Samstag, 25. Juni 2022

Archiv

Digitalisierung in China
Bezahlen per Gesichtserkennung

In vielen Lebensbereiche tickt China inzwischen deutlich digitaler als der Rest der Welt. Debatten über den Datenschutz gibt es nicht, dafür immer mehr Supermärkte ohne Personal und Bezahlen per Gesichtserkennung.

Von Steffen Wurzel | 05.12.2018

Leider liegt für dieses Bild keine Bildbeschreibung vor
In einigen Filialen einer US-Fastfoodkette lässt sich in China bereits heute per Gesichtserkennung bezahlen. (Deutschlandradio / Steffen Wurzel)
Ein auf den ersten Blick ganz normaler Supermarkt auf dem Campus einer Wirtschafts-Universität im Osten von Shanghai. In den Regalen steht alles, was Studierende so brauchen: Süßigkeiten, Schreibwaren, Hygieneartikel und Bier zum Beispiel. Das Besondere: Der kleine Supermarkt kommt komplett ohne Angestellte aus.

"Wir nehmen ein Produkt aus dem Regal und legen es hier hinein," erklärt Leo Tao, der das Konzept des Supermarkts ohne Personal entwickelt hat.

Wenn man nicht bezahlt im Supermarkt, bleibt die Tür geschlossen

Er legt einen Schokoriegel in eine Art Mulde, die sich dort befindet, wo normalerweise die Kasse stehen würde. Nun erkennt das Gerät die Ware, in dem es den Chip scannt, der auf dem Schokoriegel klebt. Dann kommt eine Stimme: "Bitte den Bezahlcode per Smartphone abscannen." Wenn man das tut, öffnet sich die Tür. Falls man nicht bezahlt, bleibt die Tür geschlossen.


Auch in anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, werden Supermärkte ohne Personal gestestet. Die Stärke des chinesischen Systems liegt im simplen Konzept, der relativ einfachen Chip-Technik und vor allem in der problemlosen Umsetzbarkeit.

Datenschutz kein Thema in China

Fragen wie: "Wie sicher ist solch ein Laden?", "Was passiert mit den Bildern der Überwachungskameras?" oder "Wer hat Zugriff auf meine Bezahldaten?" werden zunächst erstmal nicht gestellt. Denn in China gibt es so gut wie keine echte Zivilgesellschaft, keine freien Lobby- oder Interessensgruppen, keine Meinungs- und Pressefreiheit. Entsprechend finden gesellschaftliche Debatten – zum Beispiel über Datenschutz - so gut wie nicht statt.

Der Staat hat die alleinige Deutungshoheit darüber, was ethisch-moralisch okay ist und auch darüber, was technisch sinnvoll und gewollt ist.
Waren in einem chinesischen Supermarkt
In China gibt es immer mehr Supermärkte ohne Personal (Deutschlandradio / Steffen Wurzel)
Beim Bezahlen per Gesichtserkennung hat China die Nase vorn
Das kommt Erfindern wie Leo Tao entgegen. Er hat in den vergangenen Monaten mehrere solcher Läden ohne Personal in Betrieb genommen. Das nächste große Ding aus seiner Sicht wird das Bezahlen per Augenscan und Gesichtserkennung.
"Bei dieser Technik ist kein Land der Welt so weit vorne wie China. Wir sind das erste Land, das diese Technik im Bereich der Bezahlsysteme einsetzt und wir werden in diesem Bereich führend sein."
In einigen Filialen einer US-Fastfoodkette lässt sich in China bereits heute per Gesichtserkennung bezahlen. So wie hier in der Stadt Hangzhou, südwestlich von Shanghai. Zwei Jugendliche stehen an einem riesigen, hochkant aufgestellten Touchscreen. Sie tippen auf einen Salat, ein Hühnchensandwich und zwei Getränke. Dann fährt von oben eine kleine Kamera aus dem Gerät, und wenige Sekunden danach ist das Mitagessen der beiden nicht nur bestellt, sondern auch schon bezahlt.
"Das Gerät hat mein Gesicht gescannt, dann habe ich zur Bestätigung meine Telefonnummer eingetippt und das war‘s."
"Sehr bequem ist das! Nichtmal ein Passwort muss man sich merken. Um die Sicherheit mache ich mir keine Sorgen."