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"Dinosaurier des Jahres"NABU verleiht Negativpreis

Der Bundesverband Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ) existiert erst seit Oktober 2013 und wurde unlängst vom Bund für Naturschutz mit dem "Dinosaurier des Jahres" ausgezeichnet. Die Begründung: Der Verband sei antiquiert und rückwärtsgewandt.

Von Dieter Nürnberger | 27.12.2013

In diesem Jahr ist alles ein wenig anders. Denn der 19. Preisträger dieser Negativ-Auszeichnung ist ein Verband - und somit eben keine Persönlichkeit. Und es ist zum anderen auch - wenn man so will - der jüngste Preisträger, den es beim "Dinosaurier des Jahres" je gab. Der Verband mit dem prägnanten Namen "Bundesverband Getränkeverpackungen der Zukunft" wurde erst im Oktober, vor zwei Monaten also, gegründet.
Es geht somit um ein Thema, welches die Deutschen schon mehrfach beschäftigt hat - es geht um Dosenpfand, um Pfand auf Einwegverpackungen. Der heute ausgezeichnete Verband, der BGVZ, setzt sich für Einwegverpackungen ein. Das jedoch sei von gestern und ökologisch ein Rückschritt, sagt Olaf Tschimpke, der Präsident des Naturschutzbundes:
"Wir haben es durch das Pfandsystem geschafft, den Müll weitgehend aus der Landschaft herauszuhalten. Wir haben es aber nicht geschafft, den Menschen klarzumachen, dass Mehrwegsysteme und ökologische Getränkekartons die richtige Alternative sind. Tatsächlich wird auch durch Einweg-Plastikflaschen Müll in erheblicher Größenordnung produziert. Es wird ja auch nur ein Teil davon recycelt, der andere Teil geht oft nach Asien. Und bei den Dosen ist einfach die Ökobilanz so vernichtend schlecht, dass man eigentlich eine Renaissance dieser Verpackungsform nicht wünschen kann."
Der Bundesverband Getränkeverpackungen der Zukunft sieht dies natürlich ganz anders. Hier wird auf immer umweltfreundlichere Verpackungen verwiesen, zudem würden die Rückgabequoten - auch bei Einweg - bei nahezu 100 Prozent liegen.
Die Deutschen tendieren übrigens immer mehr zum Kauf von Einweg-Getränkeverpackungen, seit 2008 legt diese Quote zumindest kontinuierlich zu, wie NABU-Chef Olaf Tschimpke bestätigen muss.
"Wir sind jetzt bei einer Gesamtquote von unter 50 Prozent. Sie sinkt jedes Jahr und gerade bei Mineralwasser droht schlichtweg der Zusammenbruch des Mehrweg-Systems. Profiteure sind die großen Discounter, die ja auch diesen Verband mit gegründet haben. Profiteure sind die Hersteller und auch gewisse Getränkeabfüller wie beispielsweise "Red Bull", die allein auf Dosen setzen."
Und genau diese Lobby, so Tschimpke, mache es dem Verbraucher schwer, Mehrweg zu kaufen. In diversen Getränkeläden gibt es nur noch Einweg, zudem werde dem Verbraucher die Unterscheidung zwischen Mehr- und Einweg nicht einfach gemacht. Die Umweltbilanzen seien jedoch eindeutig - und man beruft sich hierbei auch auf Untersuchungen des Umweltbundesamtes.
"Bei Mehrwegsystemen mit regionaler Abfüllung, wo auch die Standardflasche benutzt werden kann, ist dies ökologisch ein eindeutiger Vorteil. Bei Plastik-Einwegflaschen geht es ja darum, dass überall in Deutschland abgefüllt werden kann, man macht dies dann auch nicht mehr regional - und damit verliert man auch eine ganze Menge bei den ökologischen Aspekten."
Natürlich haben wir heute Vormittag versucht, Wolfgang Burghard, den Geschäftsführer des Bundesverbandes Getränkeverpackungen der Zukunft, zu erreichen, das ist aber am Tag nach Weihnachten bekanntlich schwierig. Der BGVZ ist übrigens nicht gegen eine Pfandpflicht bei Einweg, er betont die Vorteile für den Konsumenten: Plastik sei eben vor allem leichter zu transportieren.
Für den NABU ist diese Auszeichnung mit dem sogenannten peinlichsten Umweltpreis auch der Abschluss der Arbeit 2013. Und Olaf Tschimpke hofft, dass 2014 in Sachen Einweg-/Mehrweg-Verpackungen einiges passiert: Er erinnert die Bundesregierung an die einst gesetzte Zielmarke bei Mehrwegverpackungen.
"Wenn man 80 Prozent Mehrwegquote beschlossen hat, dann muss man das politisch auch durchsetzen. Aus unserer Sicht ist hier eine Steuer auf Getränkeverpackungen der richtige Weg. Da kann man die ökologisch vorteilhaften Mehrweg-Gebinde, auch die Kartonverpackungen, sehr viel günstiger dastehen lassen, als diejenigen, die ökologisch schädlich sind. Dann würde sich der Verbraucher auch automatisch für die günstigere Variante entscheiden."
Doch genau gegen eine solche zusätzliche Abgabe oder Steuer wehrt sich der neue Verband, der BGVZ. Diese Diskussion wird somit im kommenden Jahr weitergehen.