Kopf (Imago / ZUMA Press)Mit deutschen Entwicklungsgeldern, die in den Aufbau von Start-ups fließen, soll die Landwirtschaft in Afrika professioneller werden (Imago / ZUMA Press)

"Der kleine App-Entwickler darf am Ende des Tages nicht alleine stehen bleiben. Wenn wir dort eine kritische Masse von Start-ups haben, dann lohnt es sich auch, vielleicht mehr Traktoren ins Land zu holen, und so kann eine Entwicklung in Gang gesetzt werden. Und das ist ja letztlich das, wo wir hinkommen: höhere Produktivität, höhere Erträge pro Hektar, mehr Einkommen auf dem Land, damit Voraussetzung für eine ländliche Entwicklung insgesamt. Das ist etwas, wo gerade junge Menschen dann wieder auch Interesse haben können, in der Landwirtschaft zu bleiben."

Mit deutschen Entwicklungsgeldern, die in den Aufbau von Start-ups fließen, soll die Landwirtschaft in Afrika professioneller werden, so Schmitz. Und das sei notwendig, denn bisher importiere Afrika jährlich Lebensmittel im Wert von 30 Milliarden US-Dollar. Dabei könnte der Kontinent sich selbst ernähren. Aber die Erträge pro Hektar sind zu niedrig, niedriger als in Europa, Asien oder Südamerika.

"Ein Beispiel: Der Reis. Es ist ein gutes Grundnahrungsmittel. Wenn es mehr oder weniger direkt vom Feld kommt, ist es hochgradig nahrhaft, enthält viele Vitamine, Spurenelemente. Westafrika importiert enorme Mengen an Reis. Der eigene Reissektor kann derzeit noch überhaupt nicht die Nachfrage decken. Es wird insbesondere aus Südostasien Reis importiert, häufig in sehr geringer Qualität."

Zurückgezahlt wird in Naturalien

Einer der Reisbauern, der Afrikas eigene Produktion deutlich steigern soll, ist Mohammed Al-Hassan. Sein Reis wird gerade mit dem Rechen auf dem Boden zum Trocknen verteilt. Es hat geregnet, sein Reisfeld nahe der Stadt Tamale im Norden Ghanas steht unter Wasser. Es ist Erntezeit. Fünf Tonnen hat der Landwirt im vergangenen Jahr auf seinen zehn Morgen Land erwirtschaftet, mehr als früher.

"Tamana, die örtliche Reismühle, gibt mir einen Vorschuss für das Saatgut und hat mir das nötige Training ermöglicht. Von dem, was die Ernte jetzt einbringt, können wir gut leben und ich kann vier meiner fünf Kinder zur Schule schicken."

Al-Hassan ist einer von insgesamt 4.000 Kleinbauern, die Tamana mit Reis beliefern. Saibu Braimah ist der Direktor der Mühle. In nur acht Jahren hat er ein Geschäftsmodell aufgebaut, das ihm und den Kleinbauern nutzt, wie er sagt.

"Mit unseren 4.000 Farmern haben wir in der abgelaufenen Saison sehr viel produzieren können. So viel, dass die Regierung uns jetzt einen Vertrag zur Belieferung von Schulen gegeben hat. Das hat uns die Chance gegeben, unsere Produktion nochmals zu verdoppeln, von 20 auf 40 Tonnen pro Tag."

Für das Abfüllen, das Reinigen, Schälen und die Behandlung des Reis beschäftigt Braimah fast 50 Festangestellte und 300 Hilfskräfte. Die meisten davon sind Frauen. Damit die Bauern genug Reis liefern können, muss Braimah ihnen Kredit für das Saatgut gewähren. Zurückgezahlt wird in Naturalien. Früher rechneten die Angestellten der Mühle mit Formularen ab, die irgendwo abgeheftet wurden. Doch mit Hilfe der Reis-Initiative CARI, die unter anderem mit deutschen Entwicklungsgeldern finanziert wird, ist auch auf den Reisfeldern die digitale Ära angebrochen. Michael Ogundare hat die App namens PaddyBase programmiert. Der 23-jährige Software-Entwickler aus Nigeria lächelt übers ganze Gesicht, wenn er sein Geschäftsmodell erklärt.

"Wir möchten aus der Landwirtschaft eine profitable Unternehmung machen. Wie das gehen soll? Indem die Farmer Zugang zu Krediten bekommen. Ohne Kredit können sie das kleine Feld hinter ihrer Hütte nicht in eine tragfähige Basis für ein Unternehmen umwandeln. Das ist meine Vision: Sicherstellen, dass das Geschäft der Bauern wächst und große Gewinne erzeugt."

"Die Bauern zahlen uns nichts"

Vertreter der Reismühle erfassen mit Hilfe ihrer Smartphones schon auf den Feldern sämtliche Daten: Ausmaß des Anbaugebiets, Aussaat, Ernte, Kreditsumme und Rückzahldatum. Daraus entsteht mit der Zeit ein verlässliches Profil jedes Kleinbauern, der mit der Reismühle zusammenarbeitet. Ogundare betont die Vorzüge für Farmer und Aufkäufer: Schneller Zugriff auf Daten, kürzere Bearbeitungszeiten zur Bezahlung der Farmer, Verlässlichkeit und Transparenz. Doch er gibt auch zu:

"Wir sind ein profitorientiertes Unternehmen, und die Bauern zahlen uns nichts. Also arbeiten wir mit Banken zusammen, wo die Bauern Kredite beantragen können. Wir übernehmen für die Banken die Bonitätsprüfung und die Kontrolle der Kreditnehmer, und dafür werden wir von ihnen bezahlt."

Reis fließt durch die Hand eines Reisbauern im Kongo. (dpa / picture alliance / Mika Schmidt)Schon jetzt nutzen nach Schätzungen des Kooperations-Zentrums CTA mehr als 33 Millionen afrikanische Kleinbauern speziell für sie entwickelte Agrar-Apps. (dpa / picture alliance / Mika Schmidt)

In Ländern wie Ghana gibt es keine Schufa. Softwareentwickler wie Ogundare füllen die Lücke mit ihren Apps. Schon jetzt nutzen nach Schätzungen des Kooperations-Zentrums CTA mehr als 33 Millionen afrikanische Kleinbauern speziell für sie entwickelte Agrar-Apps. Dass sie dafür mit ihren Daten bezahlen, ist den wenigsten bewusst. Und selbst wenn sie es wüssten, sähen sie wohl kaum eine Alternative. Kakaobauer Daniel Obeng jedenfalls wäre einverstanden, wenn seine Daten künftig im Gegenzug für die App-Nutzung gespeichert würden.

"Wenn ich irgendein Problem auf der Pflanzung habe, muss ich heute warten, bis ich von irgendwoher Unterstützung bekomme. Wenn das alles auf meinem Telefon gespeichert ist, werde ich selbstständiger: Dann kann ich einfach loslegen, indem ich den Anleitungen Schritt für Schritt folge."

Und Reisfarmer Mohammed Al-Hassan träumt bereits davon, was ihm ein neuer Kredit ermöglichen würde.

"Der Transport ist ein großes Problem für mich. Gerade wenn das Wasser hoch steht, bräuchte ich einen eigenen Traktor, um meine Ernte zur Reismühle zu bringen. Derzeit habe ich keinen Zugang zu einem Fahrzeug."

Große Unternehmen wie SAP haben mit der GIZ immerhin ein Abkommen über den "fairen Umgang mit Daten" vereinbart. So würden Daten in der Regel anonym gespeichert, versichert Michael Pittelkow.

Probleme wie marodes Stromnetz

"Man muss allerdings auch sagen, dass wir uns jeweils im Rahmen der Regelungen im Lande bewegen. Was in einem Land erfordert ist, das werden wir tun. Wenn es also zum Beispiel - theoretisches Szenario - Anforderungen einer Steuerbehörde gibt, über Umsätze Informationen zu geben, und das ist gesetzlich so geregelt, dann ist das natürlich etwas, was möglich gemacht werden muss."

Womöglich also bekommen Ghanas Kleinbauern eines Tages unverhoffte Post vom Finanzamt. Ausgeschlossen ist das nicht. Doch selbst dann überwiegt vermutlich die Freude darüber, dass die so lange vernachlässigten Kleinbauern auf einmal im Zentrum modernster Entwicklungen stehen. Anstatt Spiele zu programmieren, schreiben immer mehr Entwickler lieber Codes für die Farmer in ihrer Heimat. Und das wird den überwiegend umwelt- und klimafreundlich arbeitenden Kleinbauern auf lange Sicht hoffentlich das Überleben sichern, glaubt Stefan Schmitz vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

"Wir haben in Afrika eine weit verbreitete Kleinbauernschaft, familiäre Betriebe. Das ist eine riesige Chance."

Saibu Braimah, der Direktor der Reismühle Tamana im Norden Ghanas, plant dank der PaddyBase-App bereits eine Ausweitung seiner Geschäfte. Bei den 4.000 Farmern, die seine Mühle heute mit Reis beliefern, soll es nicht bleiben.

"Es gibt 20.000 Reisbauern in unserem Einzugsbereich. Viele von ihnen wollen mit uns zusammenarbeiten, aber im Moment fehlen uns dafür noch die nötigen Ressourcen. Aber die Farmer sind bereit, und sie wollen Reis für uns anbauen."

Damit Wachstumswunder wie in Tamale überall im Land gelingen, müssen allerdings auch Regierungen mehr tun als bisher. Bei Tamana standen zuletzt wochenlang die Maschinen zur Reis-Verarbeitung still, weil das marode Stromnetz zusammengebrochen war. Manche Probleme können Smartphone-Apps nicht lösen.

Die Reise des Autors wurde von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt.

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